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Ein Meister und ein Maler der alten Schule

08.08.2022 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Richard Bösch vor seinen Werken   <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Richard Bösch vor seinen Werken Wolfgang Ölz

Richard Bösch und „Der Bildraum als strukturierte Poesie“ in der Villa Claudia in Feldkirch.

Richard Bösch bei kunstvorarlberg hebt das Niveau auf Landesliga, wenn nicht Bundesliga-Niveau.

Die kunstvorarlberg in der Villa Claudia in Feldkirch ist Ausstellungsraum und Künstlervereinigung in einem. Im Gegensatz zur Bregenzer Künstlervereinigung im Palais Thurn und Taxis muss die Feldkircher Künstlergemeinschaft in ihrem Ausstellungsbudget mit wesentlich weniger auskommen, auch sind viel weniger Mitglieder zu verzeichnen als in Bregenz. Das hat der Ausstellungstätigkeit nicht immer gut getan. Nicht so die aktuelle Ausstellung: Richard Bösch ist ein Altmeister und der Kunstkritiker Karl Heinz Pichler hat ihn in den Feldkircher Räumlichkeiten aufs Beste arrangiert. Einer geht durch die Ausstellung und sieht und staunt und freut sich, dass so ein Niveau in Vorarlberg möglich ist.

Der Künstler Richard Bösch   <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Der Künstler Richard Bösch Wolfgang Ölz

Jedes Bild hat eine eigene Stimmung. Da gibt es etwa ein großformatiges Ölbild das in seiner leichten Pastellfarbigkeit an Fritz Krcal erinnert, den Richard Bösch als wesentlich bedeutsamer als Rudolf Wacker einstuft. Überhaupt hat Richard Bösch seine eigene Bewertung der Vorarlberger Kunst(Geschichte): Seine Heroes sind u.a. Walter Khüny, Egon Goldner, Hubert Berchtold, Martin Häusle und Anne Marie Jehle. Das Hell-Dunkel in der Nachtwache von Rembrandt war für ihn ein künstlerisches Erweckungserlebnis.

Im Schatten gibt es mehr zu entdecken wie wir gemein vermuten, doch das Bedürfnis nach dem Licht bleibt, ist Richard Bösch überzeugt. Nicht ohne Grund soll Wolfgang Amadeus Mozart als „Meister der Helligkeit“ bezeichnet worden sein. Überhaupt zieht der passionierte Ö1-Hörer oft Vergleiche zwischen seinem Werk und der klassischen Musik.

Monochrome Malerei von Richard Bösch  <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Monochrome Malerei von Richard Bösch Wolfgang Ölz

Immer noch ärgert es ihn, dass zu einem gewissen Zeitpunkt die guten Maler als reaktionäre Pinselschwinger denunziert wurden. Er sieht sich in der Tradition der monochromen Malerei, in der Großfeldmalerei, wie sie in der Mitte des letzten Jahrhunderts aus Amerika nach Europa kam. Sein All Over hat aber weniger mit Jackson Pollok zu tun, sondern mehr mit der reinen Malerei in der jeder Quadratzentimeter des Bildes gleichbedeutend ist und jede Komposition, jede Gegenständlichkeit strikt negiert wird.

Das Bild soll schwingen und atmen. In Bruchteilen einer Sekunde entscheidet sich im gesteuerten Zufall des Malaktes wie der Künstler sein Bild anlegt. Wenn das Bild eine Persönlichkeit geworden ist, dann gilt es den Pinsel beiseite zu legen, um es nicht wieder zu zerstören. Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, bleibt ein Geheimnis. Kunst ist immer mit einem Restgeheimnis verbunden.

Richard Bösch sieht sich nicht als Gottsucher, sondern als Selbstsucher. Das höhere Selbst will er entdecken, aggressive Atheisten und naive Gläubige stellt er gleichermaßen in Frage. Und doch sagt Richard Bösch: Während Hermann Nitsch orgiastisch gemalt habe, sei sein Zugang ein kontemplativer. In Versenkung und Selbstvergessenheit jenseits jeder Intellektualität schafft er die größten Werke.

Von Wolfgang Ölz