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Wie verbreitet ist die Fluchtmutante?

05.05.2021 • 14:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jene Proben aus dem Lab Truck von HG Pharma, die das Labor von Ulrich Elling erreicht haben, waren "in Ordnung"
Jene Proben aus dem Lab Truck von HG Pharma, die das Labor von Ulrich Elling erreicht haben, waren “in Ordnung” (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Die Causa rund um HG Pharma bewegt von Tirol aus Österreich.

Die Causa um HG Pharma und anscheinend fehlerhafte PCR-Tests bugsiert – wieder einmal – Tirol in den Mittelpunkt der Corona-Berichterstattung. Es ist eine Frage, die es zu stellen lohnt, wieso ein Labor ohne Ausschreibung einen Auftrag eines Bundeslandes erhalten kann. Gerade, wenn es um so ein heikles Thema wie Pandemiebekämpfung geht. Eine andere Frage ist aber, was bedeuten diese widersprüchlichen Testergebnisse nun wirklich im Hinblick auf die Ausbreitung der Fluchtmutante B.1.1.7 + E484K?

„Wie verbreitet ist diese Variante in Tirol und wo taucht sie auf – in geimpften oder ungeimpften Personen. Das ist die Frage, die uns wirklich beschäftigen sollte“, sagt Ulrich Elling im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Der Molekularbiologe forscht am IMBA (Institut für Molekulare Biotechnologie) an der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die tatsächliche Dimension der „Tiroler Variante“ müsse nun untersucht und festgestellt werden.

Fluchtmutante

Die Coronavirus-Variante B.1.1.7 + E484K ist ähnlich der südafrikanischen Variante und eine sogenannte immunologische Fluchtmutante. Das bedeutet, eine Impfung oder eine durchgemachte Infektion schützen nicht so gut vor einer Infektion. 

Ausbreitung der Fluchtmutante: Studie läuft

Dies passiert vordergründig durch eine Studie des Virologen Andreas Bergthaler (Österreichische Akademie der Wissenschaften). Gemeinsam mit Virologin Dorothee von Laer (MedUni Innsbruck), Florian Krammer (Mount Sinai Hospital) und u.a. auch der AGES wird ermittelt, wie der Cluster entstanden ist und in welchem Zusammenhang dessen Ausbreitung mit der Impfkampagne stand.

Kommen wir zurück zu Frage der Verbreitung. Hierzu sagt Virologin von Laer: „B.1.1.7 + E484K hat, auch wenn die Zahlen am Ende nur halb so hoch sind wie erst gedacht, in Tirol wohl zu dem größten dokumentierten Cluster weltweit geführt.“ 407 Fälle wurden in Tirol durch die Sequenzierungen von Ellings Team und auch durch jenes des Virologen Andreas Bergthaler, der Vollsequenzierungen durchgeführt hat, bestätigt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich diese Variante in Tirol selbstständig entwickelt hat und nicht von außen eingeschleppt wurde.

Keine falsch-positiven Proben

Jene Proben, die in Ellings Labor landeten, waren hinsichtlich ihrer Qualität „in Ordnung“. Diese seien auch positiv und nicht falsch-positiv gewesen. „Diese könnten wir ja gar nicht sequenzieren“, sagt Elling. Wichtig zu betonen ist, dass es sich bei jenen Proben, die an Elling zur Teilsequenzierung geliefert werden, um Verdachtsfälle gehandelt hat.

Grundsätzlich wird in Österreich jeder positive PCR-Test auf Mutationen überprüft. “10 bis 15 Prozent dieser Proben werden in einem weiteren Schritt durch eine Teil- oder Ganzgenom-Sequenzierung validiert”, gab Bergthaler im Ö1-Mittagsjournal Auskunft. Und genau bei einer solchen Überprüfung hat sich herausgestellt, dass eben ein Teil falsch diagnostiziert worden ist. „PCR-Testergebnisse sind im Hinblick auf Mutationen nicht so einfach zu interpretieren“, erklärt Elling. „Im Gegensatz zu Sequenzierungen, da ist die Aussage bzw. das Ergebnis eindeutig.“ Und Elling fügt hinzu: „Dass sich ein Labor schwertut, eine Mutation, die es bislang noch nicht gegeben hat und auf welche die Prozesse nicht kalibriert sind, zu detektieren, ist erwartbar.“

Was es braucht, sind einheitliche Qualitätsstandards für medizintechnische Labore in Österreich, da sind sich Elling wie auch von Laer einig. Weitere Proben werden aktuell überprüft, Ergebnisse werden mit Ende der Woche vorliegen. Diese werden ein etwas klareres Bild hinsichtlich der Verbreitung von B.1.1.7 + E484K zeichnen.

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