Ein Leben für Bücher – Regina Zink und ihre besondere Buchhandlung

Seit 40 Jahren ist die Feldkircherin Regina Zink Buchhändlerin aus Leidenschaft.
„Ich war schon als Kind eine Leseratte und habe mich in der Scheune des Nachbarhauses versteckt, um zu lesen“, erinnert sich die Buchhändlerin Regina Zink an die Anfänge ihrer Liebe zu Büchern. Bald gab es in der Bibliothek in Gisingen für die junge Leserin keine Bücher mehr, die sie noch nicht kannte. „Seither sind Bücher für mich einfach alles und haben mich mein Leben lang begleitet.“
Der Schritt in die Selbstständigkeit
Die Feldkircherin ist seit 40 Jahren Buchhändlerin, ein Beruf, den sie mit viel Engagement und Leidenschaft ausübt – seit 2006 in ihrer eigenen Buchhandlung. Die Idee zu einer eigenen Buchhandlung kam von ihrem jüngeren Bruder Norbert Nägele, einem Physiker. “Machen wir doch zusammen Buch und Wein”, schlug er vor. Schon damals lebte er in Spanien und interessierte sich für Weine. Ihm habe sie viel zu verdanken, erzählt Regina Zink, und überhaupt habe sie immer viel Glück mit Menschen gehabt, die ihr zur Seite standen. Kaum war die Idee geboren, ging alles ganz schnell. „Anfangs ist mir ganz angst und bang geworden, ich war richtiggehend überwältigt.“ Heute, rund 20 Jahre später sagt sie: „Jetzt bin ich so glücklich mit der Buchhandlung, sie ist mein Zuhause.“

Ein Ort der Begegnung: Das Konzept von „Cervantes & Co“
Vorbild für das Geschäft war die berühmte Pariser Buchhandlung „Shakespeare and Company“ der Buchhändlerin Sylvia Beach, die auch als Herausgeberin fungierte und bei der zahlreiche Schriftsteller und Künstlerinnen verkehrten. Das Konzept der Buchhandlung „Cervantes & Co – Buch und Wein“ ist ebenso persönlich wie besonders. Das Geschäft ist ein lebendiger Ort der Begegnung. Hier treffen sich Leserinnen, Weinliebhaber, Schriftstellerinnen und Philosophen – mit vielen von ihnen ist die Buchhändlerin freundschaftlich verbunden. Neben handverlesenen Büchern, zu denen Klassiker ebenso wie Kinderbücher zählen, werden spanische und österreichische Weine angeboten. In den Anfangsjahren der Buchhandlung organisierten die Geschwister eine Weinreise zu spanischen Weingütern für ihre Kundinnen und Kunden: „Das war großartig, mein Bruder ist ein hervorragender Reiseführer“, schwärmt die Feldkircherin noch heute davon.

Doch im Mittelpunkt ihres Tuns stehen immer das Buch – und die Begegnung mit Menschen. Besonders schön seien die vielen Begegnungen und Gespräche mit Kunden, aus denen sich langjährige Freundschaften entwickelten. Es gehe in den Gesprächen um Bücher, „aber nicht nur.“ Mit einer Kundin, die sie regelmäßig besucht, verbindet sie eine Lebensfreundschaft: „Wir sind uns sehr verbunden. Solche Begegnungen sind wunderbar und ich möchte sie keinesfalls missen.“ Was Regina Zink an ihrem Beruf außerdem liebt, ist die Auswahl der Bücher. Gemeinsam mit Vertretern bespricht sie das Sortiment. Da sie eine kleine Buchhandlung habe, müsse sie die Bücher sehr gezielt wählen. Im Lauf der Jahre lerne man sich kennen und die Vertreter wüssten schon, was ihr gefalle. Und sie kenne viele ihrer Kunden und deren Vorlieben. Neben dem Verkauf organisiert die Buchhändlerin Lesungen, Vorträge und Signierstunden. Außerdem ist sie im Vorstand des Theaters am Saumarkt in Feldkirch und im Rahmen der Vortragsreihe „Tangenten“ aktiv.

Auch privat spielen Bücher eine große Rolle im Leben der zweifachen Mutter. „Ein Wochenende ohne Termin, an dem ich in Ruhe lesen kann, bedeutet für mich Glück.“ Und eine Wohnung ohne Bibliothek ist für sie nicht vorstellbar. Angesichts der beträchtlichen Anzahl an Büchern hat sie einen Teil davon in einer Scheune untergebracht. Durch Bücher lerne man die Welt kennen, ist die Buchhändlerin überzeugt. Für die sogenannte Cancel Culture oder Triggerwarnung in Büchern habe sie deshalb wenig Verständnis. „Ich lese auch, um die Zwiespältigkeit und die Probleme der Welt kennenzulernen. Man muss auch die Ambivalenzen sehen.“ Sie wolle kein geschöntes Bild der Welt, sondern die Realität. „Ich will die Welt im Buch erfahren, und ich glaube, dass es auch Denker gibt, die uns unterstützen und Orientierung geben können.“
Zahlreiche Lieblingsbücher
Auf die Frage nach ihrem Lieblingsbuch nennt sie zunächst „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Natürlich gibt es viele andere Lieblingsbücher. Derzeit ist es „Claudines Elternhaus“ von Colette, das sie begeistert. Als zeitlos und immer aktuell beschreibt die Buchliebhaberin Klassiker von Balzac, Flaubert oder Montaigne. Sie selbst habe immer gerne Klassiker gelesen und findet es schade, dass diese zurzeit etwas vernachlässigt werden.

Für ihre Arbeit wurde Regina Zink mit dem Österreichischen Buchhandlungspreis 2026 ausgezeichnet. Angemeldet wurde sie von der Architekturpublizistin Martina Pfeifer Steiner, einer Freundin und Wegbegleiterin. Sie selbst habe nicht damit gerechnet, den Preis zu erhalten. Umso größer waren Überraschung und Freude, nicht nur bei ihr selbst: „Es ist so schön, wie sich die Leute mit mir freuen. Viele freuen sich auch darüber, dass eine kleine Buchhandlung den Preis gewonnen hat.“
Für die Zukunft hat Regina Zink einen großen Wunsch. Sie möchte die Buchhandlung in gute Hände übergeben. Schon vor drei Jahren habe sie darüber nachgedacht, konnte sich aber noch nicht davon trennen. „Es wäre wahnsinnig schön, wenn jemand, der so ähnlich denkt wie ich und so ein vielfältiges, etwas anspruchsvolleres Programm anbietet, die Buchhandlung weiterführt. Das wäre ein großes Glück.“