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Café in Feldkirch schützenswert?

06.06.2020 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Seit Ende Dezember 2019 ist es Dunkel im Café Feurstein. <span class="copyright">HArtinger</span>
Seit Ende Dezember 2019 ist es Dunkel im Café Feurstein. HArtinger

Denkmalamt will Café Feurstein erhalten, Stadt will das nun prüfen .

Fünf Monate ist es nun her, seit die Feldkircher Institution unter den Kaffeehäusern ihre Türen geschlossen hat. Über die künftige Nutzung der leerstehenden Räumlichkeiten an Ecke Schmied- und Schlossergasse gehen die Meinungen auseinander. Während sich die Stammgäste unbedingt eine Weiterführung als Kaffeehauses wünschen, möchte sich die Stadt als Eigentümerin der Liegenschaft naturgemäß alle Möglichkeiten offenhalten. Letztlich hängt die Nachnutzung aber maßgeblich vom Ergebnis des amtswegigen Unterschutzstellungsverfahrens ab.

Auch über die Frage, was schützenswert ist und was nicht, scheiden sich seit jeher die Geis­ter. Für das Bundesdenkmalamt (BDA) ist ausschlaggebend, ob ein Gebäude eine besondere Bedeutung hat, sei es aus historischer, kultureller oder künstlerischer Sicht. Im Fall des eins­tigen Handelskammerhauses, in dessen Erdgeschoss die Feursteins 1933 zunächst eine Konditorei und 1949 das Café in Betrieb nahmen, sieht das BDA alle drei Gründe als gegeben an. 

„Außerordentliche Wichtigkeit“

„Mehr als 40 Jahre in diesem Geschäft sind genug“, resümierte Gastronom Klaus Feurstein vor der Schließung des Kaffeehauses im Dezember 2019.<span class="copyright"> Hartinger</span>
„Mehr als 40 Jahre in diesem Geschäft sind genug“, resümierte Gastronom Klaus Feurstein vor der Schließung des Kaffeehauses im Dezember 2019. Hartinger

Wie die NEUE bereits berichtete, soll nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch das im Eigentum von Klaus Feurstein stehende Mobiliar unter (Einzel-)Denkmalschutz gestellt werden. Die „Ausstattungs- und Einrichtungsstücke (baufeste und bewegliche) legen (…) Zeugnis von der Kaffeehauskultur in der Nachkriegszeit Vorarlbergs ab“, befinden die Denkmalschützer und schreiben dem Lokal „außerordentliche dokumentarische Wichtigkeit“ zu.

Herausgestrichen werden etwa das rote Kunstleder der Sitzmöbel, die Knopfpolsterung mit abgesteppten Längsnähten im Rockabilly-Style der 1950er-Jahre sowie die lackierten Oberflächen der Tische. „Die Umsetzung dieser Neuerungen in Verbindung mit der Fortführung des kulturellen Erbes der Kaffeehauskultur macht das Café Feurstein zu einer einzigartigen Einrichtung“, heißt es in der Expertise.

Auch die Einrichtung soll unter Denkmalschutz gestellt werden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Auch die Einrichtung soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Hartinger

Denkmalschutz angemessen?

Eben dieses Gutachten will die Stadt Feldkirch nun auf Herz und Nieren prüfen lassen. „Dazu haben wir einen Fachmann aus dem Denkmalschutzwesen beigezogen“, heißt es auf NEUE-Anfrage aus dem Rathaus. Der Sachverständige soll nach Angaben der Stadt „die historische, kulturelle und künstlerische Bedeutung der Café-Ausstattung sowie das öffentliche Interesse an ihrer Erhaltung bewerten“. 

Dass das Café Feurstein eine Feldkircher Institution darstellt, ist auch den Stadtoberen klar. Allerdings, so heißt es auf Anfrage, „halten wir es für überprüfenswert, ob eine Unterschutzstellung im Sinne des Denkmalschutzes tatsächlich angemessen ist“. Dem Vernehmen nach hat der Gutachter das Kaffeehaus bis dato noch nicht besichtigt.

Mehrere Interessenten

Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, gibt es bereits mehrere Interessenten aus den Bereichen Gastronomie, Handel und Dienstleistung. Zumindest zwei Unternehmer haben dies gegenüber der NEUE bestätigt. Einer davon ist Wolfgang Müller, Inhaber der Bäckerei und Konditorei Schnell, der im Nebenhaus eine seiner Filialen betreibt. Der zweite, Ulrich Berthold, Weinhändler und Area-Manager von illy Caffé, hatte sein Konzept bereits vor der Schließung des Kaffeehauses vorgelegt. Die Vermögens- und Wirtschaftsverwaltungsabteilung offerierte ihm allerdings lediglich einen auf drei Jahre befristeten Vertrag. Eine Bedingung, mit der Berthold nur wenig anfangen konnte. Wie der Unternehmer im Gespräch durchklingen ließ, sei er „unter gewissen Voraussetzungen“ nach wie vor an der Übernahme des Kaffeehauses und des angeschlossenen Klubs („Stone“) interessiert.

Das Haus, in dessen Erdgeschoss das Café Feurstein beheimatet war, steht seit 1995 unter Ensembleschutz, <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Das Haus, in dessen Erdgeschoss das Café Feurstein beheimatet war, steht seit 1995 unter Ensembleschutz, Stiplovsek

Vertragsdauer

Auf Nachfrage, ob die Stadt weiterhin auf einen Dreijahresvertrag pocht, lässt die Presseabteilung wissen: „Im Sinne der Weiterentwicklung der gesamten Immobilie halten wir dies grundsätzlich für sinnvoll, schließen aber bei Vorliegen eines inhaltlich und wirtschaftlich überzeugenden Konzepts auch eine längere Laufzeit nicht aus.“

Klarerweise müssten die schwer in die Jahre gekommenen Räumlichkeiten für eine weitere Nutzung zunächst umfassend saniert werden. Auch hier gilt es, das Ende des Verfahrens abzuwarten. 

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