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Durch die Schlucht zur Thermalquelle

09.09.2023 • 19:31 Uhr
Ein Highlight der Wanderung: die Taminaschlucht. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Ein Highlight der Wanderung: die Taminaschlucht. Gerhard Vylet

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet spazieren von Bad Ragaz zur Quelle in der Taminaschlucht, besuchen im alten Bad Pfäfers das Museum und gehen zurück.

Um Naturerlebnisse der besonderen Art genießen zu können, muss man nicht immer schwindelnde Höhen erklimmen oder weite Märsche bewältigen, denn frei nach Goethe „Sie, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da.“ Allerdings muss dazu etwas in die gar nicht so weit entfernte „Ferne“ geschweift werden, denn Bad Ragaz ist Ausgangspunkt dieser Wanderung.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Imposante Schluchtlandschaft und interessante Geschichte des Kur- und Badbetriebs im alten Bad Pfäfers

Anforderung und Gehzeit: nur circa 190 Höhenmeter und circa drei Stunden Gehzeit, trockenes Wetter, (online gibt es Informationen dazu: www.sg.ch/bauen/tiefbau/strassenzustand-taminaschlucht oder heidiland.com)

Markierungen: gelb = gelb-weiß

Charakter der Wege: Schotterstraße, Fußweg in der Schlucht

Kultur und Natur: Bad Ragaz, Taminaschlucht, Taminaquelle, Altes Bad Pfäfers

Anziehen und Mitnehmen: Wanderkleidung je nach Witterung, auch an heißen Tagen ist es kalt in der Schlucht

Einkehrmöglichkeiten: Altes Bad Pfäfers, diverse Einkehrmöglichkeiten in Bad Ragaz

Start und Ende: Bad Ragaz in der Schweiz, Zentrum, Parkgarage oder Bahnhof

Im Zentrum von Bad Ragaz ist der Weg zum „Alten Bad Pfäfers“, leicht zu finden. Ein kurzer Spaziergang durch den, im Jahr 845 als „Hof Ragaz“ erstmals erwähnten Ort, bringt einen zur Badgasse. Direkt hinter den kleinen Häusern ragt die Felswand der Stufenmündung hoch auf und man betritt auf der 1839 errichteten Straße das Badtobel. Parallel zur Tamina steigt die Schotterstraße leicht an, während einen das lautere und leisere Rauschen des Wassers unterhält.
Links ziehen Wasserlauf und Felswand die Blicke auf sich, während rechts der bewaldete Steilhang für ein grünes Ambiente sorgt. Das Badtobel, jener Teil bis zum alten Bad Pfäfers, ist genau betrachtet eine asymetrische Halbschlucht. Links mit bis zu 200 Meter hohen Felswänden und rechts mit flacheren Waldhängen. So öffnet sich rechts bald das Gelände und die 2017 eröffnete Taminabrücke kommt ins Blickfeld. In 200 Metern Höhe überspannt die höchste Bogenbrücke der Schweiz das Tal. In diesem Bereich sind auch manch Blumen wie das Leinkraut zu sehen und vielleicht duftet noch der Flieder. Schnell vergeht in dieser Kulisse die Wanderzeit zum ältesten erhaltenen Barockbad der Schweiz.

Ein weiteres Highlight ist das Alte Bad Pfäfers.<span class="copyright"> Gerhard Vylet</span><span class="copyright"> </span><span class="copyright"></span>
Ein weiteres Highlight ist das Alte Bad Pfäfers. Gerhard Vylet

Geschichte der Badekultur

Das schöne Gebäude des alten Bads lädt zu einem Besuch ein, der vor dem Besuch der Quellschlucht zu empfehlen ist. Dies nicht nur um die Eintrittskarte zur Thermalquelle zu kaufen. Im Museum wird auf kurzweilige und leicht verständliche Art, die ins Jahr 1242 zurückreichende Geschichte des Bads gezeigt. Anfangs befanden sich die Badeeinrichtungen direkt bei der Quelle in der Schlucht. Der Zugang erfolgte über Leitern und manch einer wurde zur Quelle abgeseilt. 1542 wurde ein Steg zur Quelle errichtet, 1630 die erste Badeanlage außerhalb der Schlucht. Architekturmodelle zeigen die wechselvolle Geschichte und das besonders beeindruckende Gebäude in der Schlucht. Über den einst hier tätigen Arzt Paracelsus wird informiert und mit moderner Kunst ein Bogen zur heutigen Zeit gespannt.

Zur Thermalquelle

Mit gesteigerter Neugier tritt man vor die mächtige Felskluft. Nach wenigen Schritten auf dem gut ausgebauten Weg schließen sich die Felswände hoch über einem zusammen, das Tageslicht fällt nur noch spärlich ins Innere. Ergriffen schaut man auf die vom Wasser in den letzten 15.000 Jahren geformten Felswände, die in bis zu 70 Metern Höhe durch sogenannte „Naturbrücken“ verbunden sind. Ein in blaues Licht getauchter Tunnel führt ins Innere der Felswand zur warmen Thermalquelle. Beim kleinen Brunnen, aus dem Thermalwasser fließt, beginnt der Rückweg.
Aus dem raren Ambiente tritt man wieder ins Tageslicht und empfindet die auch an heißen Tagen kühlen Temperaturen im Tobel als angenehm warm.In neuem Licht zeigt sich der Weg durchs Tobel. Aus anderem Blickwinkel fallen andere Schönheiten ins Auge. Von der Natur reich beschenkt kann man in Bad Ragaz die Wanderung ausklingen lassen.

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GERHARD VYLET

Rund um die Tour

DieTamina entspringt auf circa 2630 Meter Höhe unterhalb des Piz Sardona im Calfleisental. Dort vereint sie die Berg- und Gletscherbäche von Sardona- und Chline Gletscher. Ab der kleinen Walsersiedlung St. Martin füllt sie den 1971 bis 1977 erbauten Gigerwald Stausee und gelangt bei Vättis ins Taminatal. Nach Vättis folgt eine Strecke mit moderatem Gefälle zum Mapragg Stausee. Danach, tief unterhalb des Chemispitz, bei der Einmündung des Mülitobelbachs beginnt sich die Tamina tiefer einzugraben. In den letzten circa 15000 Jahren formte sie eine bis zu 200 Meter tiefe Schlucht, die erst in Bad Ragaz abrupt endet. Dabei entstand bei Ragol die 750 Meter lange und circa 70 Meter hohe Felsspalte beziehungsweise Höhle, die teils mit Naturbrücken überdeckt ist. Die darin befindliche Quelle des Thermalwassers wurde 1240 entdeckt und seither für Badekuren genutzt. Nach 30 Kilometern auf dem ein Höhenunterschied von 2134 Meter überwunden wird, mündet die Tamina bei Bad Ragaz in den Rhein.

Der Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria) ist ein Nachtfalter aus der Familie der Bärenspinner und ist wie der verwandte Schönbär oder das Taubenschwänzchen tagaktiv. Er hat einen langen Rüssel mit dem er aus Wasserdost oder Flieder Nektar saugt. Die Vorderflügel sind charakteristisch schwarz-weiß gefärbt, im Flug zeigen sich auch die orange-roten Hinterflügel mit den schwarzblauen Flecken. Nach der Eiablage, auf der Blattunterseite von Nahrungspflanzen, schlüpfen im Herbst die Raupen und überwintern um sich erst im folgenden Sommer in einem weiß-grauen Gespinst zu verpuppen. Der Name leitet sich von der behaarten Raupe ab. Diese hat eine gelbe Rückenlinie, rötlich-braune Warzen und an den Seiten weiße Punkte.

Verwendete Quellen: Altes Bad Pfäfers; pfaefers.ch, Grand Resort Bad Ragaz; heidiland.com; Was blüht denn da? Kosmos Verlag 2021; Karte: Swisstopo 1155 Sargans

Das Gewöhnliche Leinkraut (Linaria vulgaris).<span class="copyright"> Gerhard Vylet</span>
Das Gewöhnliche Leinkraut (Linaria vulgaris). Gerhard Vylet

Blumenkunde

Das Gewöhnliche Leinkraut (Linaria vulgaris) blüht von Juni bis Oktober und wird bis zu 70 Zentimeter groß. Es kommt an schottrigen Gewässerrändern, Bahndämmen oder Ödland vor. Durch seine tief reichende, weit verzweigte Wurzel ist es ein Bodenfestiger. Die Blüten mit dem langen Sporn und orangem Fleck werden von langrüsseligen Schmetterlingen und Hummeln bestäubt. Jede Pflanze kann so bis zu 30000 Samen bilden, die im Herbst vom Wind verbreitet werden.