Ländleergebnisse abseits des Trends

Wählerinteresse war im Vergleich zu früheren Bundespräsidentenwahlen hoch.
Vorarlberg machte am Sonntag zwar seinem Ruf alle Ehre, in Sachen Wahlbeteiligung das bundesweite Schlusslicht zu bilden, lieferte mit 56,1 Prozent an abgegebenen Stimmen aber doch ein im Vergleich zu früheren Wahlgängen hohes Erebnis. Die Wahlbeteiligung lag damit etwa höher als 2004, als beim Duell zwischen Benita Ferrero-Waldner und Heinz Fischer – keiner von beiden hatte einen Amtsinhaberbonus – nur 55,3 Prozent der Vorarlberger zu den Urnen geschritten waren. Bei der Wiederwahl Heinz Fischers 2010 hatten sich gar nur 37,7 Prozent der Wahlberechtigten zur Stimmabgabe motivieren lassen.
Im Ländle gaben zwar nur 44,1 Prozent ihre Stimmen an den Urnen ab, allerdings erhöhte sich der Wert durch die ausgestellten Wahlkarten noch deutlich.
Wählerloch in Lech
Nach dem vorläufigen Endergebnis blieben dennoch mehr Vorarlberger den Urnen fern (etwa 121.000), als für den Amtsinhaber Alexander Van der Bellen stimmten (knapp 95.000). Mit und ohne Wahlkarten wies Vorarlberg trotz allem auch die niedrigste Wahlbeteiligung aller Bundesländer aus. In Niederösterreich drängten zwar am Sonntag die verhältnismäßig meisten Wähler in die Wahllokale, allerdings erreichte das Burgenland mit Wahlkarten und insgesamt 70,5 Prozent die höchste Beteiligung.
Da die verschickten Wahlkarten auf Bezirksebene ausgezählt wurden, können sie nicht mehr einzelnen Gemeinden zugeordnet werden. Deren Wahlbeteiligung und Ergebnisse beziehen sich daher ausschließlich auf die Präsenzwahl. Besonders niedrig fiel die Zahl der heimischen Präsenzwähler in Lech aus: Gerade einmal 18,6 Prozent gaben dort direkt ihre Stimme ab. In der Kleingemeinde Buch schritten hingegen 62,9 Prozent der Wahlberechtigten, die verhältnismäßig meisten Gemeindebürger, an die Urnen.
Ein kurzes Auszählen
Für die Beisitzer in den Sprengelwahlbehörden war es die wohl beliebteste Wahl seit langem, müssen bei der Bundespräsidentenwahl doch keine Vorzugsstimmen ausgezählt werden. Entsprechend rasch waren auch die Ergebnisse da, zusätzlich begünstigt durch die frühen Schließzeiten der Wahllokale. Um Punkt 17 Uhr schließlich leerten die Bezirkshauptmannschaften am Sonntag ein letztes Mal die Amtspostkästen, um die dort eingeworfenen Wahlkarten zu entnehmen. Diese wurden allerdings erst am Montag ausgezählt, wie es das Gesetz verlangt. Dass Kuverts diesmal vorzeitig aufgeschlitzt wurden, darf angesichts der Erfahrungen bei der Bundespräsidentenwahl 2016 wohl ausgeschlossen werden.
Kandidaten abseits des Trends
Für Ausreißer sorgte Vorarlberg neben der niedrigen Wahlbeteiligung vor allem mit dem schlechten Abschneiden von Tassilo Wallentin, der maßgeblich von der Kronen Zeitung unterstützt worden war. Tatsächlich stimmte laut vorläufigem Endergebnis die Reihenfolge seiner Wahlergebnisse nach Bundesländern mit der Reichweite der Tageszeitung überein.
Entsprechend gut schnitt der Rechtsanwalt, dessen Ernennung zum Richter am Verfassungsgerichtshof von Alexander Van der Bellen abgelehnt worden sein soll, im Osten ab – 11,6 Prozent machte er im Burgenland. In Vorarlberg landete der bis zum Wahlkampf als Krone-Kolumnist tätige Wallentin hingegen mit 3,2 Prozent laut vorläufigem Endergebnis auf dem vorletzten Platz.
Etwas besser als im Bundesschnitt lag dafür MFG-Kandidat Michael Brunner. Er kam in Vorarlberg vorläufig auf 3,1, österreichweit auf 2,2 Prozent. Das mag auch an der niedrigen Beteiligung und der hohen Motivation von Brunners 4699 Wählern im Ländle gelegen haben. Rechnet man das Ergebnis auf die Wahlberechtigten um, schrumpft der Vorsprung jedoch ein.
Zweitbestes Ergebnis für VdB
Verhältnismäßig gut schnitt auch Dominik Wlazny (Bierpartei) ab, der in Vorarlberg mit vorläufig 8,5 Prozent sein im Ländervergleich drittbestes Ergebnis einfuhr, wobei ihm die Wahlkartenstimmen, wie auch den übrigen Kandidaten, deutlich weniger halfen, als Amtsinhaber Alexander Van der Bellen. Mit 62,1 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen holte er das beste Bundesländerergebnis nach Wien, wo er auf 65,4 Prozent kam. Während in den übrigen Vorarlberger Gemeinden Walter Rosenkranz an zweiter Stelle stand, überholte ihn Wlazny, der als jüngster Kandidat ins Rennen ging, in Viktorsberg und Warth.
In Schröcken hingegen schaffte es Gerald Grosz bei den Präsenzwählern auf Platz zwei. Dafür reichten in der Kleingemeinde allerdings auch neun Stimmen. Mit 48 Stimmen und 67,6 Prozent stand aber auch hier Van der Bellen deutlich an der Spitze.