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Event-Zulieferer schauen durch Finger

11.11.2020 • 19:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rohner Zelte hat 80 Prozent weniger Umsatz mit Event-Zelten.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Rohner Zelte hat 80 Prozent weniger Umsatz mit Event-Zelten. Klaus Hartinger

Branche seit Mitte März mehr oder weniger im Dauer-Lockdown.

Event-Techniker, Zeltverleiher, Deko-Experten oder Firmen, die Mietmöbel für Events zur Verfügung stellen. All diese Zulieferbetriebe befinden sich seit Mitte März 2020 aufgrund des Ausfalls von Veranstaltungen fast in einem Dauer-Lockdown. Umso überraschender ist die Tatsache, dass der beschlossene 80-prozentige Umsatzersatz für vom November-Lockdown betroffene Branchen für einen Großteil dieser Event-Zulieferbetriebe nicht gilt. Das zeigt ein Blick in die ÖNACE-Liste jener Branchen, die Anspruch auf diesen Ersatz haben, wie etwa Hotels und Gastronomiebetriebe und auch Event-Caterer. Mit dem ÖNACE-Code wird die wirtschaftliche Tätigkeit eines Unternehmens klassifiziert.

Kein 80-prozentiger Umsatzersatz

Thomas Hagen von der PLUS Eventsupport GmbH aus Kob­lach hat keinen Anspruch auf Umsatzentschädigung. „Wir sind als Event-Techniker seit März mit einem Umsatzminus von 95 Prozent konfrontiert, das Geschäft ist fast völlig zum Erliegen gekommen. Seither haben wir nur jene Unterstützungen erhalten, die ohnehin die meisten Firmen bekommen, wie etwa Kurzarbeit und den Fixkostenzuschuss“, sagt Hagen. Man habe Betriebe wie seinen einfach vergessen.
Im Vorjahr habe das Unternehmen noch bis zu 300 Veranstaltungen betreut. Dafür beschäftigte PLUS Eventsupport fünf Mitarbeiter und bis zu 20 Freelancer. Hagen hat Bedenken, dass die Branche über die kommenden Monate viele Mitarbeiter an andere Branchen verlieren werde. „Wir gehen davon aus, dass Events und Veranstaltungen frühestens im Frühjahr oder Sommer 2021 und dann nur zögerlich losgehen werden. Wir bekommen schon jetzt Veranstaltungsabsagen, die bis in den Sommer hineinreichen.“ Veranstalter bräuchten Planbarkeit und Veranstaltungen hätten eine Vorlaufzeit von mindestens zwei bis drei Monaten. Zudem lasse sich nicht abschätzen, ob die Menschen dann gleich alle möglichen Veranstaltungen stürmen werden.

Zelte- und Möbelverleiher

Auch Zeltverleiher Thomas Rohner aus Wolfurt berichtet, dass sein Unternehmen keinen Umsatzersatz bekomme. „Wir haben seit März in diesem Bereich einen Umsatzeinbruch von bis zu 80 Prozent.“ Glücklicherweise könne das Unternehmen einen Teil davon durch den Verleih von Lagerzelten an Unternehmen wettmachen.

Luca Einsiedler vom Event-Möbel-Verleiher „eventwide“ in Bregenz meint, es gehe um Fairness. „Wenn die Politik schon die Finanz-Bazooka auspackt und allen möglichen direkt betroffenen Branchen großzügig 80 Prozent ihres Umsatzes vom Vorjahr ersetzt, dann kann man nicht verstehen, warum indirekt betroffene Firmen gar nichts bekommen sollen.“ Auch sein 2013 gegründetes Unternehmen sei seit Mitte März schwer getroffen. Ärgerlich sei, dass alle Bemühungen mit strengen Hygienekonzepten, Covid-19-Beauftragten, Vorab-Registrierungen und Maskenpflicht bei Veranstaltungen von der Politik schlussendlich nicht anerkannt worden seien. „All diese Inves­titionen und Weiterbildungen waren umsonst.“

Gespräche mit dem Land

Die Betroffenen wollen nicht länger akzeptieren, dass die Event-Zulieferbranche bei solchen Unterstützungen noch länger durch den Rost falle, kündigt Einsiedler an. Man organisiere sich jetzt einmal für erste Gespräche auf Landesebene.

Günther Bitschnau/wpa

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