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Bezirk Schwaz soll durchgeimpft werden

03.03.2021 • 16:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kurz und Anschober
Kurz und Anschober APA/HERBERT NEUBAUER

Bezirk wird zur „EU-Modellregion“ in Erforschung der Virusmutation.

Der Tiroler Bezirk Schwaz, in dem die südafrikanische Corona-Mutation verbreitet ist, soll durchgeimpft werden. Das verkündete die Bundesregierung gemeinsam mit dem Land Tirol im Bundeskanzleramt. Laut Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erhalten die Einwohner des Bezirkes eine Vorauslieferung von 100.000 Impfungen von Biontech/Pfizer durch die EU. Die Dosen sollen nicht zusätzlich zur Verfügung gestellt, sondern vorgezogen werden – und zwar aus dem EU-Kontingent. Das soll keine Auswirkungen auf die Lieferungen an die anderen Bundesländer haben, wird versichert. Sehr wohl Auswirkungen hat die Vorziehung auf den Rest des Bundeslandes Tirol. Laut ÖVP werden künftige Lieferungen um das Schwaz-Kontingent reduziert, andere Gemeinden bekommen dementsprechend weniger geliefert als derzeit eingeplant.

Dafür, dass die EU der Vorauslieferung zugestimmt hat, dankte Kurz Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Durch die Impfungen könne man auch wieder schrittweise die Ausreisebeschränkungen aufheben. Die Ausreisetestpflicht für Nordtirol bleibe indes vorerst aufrecht.

In Tirol sei diese Variante noch immer ein Problem, man habe alles versucht, um die Ausbreitung einzudämmen. „Das ist sehr gut gelungen“, von 200 aktiven Fällen sei man auf unter hundert Fälle gekommen. Dennoch müsse das Ziel sein, diese Variante „so gut wie möglich auszulöschen“. Auf Null werde man nicht kommen.

Schwaz als Modellregion für Forschung

Laut Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) werde Schwaz damit zur EU-Modellregion in der Erforschung der südafrikanischen Variante, mit den Impfdosen könne man alle Einwohner ab dem 16. Lebensjahr des Bezirkes, die das wollen, impfen. Der Vorgang werde wissenschaftlich in Form einer internationalen Studie begleitet. Startzeitpunkt für die Impfaktion soll die zweite März-Woche sein.

Für die Ausreise aus dem Bezirk werde es zu einer Testverpflichtung kommen. Diese soll rund um den 10. März parallel zum Impf-Start beginnen. Den Bezirk Schwarz wird man in weiterer Folge für die Dauer der Impf-Aktion nur mit negativem Test verlassen können. Landeshauptfrau-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) sprach angesichts des Impf-Projektes von einem „Lichtblick und Hoffnungsschimmer“.

Freude in Tirol über Impfungen

Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sei dieser Zugang sehr positiv und wichtig im Kampf gegen die Variante. „Zudem ist das ein Zeichen europäischer Solidarität.“ Auf die Frage nach Wien, wo der AstraZeneca Impfstoff auch an über 65-Jährige verimpft werden soll, erklärte Anschober, dass man sich nun aktuelle Studien anschauen werde, um über das Alterslimit hinausgehen zu können.

Positive Reaktionen hat die Ankündigung von Bund und Land über die Durchimpfung des Bezirk Schwaz aufgrund der hier vermehrt aufgetreten Südafrika-Mutationsfälle in Tirol hervorgerufen. Sowohl die Grünen, als auch die AK sahen ihre Forderungen nach einem Impf-Schutzschirm umgesetzt. Die Grünen und die ÖVP riefen die Schwazer Bevölkerung zur Teilnahme an der Impfaktion auf. Die FPÖ zeigt sich skeptisch.

Deutschland verlängert Grenzkontrollen

Deutschland verlängert indes seine stationären Kontrollen an der Grenze zu Tirol und Tschechien bis zum 17. März. Das teilte der parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) am Mittwoch im Innenausschuss des Deutschen Bundestages nach Angaben von Teilnehmern einer nicht-öffentlichen Sitzung mit.

Deutschland hatte Tirol, Tschechien und die Slowakei Mitte Februar zu sogenannten Virusvariantengebieten erklärt. Von dort sowie aus anderen Gebieten, in denen ansteckendere und ersten Studien zufolge häufiger schwere Verläufe verursachende Varianten des Coronavirus stark verbreitet sind, dürfen aktuell nur noch Deutsche sowie Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland einreisen. Ausnahmen gibt es etwa für Lastwagenfahrer und Grenzgänger mit systemrelevanten Berufen. Sie müssen einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Die Maßnahmen galten bis Mittwoch, eine Verlängerung war erwartet worden.