Auf die Verabschiedung vorbereiten – Hundsi ist alt

Meine kleine Wutzihündin ist inzwischen stattliche 16 Jahre alt. Jetzt tut sie sich schon schwer mit dem Stiegensteigen, ihr Gang ist nicht mehr wirklich behende, sie hört und sieht nichts mehr (oder will nicht, da bin ich mir nicht ganz so sicher) und sie schläft vorzugsweise den ganzen Tag. Spazierengehen ist ihr ein Graus, und nach 500 Metern langsamen Gedackels macht sie mit Bestimmtheit kehrt. Ihr Schlafplätzchen ruft – und das hört sie noch sehr gut.
Das heißt für uns, jeden Tag darauf gefasst zu sein, dass sie sich verabschiedet. Immer wieder tippsel ich sie an, wenn sie vor sich hin schlummert, um festzustellen, ob noch Bewegung und Herzschlag stattfinden.
Ein halbes Jahr alt war sie, als wir sie irgendwo im hintersten Niederösterreich abgeholt haben. Ganz nervös und zittrig ist sie auf meinem Schoß gelegen. Wir haben die Mädels gefragt, wie unser neues Familienmitglied heißen soll, und Tochter zwei, damals etwa eineinhalb Jahre alt, brüllte das erste Wort heraus, das ihr einfiel – und das sie aussprechen konnte: „DREI!“ Tochter eins intervenierte: „Lily! Lily soll sie heißen. Wie Lilyfee.“ Damit war auch die jüngere Schwester sehr zufrieden, und somit war es beschlossen. Der schwarze Knäuel auf meinem Schoß heißt nun Lily.
Umgänglich, zufrieden, manchmal kläffig (wenn unsereins unaufmerksam war, wollte sie anderen gegenüber zwingend das Fehlen von Körpergröße mittels Lautstärke kompensieren), etwas tussig (wie ein normaler Hund am Boden liegen – pfft!), regen- und wasserscheu und ab und an etwas undicht beschritt sie bis heute ihr Leben. Sehr liebevoll und herzlich wurden wir immer begrüßt, und man war sich nie sicher, was hier wen wedelte – der Schwanz den Körper oder umgekehrt.
Außerdem war (und ist sie noch immer) ein ziemlicher „Frießnigel“. In einem unbeobachteten Moment hüpfte sie einmal bei meinem Onkel frech auf den Küchentisch, worauf schon fein säuberlich das Abendessen bereitet war: geräucherte Forelle, Speck, Käse. Ich, draußen im Garten beimTomatenpflücken, hörte nur plötzlich einen Schrei. Lily war satt, und wir Gäste bekamen Butterbrot. Besuch bei Onkel somit nur noch mit Leine.
Unsere kleine Weggefährtin ist ein Hund, sie wurde von uns nie vermenschlicht. Aber das tut dem Schmerz keinen Abbruch, zu wissen, dass sie wahrscheinlich bald gehen wird – wohin auch immer. Ich hoffe, wir können sie nun bis dahin begleiten, wie sie uns bis heute begleitet hat.
Jetzt bekommt sie jedenfalls ein paar Streicheleinheiten und ein Leckerli.
Die kleinen Freuden des Hundelebens.