In neun Monaten zum Dienstführer

Seit Herbst können sich Polizisten in Vorarlberg weiterbilden.
Die Pensionswelle rollt unaufhaltsam auf Österreich zu. In den kommenden Jahren gehen die geburtenstärksten Jahrgänge der sogenannten Baby-Boomer in den Ruhestand. Besonders drastisch trifft es die Polizei, geht in den nächsten zehn Jahren doch ein Drittel der knapp 30.000 Exekutivbeamten in den Ruhestand. Auch in Vorarlberg wird deshalb händeringend nach Nachwuchs gesucht. Die Pensionierungsfrage stellt sich auch in der mittleren Führungsebene, zu der unter anderem Polizeikommandanten und deren Stellvertreter sowie Mitarbeiter des Landeskriminalamts und der Landesverkehrsabteilung zählen. Etwa 20 Stellen im Jahr müssen in diesem Bereich nachbesetzt werden.

Erstmals in Vorralberg
Die gute Nachricht: Die Anzahl der Vorarlberger Bewerber für den Ausbildungslehrgang zum dienstführenden Beamten ist jüngst um ein Drittel gestiegen. Hauptgrund dafür sei der Umstand, dass der Kurs nun auch in Vorarlberg absolviert werden könne, sagt Thomas Hopfner, Leiter des Polizei-Ausbildungszentrums in Feldkirch-Gisingen. In der Dezentralisierung der Ausbildung sieht der Polizeioberst gleich mehrere Vorteile: „Zum einen lassen sich dadurch Familie und Beruf leichter vereinbaren. Zum anderen können wir im Unterricht besser auf regionale Bedürfnisse und Gegebenheiten eingehen.“ Viele Jahre lang mussten jene Beamten, die die Karriereleiter innerhalb der Polizei hinaufklettern wollten, ans andere Ende des Landes fahren, um den sogenannten E2a-Kurs belegen zu können. Im Herbst 2019 startete der erste Lehrgang in Vorarlberg. Drei Frauen und 21 Männer haben den sechsmonatigen Kurs mit Praxisphase (drei Monate) positiv abgeschlossen.

Gutes Rüstzeug
Einer der Absolventen ist der 35-jährige Bezirksinspektor Fabian Marchetti. Seit Sommer gehört er zur mittleren Führungsebene der Polizeiinspektion Feldkirch. Kollegen anzuleiten und mehr Verantwortung zu übernehmen, das habe ihn immer schon gereizt, sagt er. Der Rankweiler ist nun einer von rund zehn dienstführenden Beamten des knapp 50-köpfigen-Postens. Er ist Ansprechpartner fürs Tagesgeschäft, erstellt Einsatzkonzepte, gibt Schulungen und kümmert sich um das Fahrzeugwesen. „Im Kurs haben sie uns gesagt, dass man sozusagen von der Arbeitnehmer- auf die Arbeitgeberseite wechselt.“ Was dies bedeutet, weiß Marchetti mittlerweile: „Chef zu sein, das ist nicht immer lustig. Mit den Aufträgen, die man verteilt, schafft man sich nicht nur Freunde.“ Im Kurs habe er allerdings ein gutes Rüstzeug für seine Tätigkeit bekommen. „Es wird sehr viel Wert auf Persönlichkeitsbildung und Mitarbeiterführung gelegt. Das hat mich positiv überrascht.“ Neben den sozialkommunikativen Fähigkeiten werden – aufbauend auf die zweijährige Grundausbildung – auch polizeifachliche und aktionale Kompetenzen gestärkt.

Ressourcen ausreichend?
Der nächste Kurs beginnt im Jänner 2021. Die Teilnehmer stehen bereits fest. Im September mussten sie sich einem Auswahlverfahren stellen. Weitere Voraussetzung für die Teilnahme ist eine dreijährige Berufspraxis. Walter Bitschnau, der heute dort lehrt, wo er einst die Schulbank drückte, wird den Lehrgang koordinieren. Sein Vorgänger Günther Allgäuer, mittlerweile im Ruhestand, hat den ersten Kurs organisiert und dafür extra seine Pensionierung verschoben.Eine wichtige Frage, die sich angesichts der Dezentralisierung der Ausbildung stellt, ist jene nach den infrastrukturellen und personellen Ressourcen. Reichen diese in der Polizeischule Feldkirch-Gisingen aus, um die Teilnehmer qualitätsvoll auszubilden?
Hopfner räumt ein, dass die räumlichen Verhältnisse besser sein könnten, zumal aufgrund der Pensionierungswelle immer mehr Polizeischüler rekrutiert werden müssten. Aus Platzgründen wurde deshalb ein Großteil des Lehrgangs in das Feuerwehrausbildungszentrum ausgelagert. Was die personellen Ressourcen betreffe, so finde man das Auslangen. Laut Hopfner machen die hauptamtlichen Lehrer rund ein Drittel der Vortragenden aus, den Rest der Kurse übernehmen Spezialisten aus der Landespolizeidirektion sowie Mitglieder eines im Innenministerium angesiedelten Trainerpools.