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Millionenschwerer Auftrag für Carcoustics

30.05.2022 • 19:42 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Carcoustics
Carcoustics

Großauftrag für Elektrofahrzeug-Bauteile kommt Standort Klaus zugute.

Der international tätige Automobilzulieferer Carcoustics mit Hauptsitz in Leverkusen (D) hat für seinen Standort Klaus einen millionenschweren Auftrag zur Herstellung von Bauteilen für Elektrofahrzeuge an Land gezogen. Wie Noch-Carcoustics Austria-Geschäftsführer Horst Lederer erklärte, stamme der mehr als zehn Millionen Euro schwere Auftrag von einem großen internationalen Automobilhersteller, der spezielle Bauteile mit hohen Brandschutzanforderungen bestellt habe. „Es ist das erste Mal, dass Carcoustics in dieser Dimension Bauteile für Elektrofahrzeuge entwickelt und produziert.“ Den Namen des Kunden und Details zu den Bauteilen dürfe man aus Vertragsgründen nicht nennen.

Gegenwärtig bereite Carcoustics die Produktion in Klaus auf diesen mindestens sieben Jahre laufenden Großauftrag vor. So organisiere man die Produktionsabläufe um und schaffe teilweise neue Anlagen an. Das Investitionsvolumen am Standort beziffert Lederer mit rund 1,5 Millionen Euro. Die Nullserie soll ab Dezember 2022 anlaufen und der Start der Serienproduktion sei für Juli 2023 geplant.

„Wir haben uns bewusst dazu entschieden, das Entwicklungszentrum für diesen Auftrag in Klaus zu lassen und nicht nach Osteuropa zu verlagern. Auch die Produktion wird hier starten, denn wir möchten gerade in der Anfangsphase alles möglichst in der Nähe haben“, so Lederer. Der Standort in Klaus sei also über Jahre gesichert.

Standort Rankweil wird integriert

Im Zuge der Neuorganisation der Produktion in Vorarlberg werde auch der im Frühjahr 2015 angemietete Standort auf dem Areal des Fahrzeugbauers Walser in Rankweil geschlossen und zur Gänze im Werk Klaus integriert. Dabei übersiedle auch die dortige Belegschaft nach Klaus. Damit wolle man das gesamte Entwicklungs-Know-how samt Produktion für die beiden Bereiche Alu-Engineering/Aluforming und Thermoforming an einem Ort konzentrieren, erklärt Lederer. In Vorarlberg beschäftigt das Unternehmen rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Entwicklung von Carcoustics beschreibt Lederer zum gegenwärtigen Zeitpunkt als „eigentlich konstant“ gegenüber den Vorjahren. Man sei derzeit zwischen fünf bis zehn Prozent unter den Budgetplanungen für 2022. Allerdings seien solche Schwankungen nicht ungewöhnlich. Die Entwicklung der einzelnen Standorte hänge stark davon ab, welche Bauteile sie gerade produzieren.

Carcoustics

Carcoustics International entwickelt und produziert Dämm- und Dämpfungsmaterialien (Lärm, Wärme) für den Automobilbereich. Die weltweit tätige Unternehmensgruppe, die auch einen Standort in Klaus hat, wurde 2016 von einem chinesischen Investor namens Liaoning Dare Industrial Company (Dare Group) übernommen.

Vorarlberg über Budget. „Unser Werk in Vorarlberg liegt über Budget, denn die dort hergestellten Bauteile kommen in Fahrzeugmodellen zum Einsatz, die momentan gefragt sind.“ Das gelte auch für den Carcoustics-Standort in Polen. Das Werk in der Slowakei sei unterdessen mit Rückgängen konfrontiert. Es sei oftmals reiner Zufall, welches Werk gerade Rückgänge oder Zuwächse habe. „Das hängt stark davon ab, welche Plattformen die Kfz-Hersteller gerade forcieren.“ Momentan würden SUVs sowie der gesamte hochpreisige Sektor noch gut laufen. Auch der Export nach China sei gegenwärtig bei den Automobilherstellern konstant „sehr gut“.

Angesprochen auf die internationale Lieferketten-Problematik sagte Lederer, dass Carcoustics in den vergangenen zwei Jahren alle Systeme und Lieferanten verdoppelt habe. „So haben wir immer eine Redundanz, falls etwas ausfällt.“ Zudem seien die Lagerbestände um zehn Prozent erhöht worden. Die uneingeschränkte Lieferfähigkeit werde von den Kunden strikt eingefordert. „Wir achten sehr genau darauf, immer und überall lieferfähig zu bleiben. Alles andere wäre ein Supergau, der uns sehr teuer kommen würde.“ Entschuldbar seien Lieferprobleme in der Produktion lediglich bei Höherer Gewalt (Force Majeure), also beispielsweise Erdbeben oder großen Überschwemmungen. „Nur mit irgendwelchen Verzögerungen bei den Lieferketten muss man nicht argumentieren.“

Neue Organisationsstruktur

Mit dem heurigen Jahr hat die Carcoustics-Gruppe ihre internationale Organisationsstruktur neu aufgesetzt. So gebe es nunmehr die drei Regionen Europa, Asien und Amerika. Die Werke in diesen Regionen können jeweils das gesamte Portfolio von Carcoustics anbieten. „Das bringt den Standorten viel mehr Eigenständigkeit und wesentlich kürzere Entscheidungswege. Die lokalen Märkte können dadurch noch schneller bedient werden.“ Zu den Werken in der Region Europa gehören neben Klaus auch Leverkusen (D) und Haldensleben (D) sowie Senec (Slowakei) und Breslau (Polen) als auch Genk (Belgien) und Valencia (Spanien).

Im Sommer 2022 wird sich Horst Lederer (Jahrgang 1969) auf eigenen Wunsch aus der Führungsetage von Carcoustics zurückziehen und aus dem Unternehmen ausscheiden. Er war zuletzt noch in der alten Organisationsstruktur als Geschäftsführer von Carcoustics Austria tätig und arbeitete 25 Jahre bei dem Automobilzulieferer. Ab 1. Juli 2022 werde dann der gebürtige Österreicher Karl Kicker (Jahrgang 1974) die Leitung der Region Europa übernehmen.

Günther Bitschnau/wpa

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