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16 Jahre Haft für Mordversuch

07.07.2020 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Mann wurde gestern am Landesgericht verurteilt.                                                           <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Mann wurde gestern am Landesgericht verurteilt. Hartinger

67-Jähriger stach auf schlafende Ehefrau ein.

Alle acht Geschworenen werteten die Tat als versuchten Mord und nicht nur als absichtlich schwere Körperverletzung oder schwere Körperverletzung. Dafür wurde der unbescholtene Angeklagte am Dienstag beim Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil mit der strengen Sanktion ist nicht rechtskräftig. Denn Verteidiger German Bertsch nahm für seinen Mandanten drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Der Strafrahmen betrug 10 bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft.

Nach den gerichtlichen Feststellungen hat der 67-jährige Lauteracher am 8. Juni 2019 gegen 2.20 Uhr seiner im Ehebett der Eigentumswohnung schlafenden Gattin mit einem Küchenmesser mit einer 17 Zentimeter langen Klinge zwei Mal in den Hals gestochen, ein und drei Zentimeter tief. Die 58-jährige Serbin wachte auf und hörte, dass ihr beim Bett stehender Mann mit erhobenem Messer zu ihr sagte, er werde sie jetzt töten. Sie wehrte Messerstiche mit den Händen ab und entriss ihm das Messer.

Selbstmordabsicht

Der Serbe würgte seine Frau wiederholt. Sie konnte in dem Mehrparteienhaus aus der Wohnung zu einer Nachbarin flüchten. Der Pensionist verletzte sich laut Urteil danach in Selbstmordabsicht mit einem anderen Messer schwer. Er stach sich dabei unter anderem mehrfach in den Hals und hatte Glück, dass er mit dem Leben davonkam.

Auch das Opfer habe nur dank eines glücklichen Zufalls überlebt, sagte Staatsanwalt Heinz Rusch. Wären die Messerstiche ein bis zwei Zentimeter weiter seitlich in den Hals eingedrungen, wäre das potenziell tödlich gewesen, sagte der Innsbrucker Gerichtsmediziner Walter Rab

Unbescholtenheit

Mildernd wertete das Gericht die Unbescholtenheit und die verminderte Zurechnungsfähigkeit des an psychischen Störungen leidenden Angeklagten sowie den Umstand, dass es beim Mord beim Versuch geblieben ist. Erschwerend war, dass die Tat heimtückisch an einem schlafenden Opfer begangen wurde und dass es sich dabei um die Ehefrau des Beschuldigten handelte.

Der Angeklagte wurde dazu verpflichtet, der Geschädigten als Teilschmerzengeld 10.000 Euro zu bezahlen. Der 58-jährigen Frau musste, als Folge der Verletzungen an den Händen, ein Teil eines kleinen Fingers amputiert werden. Zudem bleibt ihr rechter Ringfinger steif. Noch schlimmer seien die psychischen Verletzungen, sagte Opferanwältin Eva Müller.

Eingestellt

Das gegen sie geführte Strafverfahren hat die Staatsanwaltschaft eingestellt. Weil sie in der Tatnacht ihrem Mann in Notwehr das Messer zwei Mal in den Rücken gestochen und ihn dabei leicht verletzt habe.

Verteidiger Bertsch argumentierte in erster Instanz vergeblich damit, sein Mandant habe die Ehefrau nicht töten, sondern nur verletzen wollen. Befragt zu seinem Tatmotiv, gab der Angeklagte zu Protokoll, er habe seine Gattin lediglich erschrecken wollen. Davon habe er sich nach 39 Jahren eine bessere Ehe erhofft.

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