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“In Zukunft gibt es öfter solches Extremwetter”

17.07.2021 • 13:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Unwetter wütete in Rheinland-Pfalz
Ein Unwetter wütete in Rheinland-Pfalz APA/TNN/Christoph Reichwein

Meteorologe Martin Kulmer erklärt Ursachen des Unwetters in Deutschland.

Wie konnte es zu dem starken Regen im Südwesten Deutschlands kommen?
MARTIN KULMER: Mehrere Faktoren spielen da zusammen. Angefangen hat es damit, dass es vor ein paar Wochen sehr heiß war und sich mit einzelnen Gewittern eine gewisse Feuchte im Boden ansammeln konnte. Diese Bodenfeuchte verdunstet kontinuierlich. Dazu ist ein Tiefdruckkomplex in höheren Schichten gekommen. In diesem Tiefdruckkomplex wird Luft in eine Aufwärtsbewegung versetzt, dabei kondensiert sie aus, in der Folge regnet es. Zusätzlich hat es noch eine Winddrehung mit der Höhe gegeben, wodurch sich die Schauer und Gewitter länger halten konnten. Gepaart mit der Tatsache, dass sich diese Schauer nur sehr langsam fortbewegten, hat das zu den lokal sehr ergiebigen Regenmengen geführt.

Warum sind die Regenschauer an einem Ort geblieben und nicht weitergezogen?
KULMER: Das Gewitter entsteht in der Luftmasse, regnet sich aus und wird normalerweise mit der Höhenströmung verlagert. Das kann man sich vorstellen wie ein Förderband. Wenn dieses Förderband schwach ist, dann bleibt das Gewitter mehr oder weniger ortsfest oder bewegt sich nur sehr langsam weiter.

Wie kommt es zu so einer schwachen Höhenströmung?
KULMER: Dadurch, dass sich die Temperaturgegensätze zwischen Mitteleuropa und Nordpol reduzieren, verlangsamt sich die Strömung – auch genannt Jetstream. Damit ziehen aber auch die großräumigen Wettersysteme langsamer. Auch das aktuelle Höhentief bleibt also länger an einem Ort stehen – mitsamt den Schauern und Gewittern. Genauso halten Hitze und Dürreperioden über mehrere Tage an, das haben wir zuletzt ja erlebt. Dass sich die Temperaturgegensätze zwischen Nordpol und Mitteleuropa verändern, ist auch ein Ergebnis des Klimawandels.

Müssen wir mit solchen Extremwetterereignissen in Zukunft öfter rechnen?
KULMER: Prognosen für das Klima sind äußerst schwer zu treffen. Wir schauen uns Szenarien an und versuchen herauszuarbeiten, wie sich die Wetterlagen in ihrer Häufigkeit und Dauer in der Zukunft verändern. Dabei kristallisiert sich heraus, dass Wetterlagen, wie wir sie derzeit erleben, künftig häufiger werden. Hitze- und Dürreperioden im Sommer dauern länger, dafür halten dann auch die kühlen und regnerischen Phasen, die aber nicht mehr so kalt sind, länger an. Gewitter ziehen eher langsamer, sind ortsfest und bringen deswegen lokal sehr unterschiedlich starke Regenmengen. Der Konsens ist also, dass in Zukunft öfter mit solchen Extremwetterereignissen zu rechnen ist.

"In Zukunft gibt es öfter solches Extremwetter"
Martin Kulmer ist Meteorologe bei der ZAMGZAMG