Warum Europas Strompreise hoch bleiben

Das EU-Parlament hat Mitte Dezember einen Fahrplan beschlossen, um Europas Energieversorgung unabhängiger zu machen. Kernpunkt: Es sollen keine neuen Verträge mit Russland abgeschlossen werden.
Von Christof Flatz
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Kurzfristige Lieferverträge sollen im kommenden Jahr auslaufen, für langfristige gibt es Übergangsfristen. Noch immer stammen rund 20 Prozent vom europäischen Energiemix aus russischem Gas. Das spült jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro in Moskaus Kriegskasse – und treibt die Strompreise nach oben.
Dafür gibt es mehrere Gründe: Durch das sogenannte Merit-Order-Prinzip bestimmt das teuerste Kraftwerk den Strompreis am Großhandelsmarkt. Oft sind das fossile Kraftwerke (Kohle oder Gas), weil sie flexibel bei Spitzenlast einspringen können. Selbst wenn ihr Anteil weiter sinkt, bleiben vor allem Gaskraftwerke wichtig für die Netzstabilität und als Backup für Wind- und Solarstrom. Da fossiler Strom CO₂-Emissionen verursacht, die über den Emissionshandel bepreist werden, bleibt er zusätzlich teuer. Berechnungen von NGOs zufolge war im Juni 2025 Solarenergie erstmals die größte Stromquelle der Europäischen Union. Österreich setzt hingegen weiterhin überwiegend auf Wasserkraft (über 60 Prozent), während Wind etwa 12 Prozent und Solar nur rund 10 Prozent ausmachen.
Laut Internationaler Energieagentur (IEA) steigt der weltweite Energieverbrauch weiter. Getrieben durch Kühlung, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und industrielle Elektrifizierung wird für 2025 ein Wachstum von 3,3 Prozent und für 2026 sogar 3,7 Prozent erwartet. Prognosen gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt: Die Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Gebäuden treibt die Nachfrage bis 2030 stark nach oben.
Der Ausstieg der EU aus russischem Gas hat bereits jetzt tiefgreifende Auswirkungen auf die weltweite Energiewirtschaft. Zunächst verschieben sich die globalen Gasströme: Europa ersetzt russisches Pipelinegas zunehmend durch Flüssigerdgas (LNG) aus den USA, Katar und Afrika. Das treibt die LNG-Preise nach oben und sorgt für stärkere Konkurrenz um verfügbare Mengen, was auch asiatische Länder wie Japan, Südkorea und China unter Druck setzt. Gleichzeitig wird der Ausstieg die Energiewende befeuern: Die EU investiert massiv in erneuerbare Energien, Speichertechnologien und Wasserstoff, um die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern. Das wirkt sich weltweit aus, da die Nachfrage nach grünen Technologien und kritischen Rohstoffen steigt.