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Andelsbuch: Im „Ziegler“ kann man künftig auch wohnen

18.06.2022 • 21:57 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bauherr Wolfgang Fechtig (links) und das Wirtepaar Wolfgang und Andrea Saaler. <span class="copyright">Hartinger</span>
Bauherr Wolfgang Fechtig (links) und das Wirtepaar Wolfgang und Andrea Saaler. Hartinger

Seit einem Jahr wird beim Gasthaus „Ziegler“ in Bersbuch gebaut. Es entstehen 14 Wohnungen.

Es ist ein geschichtsträchtiges Haus, das Gasthaus Ritter beim Kreisverkehr Bersbuch in Andelsbuch. Es wurde als Bahnhofsrestauration (Gasthaus) für das neue Wälderbähnle errichtet und 1902 von drei Schwestern gekauft. Später führten sie es als „Gasthaus Pension Ritter“ (mehr zur Geschichte siehe Artikel rechts unten). Bekannt war der Gasthof aber unter dem Namen „Ziegler“, dem Hausnamen der Ritters. Das hat sich bis heute nicht geändert, selbst im Rheintal kennt man es unter diesem Namen. Seit einem Jahr wird beim „Ziegler“ gebaut. Bis vor Kurzem war das Gasthaus, das am Knotenpunkt zwischen Schwarzenberg-Bödele und Andelsbuch steht, eingerüstet. Seit das Gerüst entfernt wurde, ist die neue, helle Holzverkleidung der oberen beiden Stöcke zu sehen.

Der „Ziegler“ von außen im neuen Gewand. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der „Ziegler“ von außen im neuen Gewand. Hartinger

Wohnungen zum Vermieten

Das Haus gehört seit 2014 Wolfgang Fechtig vom Unternehmen „Raum und Zeit – Parkett“ und seinem Geschäftspartner Martin Sieber. Im April 2021 begannen sie mit dem großen Umbau: Die Gästezimmer im ersten und zweiten Stock wurden abgetragen. Dort entstehen nun 14 Wohnungen in der Größe von 40 bis 70 Quadratmetern. Sie werden vermietet – und zwar zu einem leistbaren Preis, wie Wolfgang Fechtig sagt. Was bedeutet „leistbar“? „Die genaue Höhe der Miete wissen wir noch nicht, doch wir versuchen, in einem vernünftigen Sektor zu bleiben“, antwortet der Bauherr. Unter „vernünftig“ fallen für ihn Preise zwischen 14 und 15 Euro pro Quadratmeter, wie sie teilweise in Neubauten verlangt werden, jedenfalls nicht.

Alle Wohnungen werden von einem Balkon umgeben sein. <span class="copyright">Hartinger</span>
Alle Wohnungen werden von einem Balkon umgeben sein. Hartinger

Zusätzlich zu den Wohnungen wird im Erdgeschoss, dort, wo früher die Garage stand, ein 120 Quadratmeter großes Geschäftslokal gebaut. Wer dort – und auch in die Wohnungen – einziehen wird, ist noch offen. Mehr weiß Wolfgang Fechtig über den Bezugstermin: Der soll im Frühjahr 2023 sein.
Der Bau fällt mitten in die Zeit der Teuerung. Darauf angesprochen, sagt Wolfgang Fechtig: „Stoppen können wir nicht mehr. Ob das Ganze wirtschaftlich bleibt, steht in den Sternen.“ Das einzig Positive in der Situation sei, dass er und sein Geschäftspartner vieles bei dem Bau, für den vier Millionen Euro veranschlagt sind, selbst machen können.

Der "Ziegler" in seinen Anfangsjahren. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der "Ziegler" in seinen Anfangsjahren. Hartinger

Alles begann mit drei geschäftstüchtigen, ledigen Schwestern

Drei ledige Schwestern – Juliana, Marianne und Katharina Ritter – führten am Ende des 19. Jahrhunderts das Gasthaus Löwen in Bersbuch-Andelsbuch. Dort wurden auch die Poströsser gewechselt und Ziegel gebrannt. Letzteres führte dazu, dass den Schwestern der Hausname „Ziegler“ gegeben wurde.

Der Gasthof war am Standort des heutigen Bauhofes und in der Nähe der Wälderbahn. 1902 sei er abgebrannt, als Brandursache wird ein Funkenflug des Wälderbähnles vermutet, erzählt Hans Ritter aus Bezau, der Enkel einer der drei Schwestern. Danach kauften die Frauen mit dem Geld der Versicherung die circa 100 Meter vom Löwen entfernte, im Rohbau befindliche Bahnhofsrestauration, das heutige Gasthaus Ritter alias „Ziegler“. Fortan führten sie dieses Gasthaus, in dem eine Zeit lang – wie eine Ansichtskarte von 1905 zeigt – auch eine Kegelbahn stand. Außerdem war eine Landwirtschaft angeschlossen. Zusätzlich diente der Ort als Umschlagplatz für die Bauern aus Schwarzenberg, die mit Fuhrwerken zum Zug kamen.

Später bauten die Schwestern die Bahnhofsrestauration um, Zimmer ein und führten sie fortan als „Gasthaus Pension Ritter“. Eine der drei Schwestern, Marianne, hatte ein Kind, Hans Ritter. Er übernahm das Gasthaus, und von ihm übernahm es wiederum sein Sohn, der ebenfalls Hans Ritter heißt und heute 66 Jahre alt ist.

Dass drei Frauen in jener Zeit alleine ein Gasthaus führten, ist doch eher ungewöhnlich. Auf die Frage, weshalb das so war, sagt Enkel Hans Ritter: „Weil sie ledig waren, mussten sie für sich selbst sorgen.“

Optik kostet

Der Bauherr, Handwerker und Unternehmer ist generell skeptisch, wie es in der Baubranche bezüglich Preisen weitergeht oder weitergehen kann: Es werde von Architekten und Ämtern zu viel Wert auf Schönheit gelegt, beispielsweise würden Gaupen heutzutage verboten, weil sie nicht dem ästhetischen Anspruch genügen. „Diese Optik kostet“, erklärt Wolfgang Fechtig. „Entweder wir sterben in Schönheit oder wir können leistbares Wohnen anbieten.“

Team der Gastwirtschaft. <span class="copyright">Hartinger</span>
Team der Gastwirtschaft. Hartinger

Doch zurück zum „Ziegler“: Der jetzige Umbau ist der zweite innerhalb von vier Jahren, 2019 wurde die Gastwirtschaft saniert. Dabei habe man versucht, so viel wie möglich vom alten „Stüble“ zu erhalten. Die vier sanierten Montafonertische etwa standen früher bereits in der Wirtsstube, die Eckbänke aus Holz – die, wie Wolfgang Fechtig sagt, gehegt und gepflegt wurden – wurden Ende der 1930er-Jahre im „Ziegler“ aufgestellt. Die Wirtsstube öffnet sich hin zu einem großen Raum, in dem lange, helle Holztische stehen. Die Lichter dieses Raumes sind dünne Kreise, die direkt unter der Decke angebracht sind. Dieser Teil – der moderne – verbindet sich harmonisch mit dem alten Stüble.

Wirtschaftlich günstiger wäre es gewesen, das ganze Haus abzureißen und neu zu bauen, anstatt es zu renovieren und umzubauen, sagt Wolfgang Fechtig. Aber: „Das Haus hat Tradition, und wir wollten, dass es bestehen bleibt.“ Somit wird die Geschichte des Gasthaus „Ziegler“ weitergeschrieben.

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