„Gut konsumierbares“ Programmkino

Ab nächster Woche gibt es in der Kinothek Lustenau wieder eine Programmkinoschiene – kuratiert von Walter Gasperi.
Während es in anderen Bundesländern eigene subventionierte Programmkinos gibt, wird in Vorarlberg das Programmkinoangebot durch oft ehrenamtlich betriebene Filmclubs ermöglicht. Bis zum Frühjahr gab es in der Kinothek Lustenau eine Film-Kultur-Schiene vom Verein Pavian. Nach Differenzen hat der Kinobetreiber Pierre Fenkart das abseits des Mainstreams angesiedelte Programm, das von Yvonne Rüscher und Gerhard Klocker kuratiert wurde, ziemlich abrupt beendet. „Das Programm war anspruchsvoll, unkonventionell und experimentell“, beschreibt Walter Gasperi und verweist auf zu geringe Besucherzahlen. „Es sind einige Filme gezeigt worden, die sonst kein Filmclub zeigt, aber das hat auch Gründe, warum die sonst kein Filmklub zeigt“.
Programm im September
„Ein richtig guter Job – Un métier sérieux“: (16.9., 18 Uhr + 25.9., 20 Uhr)
„Morgen ist auch noch ein Tag –C‘è ancora domani“: (18.9., 20 Uhr + 23.9., 18)
„King´s Land“: (30.9., 18 Uhr + 9.10., 20 Uhr)
Ab nächster Woche wird Gasperi, der auch die Programmkinoschiene „Leinwand Lounge“ in Bludenz kuratiert, nun auch in Lustenau mit der „Kinothek extra“ das Programmkino gestalten. Gasperi setze auf „zugänglichere Filme mit linearer Erzählweise“, die nicht „deprimieren oder verstören“ würden. „Wenn ich in der Programmkinoschiene was hineinprogrammiere, was aus dem Rahmen fällt, glaube ich das ich das Publikum vergraule“, erklärt er sein homogenes und eher gut konsumierbares Programm.

Dieser Ansatz wurde vom Verein Pavian nicht gutgeheißen und auf Sozialen Medien kritisiert. Gasperis unter anderem als „leicht konsumierbare Wohlfühlfilme“ missbilligte Auswahl erklärte dieser im Gespräch mit der NEUE mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten. „Man sollte das Kino so programmieren, dass es voll ist“, immerhin gäbe es für diese Programmschiene in Lustenau keine Förderung, „da trägt die ganzen Kosten der Kinobetreiber“, dementsprechend müsse es auch „ein Geschäft fürs Kino sein, sonst ist es der Tod des Kinos, wenn niemand kommt…“ Zum anderen werde das Kino immer als „Gemeinschaftserlebnis“ beworben, „wenn nur drei Leute drinsitzen, ist es eine fade Atmosphäre“.
Bei der Auswahl gäbe es immer eine Gratwanderung: „Wichtig finde ich es auch, anspruchsvollere Filme zu zeigen“, wirtschaftlich sei das jedoch bei einer geringeren Besucheranzahl schwierig. „Es gibt ganz herausragende Filme, die auf Festivals Preise gewinnen, dann aber gar nicht in die Kinos und zu den Verleihern kommen“, weil sie nicht den Konventionen der Leute entsprechen würden, wie beispielsweise der französisch-georgischer Spielfilm „Beginning“ von von Déa Kulumbegashvili aus dem Jahr 2020 oder der britischer Science-Fiction-Thriller „Under the skin“ von Jonathan Glazer.
Das Programm in Lustenau will er so kuratieren, dass möglichst Filme, die in Vorarlberg filme, noch wenig bis gar nicht gelaufen sind, gespielt werden. Ab Montag 16. September starten die Programmkinofilme jeweils am Montag um 18 Uhr und am Mittwoch um 20 Uhr. Angeboten werden „gesellschaftlich relevante, aber auch unterhaltsame Arthouse-Filme“, die ein breites Publikum ansprechen sollen. Pro Woche werden zwei Filme am Montag und Mittwoch in Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt und in der darauffolgenden Woche wiederholt. In der Herbstauswahl ist beispielsweise der französische Film „Un métier sérieux – Ein richtig guter Job“, der thematisch zum Schulstart passe. Der italienischen „Frauenfilm“ „C`é ancora domani – Morgen ist auch noch ein Tag“ erzähle sehr mitreißend von weiblicher Selbstbehauptung in einer patriarchalen Gesellschaft, beschreibt Gasperi. Bei der Parabel „Was macht der Lama mit dem Gewehr?“, die „mit sanftem Humor“ den Demokratisierungsprozess in Bhutan aufgreift, gäbe es auch den „Reiz des Exotischen“.
Weiter auf dem Herbstprogramm stehen „Juliette im Fühling“ und die Naturdoku „Wildes Land – Die Rückkehr der Natur“, das Historiendrama „King´s Land“, „Und die Party geht weiter – Et la fête continue!“ sowie „Ein kleines Stück vom Kuchen – My Favourite Cake (Keyke mahboobe man)“.