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Sich über kleine Dinge …. ärgern

07.02.2026 • 13:00 Uhr
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Sich über kleine Dinge …. ärgern

Allgemein sagt der Volksmund, man solle sich über die kleinen Dinge des Lebens freuen. Über ein Gänseblümchen am Wiesenhain, einen bunten Schmetterling auf der Nasenspitze oder über eine Milch im Kühlschrank, die ausnahmsweise nicht sauer geworden ist. Das finde ich gut. Sich zu freuen hebt die Stimmung, strahlt aus in die Umgebung, die mich umgibt, und macht – einfach Spaß.

Ich meine aber – auch wenn es unkonventionell scheinen mag: Sich über kleine Dinge zu ärgern kann ebenfalls richtig guttun. Dazu muss ich kurz ausholen, um nicht missverstanden zu werden, und betonen, dass ich das Wort „Dinge“ ganz bewusst verwende. Aber von Anfang an.

Wenn ich von zu Hause losdüse, fahre ich mit dem Auto von einer kleinen Nebenstraße auf eine stark befahrene Hauptstraße. Die Kreuzung ist nicht ampelreguliert, also warte ich, bis der Verkehr es mir erlaubt, ohne Blechschaden (oder gröberes) einzubiegen. Ich sage Ihnen jetzt etwas: Jedes Mal – wirklich jedes Mal (außer gegen Mitternacht) – wirkt die Hauptstraße leer und wunderbar befahrbar. Kaum stehe ich aber an der Kreuzung, ziehen links und rechts Autokolonnen vorbei, genau in dem Tempo, dass ich partout nicht einfahren kann. Also stehe ich da, warte und warte. Und schimpfe wie ein hungriger, alter Rohrspatz.

Diese Schimpferei richtet sich gegen niemanden, sondern einfach in den Raum hinein. Und genau dabei bröseln auch andere Gedanken ab, die mich ungut beschäftigen. Ein Boxsack also für mein Kopfkino.

Ein weiteres wunderbares Ventil ist mein Drucker. Mit stoischer Gelassenheit spuckt er Papier, mit Hieroglyphen bedruckt, aus – endlos. Einen Drucker kann ich nicht kränken, also lasse ich alles ab, was möglich ist, mit viel Enthusiasmus und definitiv erst ab 18 anzuhören.

Dazu kommen weitere „Boxsäcke“: die Waschmaschine, die nicht geschleudert hat und niemand weiß warum; die Schublade, die sich nicht schließen lässt, obwohl sie exakt in der Schiene sitzt; oder die Auto-App, die beim Telefonieren helfen soll, aber jeden Namen falsch versteht, bis sie am Ende mich selbst anruft, weil „Dr. Max Mustermann anrufen“ offenbar wie „Heidi anrufen“ klingt.

Ein Hoch auf das bewusste Ärgern über kleine Dinge. Mir hilft das, bei wirklich wichtigen Momenten – etwa dem Leben mit Teens – erstaunlich entspannt zu bleiben. Gerade eben ist nämlich die Küche schon wieder nicht aufgeräumt.

Ich werde jetzt meinen Drucker aktivieren. Danach folgt ein vernunftbegabtes, aber ernstes Gespräch.