“Was sind die Auswirkungen für Menschen, die in Feldkirch leben?” – Stimmen zu roten Zahlen

Die NEUE hat sich in Feldkirch umgehört und Meinungen von Bürgern zum Rechnungsabschluss der Stadt eingeholt. Teils herrscht Unverständnis, während bestimmte Investitionen positiv erachtet werden.
“Krass viel Geld”, lautet die knappe Reaktion von Patrick Wonisch, als er das Bilanzdefizit von 28 Millionen Euro hört. Angesprochen auf die Projekte der Stadt falle ihm eine konkrete Meinung schwer.
Am Dienstag hatte die Stadt Feldkirch bekannt gegeben, dass Einkünften von 121,7 Millionen Ausgaben von 149,9 Millionen entgegenstehen. Die Pro-Kopf-Verschuldung stieg zudem von 2065 auf 2790 Euro. Die höchsten Investitionen erfolgten für die Errichtung von drei Kinderbetreuungseinrichtungen.
Die NEUE hat sich vor Ort umgehört und die Stimmung in Feldkirch eingefangen.
“Wir zahlen das alle”
“Die Zahl (von 28 Millionen Euro) wirkt brutal. Ich habe jetzt nur gehört, dass das Montforthaus ein Minus gemacht hat. Wir zahlen das alle miteinander. Ich kann aber schwer beurteilen, wo der Fehler liegt. Ich war ein paar Mal im Restaurant oben, da war einmal offen, dann war wieder zu, immer verschiedene Öffnungszeiten. Da kommt man gar nicht so richtig mit. Grundsätzlich muss man schon sparen. Momentan ist aber überall viel zu wenig Geld. Ob das im Bund, Land oder in der Stadt ist. Man muss wirklich Prioritäten setzen. Bei der Reparatur von Schlaglöchern kommt es halt darauf an, wo sie sind. Aber es muss nicht immer alles sofort sein. 2800 Euro Pro-Kopf-Verschuldung ist natürlich schon eine Wahnsinnszahl. Ich bin in der Pension. Ich komme gut über die Runden, aber sparen muss man schon immer. Es nützt nichts. Aber wenn es heißt: „Hier sparen“, dann schreit der. Wenn man dort spart, schreit der andere. Ich möchte auch sagen, die Politiker, die haben es letztlich auch nicht einfach.”
Rudi Neyer

“Wirtschaft beleben”
“Ja, das ist eine schöne Summe, aber es kommt darauf an, was sie für ein Budget haben und wie es in anderen Jahren war. Es ist auch wichtig, wie das Defizit zustande gekommen ist. Weil die Stadt hat einige große Projekte am Laufen wie den Tunnelbau. Ich kann mir da schon vorstellen, dass das einige Zeit ein Defizit verursacht. Aber wenn da sinnvoll investiert wird, es den Leuten zugutekommt und Arbeit schafft, dann können wir, denke ich, gut damit leben. Es muss nicht alles immer picobello sein und von heute auf morgen gemacht werden. Man kann schrittweise und kostengünstiger ausbauen. Da sollten auch einheimische Betriebe zum Zuge kommen. Das belebt auch die Wirtschaft. Ich würde sagen, große Aufträge sollten an einheimische Unternehmen vergeben werden. Wegen der Pro-Kopf-Verschuldung von zirka 2800 Euro müsste man jetzt Zahlen von anderen Jahren heranziehen, wie es sich dort verhalten hat. So kann ich das jetzt eigentlich gar nicht beurteilen. Für mich ist das einfach eine hohe Relationsgeschichte.”
Thomas Scheidbach

“Was sind die Prioritäten?”
“Es ist schon eine schockierend hohe Zahl. Wenn man das hört, fragt man sich, wie das ausgeglichen werden kann. Oder was sind die Auswirkungen für Menschen, die in Feldkirch leben? Grundsätzlich finde ich, wurde an der richtigen Stelle investiert. Damit meine ich in Bildung, in Kinderbetreuung und andere Einrichtungen. Von Sicherheit auf der Straße profitiert man natürlich auch. Aber natürlich ist das Defizit schon sehr hoch. Als Privatperson muss ich mich ja auch fragen: Was sind die Prioritäten, damit ich schlussendlich ein Gleichgewicht halten kann? Ich habe selbst ein kleines Gewerbe, ein Kunsthandwerk. Da bin ich viel auf Märkten unterwegs. Ich denke schon, dass die Leute vermehrt überlegen, was sie wirklich brauchen. Da die Leute meine Sachen kennen, habe ich allerdings einen gewissen Kundenstamm und mache mir keine Sorgen um mein Geschäft. Mir kommt dabei zu Gute, dass ich keine Massenware sondern etwas Persönliches verkaufe. Zum Montforthaus habe ich kaum Bezug. In meinem Umfeld ist das kein großes Thema.”
Cindy Konzett

Weitere Stimmen
Livia wohnt etwas außerhalb von Feldkirch, hat jedoch starke familiäre Bezüge in die Montfortstadt. Ihrer Ansicht nach ist wichtig, wofür das Geld verwendet wurde. Ihr fällt es schwer, das Defizit von 28 Millionen in Relation zu setzen. Grundsätzlich befürwortet sie allerdings den Bau von Kinderbetreuungseinrichtungen und die Investition in soziale Projekte. Dafür sei ein kurzfristiges Minus wert, wenn gleich sie betont: “Im Endeffekt haben die meisten Dörfer, Städte und Länder Schulden.”
Angesprochen auf die höhere Pro-Kopf-Verschuldung verortet sie die Sorgen stärker bei der jüngeren Generation. Die schwere Finanzlage erscheint ihr bei dieser ein stärkeres Thema zu sein. Sie sieht bei jüngeren Personen grundsätzlich große Zukunftsängste, gerade wenn diese beispielsweise nur geringfügig arbeiten oder Sozialhilfe beziehen.
Starke Stammkundschaft
Juri arbeitet in der Feldkircher Gastronomie. Er sieht nicht, dass Gäste sich ob solcher Nachrichten beunruhigen. Das Lokal verfüge über eine starke Stammkundschaft. Dementsprechend entstehe bei ihm kein mulmiges Gefühl angesichts seiner eigenen Jobsituation.
Zugleich zeigt er sich etwas irritiert über das hohe Minus angesichts des starken Tourismus in Feldkirch. Die Investitionen in Straßenbau und Kindergärten befürwortet er persönlich allerdings.