Fliegen und Schwimmen im eigenen Wohnmobil

Das Wohnmobil von Alex und Leo Fechtig aus Lochau kann zaubern. Die beiden Zwillingsbuben haben Geschichten erfunden und bebildert, die ihre Mama Vera in ein Buch gegossen hat.
Wunschtraum: Urlaub mit dem Wohnmobil. „Wir waren jung und brauchten das Geld“, der Spruch hat in diesem Fall seine ganz eigene Dynamik entfaltet.
Die beiden achtjährigen Zwillingsbuben Leo und Alex Fechtig aus Lochau beschlossen vor zwei Jahren, dass sie gerne mal mit dem Wohnmobil Urlaub machen würden. Da hätten sie dann einen Pool im Koffer dabei mit Meeresschaum und Einhorn. Außerdem wären sie immer da, wo die Sonne scheint, über dem Nebel zum Beispiel. Die Wolken könnte man essen, sie wären aus Zuckerwatte, und ein Flug führte sie direkt ins Süßigkeiten-Land. Die beiden Sechsjährigen konnten noch nicht lesen und schreiben. Aber sie konnten ihren Eltern sagen, was sie wollten. Die erklärten ihnen, dass sie das Geld für einen Wohnmobilkauf nicht herbeizaubern könnten. Aber es gäbe die Möglichkeit, eins zu leihen. Da könnten sie außerdem gleich ausprobieren, welches ihnen am besten gefiele und zu ihren Familien-Bedürfnissen passte.

Wie viel Platz bräuchten sie? Wie sollte es innen aussehen? Die Kinderaugen blitzten auf. Nur: Auch ein Wohnmobil leihen kostet Geld.
Eigenes Spielzeug verkaufen?
Die Zwillinge wollten sich beteiligen und ihr Spielzeug verkaufen. Doch dann wären ihre Zimmer ganz schön leer geworden. Nach kurzem Hin und Her verwarfen sie die Idee. Es müsste, überlegten sie weiter, irgendetwas sein, das sie gern machten und gut konnten. Sie malten gerne. Außerdem erdachten sie sich mit großer Begeisterung fantasievolle Geschichten. Was, wenn die Kinder mit Hilfe ihrer Mutter Geschichten erfänden, bebilderten und sie, Vera Fechtig, daraus ein Buch machte? Zufällig ist sie nämlich Grafikerin. Und seit Neuestem hat sie sich auf das Entwickeln und Herausbringen von Kinderbüchern spzeialisiert. Also den Büchern ihrer eigenen Kinder. Denn es hat zwar zwei Jahre gedauert, aber das Projekt ist tatsächlich auf den Markt gekommen und verdient dort eigenes Geld. Entstanden ist die Idee durch einen Serienteil von „Peppa Wutz“, die mit ihrer Schweinchenfamilie Urlaub mit dem Wohnmobil macht. Da waren die Buben noch in der Vorschule beziehungsweise in der ersten Klasse.

Ein fertiges Buch
Vera Fechtig erzählt schmunzelnd: „Ich bin daran gewöhnt, bei meiner Arbeit Erwachsene zu motivieren. Mit Kindern, auch den eigenen, ist das nochmal was ganz Anderes. Sie haben sich das so vorgestellt: ,Wir erzählen schnell ein paar Geschichten, und schwupps, ist das Buch fertig.` Ganz so einfach war es dann natürlich nicht.“ Zunächst hat die Mutter der Zwillinge deren Einfälle nämlich mit dem Handy aufgenommen. Dann hat sie überlegt, was der jeweiligen Geschichte noch fehlt, und weitere Details aus ihnen herausgekitzelt. Die Geschichten sind kurz – abgerundet werden sie jeweils durch eine Frage, wie die kleinen Leser oder Zuhörerinnen den Faden weiterspinnen können.

Das Buch „Urlaub mit dem Wohnmobil“ ist ein Buch von Kindern für Kinder. Und weil Kinder voller Einfälle stecken und kein Problem damit haben, von A nach Z zu springen und wieder zurück, werden die meisten Kinder dieses Buch vermutlich lieben. Denn welches Kind fliegt nicht gern ins Süßigkeiten-Land? Welches Kind packt nicht gern den Pool aus dem Koffer aus? Und welches Kind geht nicht gern mit den Personen, die es mag, auf große Fahrt, um Abenteuer zu erleben?
Ausmalbuch
Außerdem können alle Leserinnen und Leser sich freuen. Denn ihr Buchkauf ermöglicht es, dass Leo und Alex im Wohnmobil Urlaub machen. Was sie dort erleben, werden sie sehr wahrscheinlich mit ihren jungen Fans teilen. Ein Fortsetzungsbuch ist schon in Planung. Dann nicht mehr in erster Linie, um Geld zu verdienen, sondern, weil es so viel Spaß macht. Zusätzlich gibt es schon ein Ausmalbuch mit Zeichnungen der mittlerweile Achtjährigen in Schwarz-Weiß.


Die Zeichnungen im Buch sind bunt, Vera hat sie am Computer nach den detaillierten Vorgaben ihrer Kinder eingefärbt. Rosa, grün, blau, „heller, nicht so ein Blau …“. Veras Mann, der Vater der Zwillinge, hat sie beim Malen begleitet: Was könnten sie zeichnen, damit es inhaltlich passt? Auch das war eine Übung in Geduld für alle, denn manchmal waren sich nicht alle einig, und manchmal fehlte schlicht die Lust. „Aber das hat uns als Familie zusammengeschweißt“, erzählt Vera. Auf dem Einband steht dann auch als Autorenquartett: „Familie Fechtig“. Vera plant schon weiter: In welche Sprachen könnte man das Buch übersetzen? Wie könnte ein Hörbuch entstehen?
Unterstützung vor Ort
Das Softcover und das Ausmalbuch kann man bei Amazon bestellen, das Ausmalbuch ist auch über Buchhandlungen erhältlich. Einige regionale Buchhandlungen in Vorarlberg und ein paar ausgewählte Geschäfte haben die Hardcover-Version aufliegen. „Zusätzlich unterstützen uns der Blumenladen und ein Friseur in Lochau, aber auch eine Tankstelle in Altach. Das sind Gesten, die uns sehr freuen“, sagt Vera Fechtig.


„Die Idee mit dem eigenen Buch war auch deshalb gut, weil sie die Lese-Begeisterung von unseren Jungs gefördert hat. Leo liest gerade Räuber Hotzenplotz – in normaler Schriftgröße. Außerdem sind die beiden total stolz darauf, dass sie dieses Buch kreiert haben und signieren voller Freude jedes Exemplar.“ Alex steht neben seiner Mutter und erzählt vom Pool in Einhornkopfform und von einer Schildkröte, die in Urlaub fährt. Der Pool ist tatsächlich im Buch enthalten. „Die Schildkröte nicht. Die kommt dann ins nächste Buch“, sagt Vera gut gelaunt. Und wer die Fechtigs kennt, weiß, dass dies durchaus möglich sein kann.