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Hohe Kosten machen Vogewosi zu schaffen

12.12.2022 • 20:26 Uhr
Hans-Peter Lorenz (l.) und Karlheinz Rüdisser.  <span class="copyright">Vogewosi</span>
Hans-Peter Lorenz (l.) und Karlheinz Rüdisser. Vogewosi

Verantwortliche der Vogewosi haben Bilanz des Jahres 2021 präsentiert.

Das Jahr 2021 war insgesamt durch ein komplexes Gemenge an krisenhaften Erscheinungen sicherlich kein leichtes Jahr“, stellte Vogewosi-Aufsichtsratsvorsitzender Karlheinz Rüdisser eingangs fest. Er sprach dennoch von einem „sehr sehr guten Ergebnis“. Das Neubauvolumen lag 2021 bei 26 Millionen Euro und damit um knapp zehn Millionen Euro unter dem der Jahre zuvor. „Wir sind auf die Bremse gestiegen“, meinte Rüdisser dazu.

Geschuldet war dieser Rückgang den stark gestiegenen Baukosten, wie er und Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz erklärten. „Wir wollten nicht auch noch zusätzlich den Markt befeuern.“ Neben den hohen Baukosten würden auch die explodierenden Energiekosten immer mehr zum Problem, so Rüdisser. Das mache es immer schwieriger, ein leistbares Mietentgelt zu finanzieren. Insofern begrüße er die Erhöhung der Wohnbeihilfe und die Neuerungen bei der Wohnbauförderung, wie er sagte.

Die Vogewosi ist mittlerweile in 60 Gemeinden des Landes vertreten.  <span class="copyright">Vogewosi</span>
Die Vogewosi ist mittlerweile in 60 Gemeinden des Landes vertreten. Vogewosi

Sechs neue Wohnanlagen mit insgesamt 124 Wohnungen wurden 2021 gebaut. Mit Zwischenwasser und Übersaxen kamen zwei weitere Gemeinden dazu, sodass nun in 60 Gemeinden des Landes Vogewosi-Wohnungen zu finden sind. „Der gemeinnützige Wohnbau hat in den vergangenen Jahren ein deutlich besseres Image erhalten als das vor Jahrzehnten der Fall war“, ist Rüdisser überzeugt. Auch die Gemeinden seien mittlerweile aufgeschlossener. Das Ziel müsse es sein, letztlich in allen Gemeinden des Landes vertreten zu sein.

Die Bilanzsumme ist 2021 im Vergleich zu 2020 um sieben Millionen auf 884,7 Millionen gestiegen. Besonders stolz zeigten sich Rüdisser und Lorenz auf das Eigenkapital, das 2021 gesteigert werden konnten und mit 310,9 Millionen Euro über ein Drittel darstellte. „Eigenkapital ist ein wichtiges Co-Finanzierungsinstrument neben der Wohnbauförderung, um die Mieten auf Dauer steuern zu können“, betonte Lorenz.

Zahlen 2021

174.400 Quadratmeter unbebaute Grundstücke im Wert von rund 30 Millionen Euro besaß die Vogewosi 2021. 2020 waren es 183.100 Quadratmeter. Finanziert ist diese Fläche mit Eigenmitteln.

14.583 Mietwohnungen waren 2021 im Bestand der Vogewosi. Dazu kamen 2595 Eigentumswohnungen, die zusätzlich von ihr nur verwaltet wurden. Mitarbeiter waren es 97 – zwei mehr als 2020.

112 Kündigungen wurden 2021 ausgesprochen. Räumungstermine gab es 62. Zu tatsächlichen Räumungen kam es allerdings nur 14 Mal. Im Schnitt erfolgen pro Jahr etwa 20 bis 25 Räumungen.

5,29 Euro pro Quadratmeter inklusive Umsatzsteuer aber ohne Betriebskosten beträgt die durchschnittliche Miete in den Vogewosi-Wohnungen. Die Spannweite liegt zwischen 2,5 und acht Euro.

Mit rund 16,5 Millionen Euro wurde 2021 die dritthöchste Summe der vergangenen zwanzig Jahre für Sanierungen ausgegeben. Damit wurden vor allem Erhaltungsmaßnahmen, Teilsanierungen und Instandsetzungen vorgenommen. „Hier haben wir mittlerweile ein Problem mit den hohen Preisen“, erklärte Lorenz, weil man die hohen Kosten vor allem bei energetischen Sanierungen nicht auf die Mieterinnen und Mieter weiterverrechnen könne. „Da müssen wir neue Wege suchen.“

Zudem hätten sich auch die Bedürfnisse der Bewohner und Bewohnerinnen verändert, so der Vogewosi-Geschäftsführer. „Es wird immer schwieriger, ältere Wohnanlagen zu vermieten.“ Daher müsse man beim Altbestand auch die Frage stellen, ob eine Verbesserung noch sinnvoll sei. Hier gelte es, einen Ausgleich zwischen Erhalt und Abbruch von Teilen oder des gesamten Gebäudes zu finden. Als Positivbeispiel für einen gelungenen Wiederaufbau nannte Lorenz die kürzlich präsentiere Wohnanlage Feldmoos in Bregenz, die komplett neu errichtet wurde (die NEUE berichtete).

Vorzeigeprojekt Wohnanlage Feldmoos in Bregenz.  <span class="copyright">Vogewosi</span>
Vorzeigeprojekt Wohnanlage Feldmoos in Bregenz. Vogewosi

Ein Thema bei der gestrigen Vogewosi-Bilanzpräsentation waren auch die Grundstückspreise. Ein neues Grundstück mit einer Fläche von 1130 Quadratmetern wurde 2021 erworben. Die Preise würden im Rheintal und Walgau derzeit zwischen 800 und 1500 Euro pro Quadratmeter liegen, informierte Lorenz. Umgelegt seien die Grundstückskosten pro Quadratmeter derzeit so hoch wie vor fünf Jahren die Errichtungskosten, veranschaulichte er die dramatische Entwicklung. „Es wird zunehmend schwieriger, eine günstige Miete anzubieten.“ Dazu komme, dass auch die gesetzlichen Vorgaben Bauprojekte verteuern würden. Allerdings glaubt der Vogewosi-Geschäftsführer, dass sich die Bedarfssituation in Hinblick auf gemeinnützige Wohnungen entspannt hat.

Zurückhaltung bei Neubauprojekten

Der Fokus im kommenden Jahr wird aufgrund der Kostensituation auf den kostengünstigeren Holzmodelbauprojekten liegen, lieferte Lorenz noch einen Ausblick. So sind bis 2025/26 unter anderem 231 Wohnen500+-Wohnungen geplant. Rund 120 Wohnungen sollen im nächsten Jahr gebaut werden – heuer sind es nur 66. Umgesetzt würden 2023 auch jene Projekte, bei denen man schon sehr weit im Bauverfahren sei oder die, die mit einem privaten Bauträger entstehen. Auch bei großem Interesse vonseiten einer Gemeinde werde gebaut, so Lorenz. Letztlich zeigte er sich aber, was künftige Neubauprojekte anbelangt, eher zurückhaltend: „Wir forcieren vor allem Projekte, die weitgehend Kostensicherheit garantieren, nachhaltig finanzierbar sind und solide und überschaubare Ausfinanzierungsräume aufweisen“, so der Vogewosi-Geschäftsführer.