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„Mussten Pläne über den Haufen werfen“

04.04.2021 • 18:00 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
Hochzeiten in Zeiten von Corona.  Jessica und Andreas Domig aus Dornbirn haben den Schritt gewagt.<span class="copyright"> Handout/Privat</span>
Hochzeiten in Zeiten von Corona. Jessica und Andreas Domig aus Dornbirn haben den Schritt gewagt. Handout/Privat

Jessica und Andreas Domig erzählen über ihre Hochzeitspläne.

Als Andreas Domig um die Hand seiner langjährigen Freundin Jessica anhielt, dachte er, ihn könnte nichts mehr überraschen. Immerhin waren die beiden – auf den Tag genau – bereits seit zehn Jahren zusammen. Und nach so einer langen Zeit kennt man die bessere Hälfte immerhin in- und auswendig. So sollte es auch nicht ihre Antwort auf seinen Antrag sein, die für eine Überraschung sorgte. Aber wer hätte auch schon mit einer weltweiten Krise rechnen können?

Oft kommt es anders als gedacht

Als der Hochzeitstermin der beiden im Oktober immer näher rückte, hatten die Domigs bereits einige sorgenvolle Monate hinter sich. „Seit Beginn der Krise war das Thema zwangsläufig auch in unserer Hochzeitsplanung allgegenwärtig. Wobei wir im März noch hofften, dass es uns nicht mehr treffen würde, es war ja doch noch eine Weile hin“, erinnert sich die gebürtige Ober­österreicherin zurück.

Drei Wochen vor der Trauuung, musste das Brautpaar nochmal alle Pläne über den Haufen werden. Inklusive der Hochzeits-Location. <span class="copyright">Symbolbild/Stiplovsek Dietmar</span>
Drei Wochen vor der Trauuung, musste das Brautpaar nochmal alle Pläne über den Haufen werden. Inklusive der Hochzeits-Location. Symbolbild/Stiplovsek Dietmar

Im Sommer folgte dann tatsächlich ein kleiner Hoffnungsschimmer, als könnte doch noch alles gut werden. Doch drei Wochen vor dem Hochzeitstermin kam dann die bittere Ernüchterung: Die Corona-Situation hatte sich wieder verschlimmert, die Maßnahmen wurden wieder in aller Strenge hochgefahren. „Und dann mussten wir nochmal alle Pläne über den Haufen werfen.“

Corona-konforme Hochzeitsfeier

Begonnen haben die großen Veränderungen für das Brautpaar bei der Anzahl der Gäste. „Ursprünglich hatten wir 80 Menschen eingeladen. Die Hälfte davon mussten wir aufgrund der Auflagen wieder ausladen. Das hat uns zum Glück jedoch keiner übel genommen“, erzählt die Braut. Dass die beiden jedoch immer noch mit 40 Gäs­ten feiern durften, hatte mit der nächsten großen Änderung zu tun: einem spontanen Wechsel der Location inklusive Unterbringung, Menü und allem drum und dran.

Halbierte Gäste-Anzahl

„Als neuen Ort für die Feierlichkeiten wählten wir ein großes, offenes Zelt in der Natur. Gerade unter Berücksichtigung der Corona-Maßnahmen war dies natürlich eine optimale Wahl, da wir so durch die Outdoor-Regelung immerhin mit 40 Gästen feiern durften“, erklärt Bräutigam Andreas Domig.

Durch die reduzierte Gäste-Anzahl, konnte sich das Brautpaar wirklich für jeden ihrer 40 Gäste genügend Zeit nehmen. <span class="copyright">Symbolbild/Matthias Rhomberg</span>
Durch die reduzierte Gäste-Anzahl, konnte sich das Brautpaar wirklich für jeden ihrer 40 Gäste genügend Zeit nehmen. Symbolbild/Matthias Rhomberg

Die beiden hatten also im wahrsten Sinne Glück im Unglück. Dass jedoch an ihrem großen Tag alles so glatt verlief, verdankt das Brautpaar vor allem einer Person: „Gabi Micheluzzi von den Hochzeitsfeen war uns über die ganzen Turbulenzen hinweg eine gewaltige Stütze“, drückt Jessica ihre Wertschätzung aus.

„Perfekter Tag“

„Perfekter Tag“. Auf die Frage, mit welchem Gefühl die beiden auf ihre Hochzeit zurückblicken, entgegnet die Braut: „Natürlich war die Zeit der Unklarheit und des Umplanens sehr belastend. Ich war auch das eine oder andere Mal den Tränen nahe. Aber rückblickend sind wir sehr froh darüber, dass alles so gekommen ist.“ Denn mit der geringeren Gästeanzahl hätten die beiden immerhin die Möglichkeit ge­habt, sich auch wirklich ausgiebig mit jedem zu unterhalten.

Für jene, die nicht dabei sein konnten, ließen sie die Feierlichkeiten mitfilmen. Und so sind beide der festen Überzeugung: „Wir glauben, dass es nun mal einfach so kommen musste. Und für uns war es der perfekte Tag.“

Hochzeit planen in Zeiten der Unplanbarkeit

In Heiratsdingen hat auch Thomas Stromberger aus Dornbirn bereits gut vorgelegt. Ein romantischer Antrag mit einem romantischen Abendessen, Musik, Feuerwerk und einem klassischen Kniefall brachte das Herz seiner Angebeteten zum Höherschlagen. „Er hat sogar bei meinem Vater um meine Hand angehalten“, erinnert sich seine Verlobte Maria Jost an die romantischen Gesten zurück. Schöner hätte er den ersten gemeinsamen Schritt in Richtung Ehe nicht gestalten können, da ist sie sich sicher.

Maria Jost und ihr Verlobter Thomas Stromberger planen ihre Hochzeit in Zeiten der Unplanbarkeit. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Maria Jost und ihr Verlobter Thomas Stromberger planen ihre Hochzeit in Zeiten der Unplanbarkeit. Handout/Privat

Und auch von der Hochzeitsfeier hat das Paar bereits genaue Vorstellungen: „Wir würden gerne zunächst im kleinen Kreis standesamtlich heiraten und dann am Tag darauf noch eine etwas größere kirchliche Zeremonie feiern, mit etwa 80 bis 90 Gästen“, erklärt Jost. Hochzeits­pläne, die keineswegs zu hochgegriffen oder gar unmöglich erscheinen würden – wäre da nicht ein Virus. Denn aufgrund der Corona-Pandemie steht die tatsächliche Eheschließung – wie bei vielen anderen Paaren auch – vorerst in der Schwebe.

Ersatztermine

Wie also plant man eine Hochzeit in Zeiten der Unplanbarkeit? „Mit Sicherheit lässt sich derzeit gar nichts festlegen. Weder Datum noch die Anzahl der Gäste. Die Zeiten, in denen ein fixer Termin lange voraus festgelegt wurde, sind vorbei. Es läuft nichts ohne einen Plan B“, erklärt die werdende Braut. Und diesen hat das Paar – nachdem klar wurde, wie zäh sich das Virus bisher gehalten hat – vorausschauend erst auf das Jahr 2022 festgelegt.

„Aber auch die restliche Planung gestaltet sich eher schwierig. Brautkleid-Shopping war in Zeiten des Lockdowns nicht drinnen. Und auch das Eheseminar der katholischen Kirche findet derzeit nur per Zoom statt“, erklärt die 24-jährige Dornbirnerin. Doch auch wenn die derzeitige Situation alles andere als angenehm ist, bleibt Jost trotz allem positiv: „Es hätte uns härter treffen können. Immerhin sind alle Dienstleister sehr zuvorkommend, auch was mögliche Verschiebungen angeht. Wir sind also auch weiterhin guter Dinge!“

„Dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken“

Wenn es eine Frau gibt, welche die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Hochzeitsbranche an vorderster Front mitbekommen hat, dann ist es Gabi Micheluzzi, Geschäftsführerin der Hochzeitsfeen. Denn während sie versuchte, die Brautpaare so gut wie möglich durch die Krise zu führen, hatte diese zeitgleich auch für ihre eigene Branche verheerende Auswirkungen: „80 Prozent aller für das Jahr 2020 geplanten Hochzeiten mussten entweder verschoben oder abgesagt werden. Und auch weiterhin hängen wir komplett in der Luft“, erläutert die Expertin die ernüchternde Bilanz.

Gabi Micheluzzi, Geschäftsführerin der "Hochzeitsfeen", erkennt in Vorarlbergs Rolle als Modellregion als große Chance. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Gabi Micheluzzi, Geschäftsführerin der "Hochzeitsfeen", erkennt in Vorarlbergs Rolle als Modellregion als große Chance. Handout/Privat

Spontanität ist alles

Um die Krise zu bewältigen, braucht es Micheluzzi zufolge eine Menge Einfallsreichtum und Spontanität: „Denn auch wenn sich die Situation nicht wirklich zum Besseren gewandelt hat, so haben wir mittlerweile gelernt, uns besser darauf einzustellen. Öffnungsschritte werden nicht lange im Vorfeld angekündigt, sondern passieren von jetzt auf gleich und es liegt an uns, sofort zu reagieren.“

Natürlich sei dies auch mit einem enormen Aufwand verbunden – sowohl für Micheluzzi und ihr Team als auch für die heiratswilligen Paare. So kam es auch, dass viele bereits im Vorfeld einen Ersatztermin zusätzlich buchten, andere haben die Feierlichkeiten sogar gänzlich storniert. „Zum Glück handelt es sich dabei nur um einen geringen Teil. Jedoch ist es traurig, zu hören, dass manchen die Lust am Heiraten vergangen ist“, fühlt die Hochzeitsplanerin mit den Betroffenen mit.

Emotionale Stütze

So sieht sie ihre Aufgabe nicht nur in der Planung der Festlichkeiten, sondern auch als emotionale Stütze für die Pärchen in nervenaufreibenden Zeiten wie diesen. So rät die Expertin all jenen, die gerade planen, den Bund der Ehe zu schließen, folgendes: „Legt auf jeden Fall schon mal einen Ersatztermin fest. Im bes­ten Fall braucht ihr ihn nicht, doch im schlimmsten Fall ist es sehr von Vorteil, bereits in die Zukunft gedacht zu haben. Und vor allem: Bitte versucht positiv zu bleiben!“

Modellregion als Chance

So ist Micheluzzi auch davon überzeugt, dass die Chancen, die sich Vorarlberg durch die Position als Modellregion eröffnet haben, bewusst und gewissenhaft genutzt werden sollten. „Das Virus ist gekommen, um zu bleiben und es liegt an uns, zu lernen, damit zu leben. Wir stehen nun in der Pflicht, zu beweisen, dass das Leben trotz Corona weitergehen kann.“ Ihr großer Dank gilt an dieser Stelle allen Gastronomen, die sich entschieden haben, die Chance zu nutzen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken.