Mehr Beschäftigte, dennoch fehlt Personal

Tourismusbranche stöhnt unter Mitarbeitermangel und schlechtem Image.
Dass Tourismusbetriebe – so wie viele Unternehmen anderer Branchen auch – unter eklatanter Personalnot ächzen, ist bekannt. Weniger geläufig dürfte hingegen der Umstand sein, dass trotz Mitarbeitermangels mehr Beschäftigte in Hotels, Pensionen und Co. arbeiten als im Vor-Corona-Jahr 2019. Auf diese Diskrepanz machte einmal mehr die zuständige Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler aufmerksam, die zum Auftakt der 1. Vorarlberger Tourismuswoche ins Land gekommen war. Die Eventwoche soll dazu beitragen, das Image der Branche zu heben. „Die Tourismuswoche in Vorarlberg hilft dabei, Best-Practice-Beispiele vor den Vorhang zu holen, Nachwuchs für die Branche zu begeistern und einer ganzen Region zu zeigen, dass der Tourismus ein attraktiver und abwechslungsreicher Arbeitgeber ist“, so die Staatssekretärin.
Immer mehr Hilfskräfte
Gemäß den letzten verifizierten Zahlen vom August arbeiteten in der Vorarlberger Tourismusbranche 12.429 Beschäftigte, was einen Zuwachs von 4,5 Prozent gegenüber dem August 2019 bedeutet. Warum fehlt es trotzdem an allen Ecken und Enden an Personal? Weil die Stundenzahl zurückgeht – sprich mehr Männer und Frauen wollen Teilzeit und nicht mehr Vollzeit arbeiten, wie Kraus-Winkler formulierte. Ein weiterer Grund sei, dass in Ermangelung an Fachkräften immer mehr angelernte Hilfskräfte im Tourismus arbeiten würden. „Eine eingeschulte Mitarbeiterin hat natürlich eine völlig andere Arbeitsproduktivität“, erklärt Kraus-Winkler. Der Bedarf an Mitarbeitern werde aber auch deshalb immer größer, weil auch das Angebot der Betriebe komplexer geworden sei und das Wachstum stetig steige. „Besonders hoch“ sei in den Vorarlberger Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben der Anteil der im Tourismus beschäftigten Ausländer (58 bzw. 64 Prozent. Der Österreichschnitt (beide Branchen) beträgt derzeit 54 Prozent. „Wir sind immer stärker auf Mitarbeiter aus dem Ausland angewiesen“, bilanziert Kraus-Winkler. Neue praktikable Saisonbeschäftigungsmodelle, die auch Mitarbeitende aus Drittstaaten verstärkt miteinbeziehen, wünscht sich Spartenobmann Markus Kegele. Erste Adaptierung der Rot-Weiß-Rot-Card und der Saisonkontingente begrüßt Kegele.
Was passiert nun in der Tourismusgewerbe?
„Wir zeigen die reiche Vielfalt an touristischen Perspektiven, Aufgaben, Angeboten und Projekten wie auch die Inhalte der Tourismusstrategie 2030“, so Mike Pansi, Obmann der Fachgruppe Gastronomie.
Vorträge, Diskussionsrunden und der informelle Austausch stehen im Fokus des Eröffnungstages, an dem auch das erste Ausbildernetzwerk der Branche stattfindet. Ganz im Zeichen des Nachwuchses stehen der heutige Dienstag und der morgige Mittwoch. Die Gewinner des Volksschul-Wettbewerbs „Mini-Köche und Mini-Gastgeber:innen“ sammeln erste Koch- und Gastgebererfahrung und die Tourismus-Lehrlinge sowie Schüler erleben bei den „Skillsdays“ über Workshops spannende Zukunftsperspektiven. Bei der „Zäm-Kitchenparty“ treffen sich Land- und Gastwirte zum regionalen „Food-Hunting“, „Talks am Herd“, Netzwerken und zum Verkosten regionaler Köstlichkeiten. Am Freitag geht der Landeslehrlingswettbewerb, die sogenannten „XiBerg-Skills“, über die Bühne. Im Anschluss kann man sich auf der Tourismus-Ausbildungsmesse (14 bis 19 Uhr) über die Tourismusschulen im Land und die Tourismus-Lehrberufe informieren. Krönender Abschluss bildet die „Lange Nacht der Stars“ am Sonntag, 16. Oktober, bei der unter anderem die Sieger des Lehrlingswettbewerbs geehrt werden.