TBC bei Wild: „Ja, wir brauchen die Reduktionsgatter“

Diese Woche wurden in einem Bildsteiner Hof vier Rinder diagnostisch getötet, von einem liegt der PCR-Befund vor: positiv. Die NEUE hat bei Landesveterinär Norbert Greber nachgefragt.
Norbert Greber kann kann das bestätigen. Bei drei fraglichen Tieren fehlten allerdings noch die PCR-Test-Bestätigungen. Aber es sind damit, mit dem neuen Hof im Klostertal und in Bildstein sieben Höfe in Vorarlberg gesperrt. Eine Bestandskeulung stehe aber zurzeit nicht im Raum, weil alle anderen untersuchten Tiere nicht reagierten.
Laut Greber sind von den Tieren, die diagnostisch aufgrund des Ergebnisses beim Hauttest getötet wurden, anschließend im PCR-Test auch deutlich mehr als die Hälfte positiv. Insofern war „vorsichtige Entwarnung“ des Landesrates vor 10 Tagen verfrüht. Bis wann sich die TBC-Situation für die Bauern in diesem langen Winter beruhigen wird, hänge von weiteren Tests ab. Im Nachhinein gesehen, war die Entwarnung zu optimistisch. Sie hoffen aber, die Situation bis Anfang April klären und abschließen zu können, auch wenn es noch weitere Tests in den gesperrten Höfen geben werde, wie jetzt in Bildstein und im Klostertal. Es sind also wieder zwei gesperrte Höfe dazugekommen. In Vorarlberg werde risikobasiert getestet, also nicht flächendeckend, obwohl es auch einen regen Viehverkehr gibt. Über eine Datenbank, in der Viehverkehr eingetragen wird, fehlten immer wieder bis zu 150 Stück, die zumindest kurzzeitig unter dem Radar sind, und gesucht werden müssen. Von Behördenseite wäre es zu begrüßen, dass jemand, der in gefährdetem Gebiet gealpt hatte, für mindestens zwei Monate für den Viehverkehr gesperrt bleibt und dann Tiere nur nach einer negativen Testung in den Verkehr bringen darf. Das könnte tatsächlich so vom Bund beschlossen werden und auch kommen.
Neue Abschusszahlen
Es werden jetzt gerade die Abschusszahlen für die nächsten zwei Jagdjahre verhandelt, die Bauern machen ordentlich Druck, dass diese für die kommenden Jahre erhöht werden. Auch Greber ist dieser Meinung, dass die Abschüsse erhöht werden sollten, aber so, dass sie realistischerweise auch erreicht werden können. Utopische Zahlen würden niemanden nützen. Aber die Zahlen sollten doch über die der letzten beiden Jahre, inklusive der per Bescheid verordneten, hinausgehen. Er tritt also für eine Erhöhung ein, diese Phase müsse durchtaucht werden. Vor allem die Zuwachsträger sollten stärker bejagt werden, das war ihm bisher zu wenig. Und die müssten im Herbst erlegt werden, damit der Zuwachs weniger wird. „Bei den Zuwachsträgern gab es zu wenig Abschüsse, damit es zu einer wirksamen Reduktion kommt.“

„Aktuell sind sieben Höfe in Vorarlberg gesperrt.“
Norbert Greber, Landesveterinär
Das Beispiel Lechtal
Vor zehn Tagen war der jetzt pensionierte Amtstierarzt aus Reutte im Lechtal, Johannes Fritz, zu einem Vortrag ins Großdorf eingeladen. Die Situation im Tiroler Lechtal war ja so dramatisch, dass Reduktionsgatter eingerichtet wurden, in denen das Wild in einen Gatter gesperrt und erlegt wurde. Die Bilder gingen durch die Medien und waren nicht schön, was diese Reduktionsgatter im Tiroler Lechtal in Verruf brachte. Greber ist da anderer Meinung. Wenn ein Gatter gut betrieben werde, also durch gute Jäger, sei das ein probates Mittel zur TBC-Bekämpfung, weil der Bestand im Lechtal nachweislich verseucht war. Und die Gatter hätten ihren Zweck im Tiroler Lechtal höchst effizient erfüllt, auch unter Tierschutzperspektive. Das wurde ja begutachtet. Der Sündenfall sei anschließend passiert, als durch die Medien unschöne Bilder gingen und von „Massakern“ die Rede war. Durch diese sei in der Öffentlichkeit ein falsches Bild transportiert worden und die Politik habe die Veterinäre fallen lassen, mit dem Versprechen, dass es das in Tirol nie mehr geben werde. Jetzt wäre in St. Anton wieder ein Gatter erforderlich, aber der sei aufgrund der politisch-medialen Situation nicht mehr durchführbar, was niemanden etwas nütze, auch den Tieren nicht. Die Reduktionsgatter im Lechtal seien also höchst effizient gewesen, um einen TBC-verseuchten Bestand zu eliminieren.
Reduktionsgatter in Vorarlberg
Der ehemalige Kollege von Greber meinte beim Vortrag, dass die Situation bei uns ohne Reduktionsgsgatter wohl nicht in den Griff zu bekommen sei. Er würde in diesen Hotspots das Rotwild komplett eliminieren, und zwar vom Montafon bis zum Allgäu. Greber erklärt, dass er seit 10 Jahren die Einrichtung und den Betrieb von Reduktionsgattern fordere. Wenn er das heute tue, hieße es nur „Träum weiter, Greber“. Aber sie wären ein Segen und würden es ermöglichen, bis Ende Dezember noch die fehlenden Stücke vom Herbst zu erlegen. Das hieße auch, dass die Schonzeiten wieder eingehalten werden könnten und nicht trächtige Tiere oder gar Muttertiere im Winter und im Frühjahr erlegen werden müssten, was auch aus Tierschutzgründen abzulehnen sei. Aber seit der Gatterjagd in Kaisers im Lechtal scheine ein Reduktionsgatter nicht mehr möglich zu sein. Im Silbertal wäre so einer längst angezeigt, wenn fast fünfzig Prozent der erlegten Rotwildstücke positiv seien. Er trete seit 2025 für Reduktionsgatter ein, die zur richtigen Zeit, also im Dezember, auch genutzt werden sollten. Aber das scheine aufgrund des öffentlichen und medialen Drucks so gut wie ausgeschlossen, dass es die geben werde.

Wildfütterungen als Streitpunkt
Der Tiroler Experte sprach von Wildfütterungen als Infektionsdrehscheibe. Greber kann einem Auflassen der Fütterungen nicht das Wort reden. Die würde es brauchen, um das Wild zu lenken und zu verhindern, dass das Wild nicht in die Täler zurückwandert, wo sie keinen Platz mehr haben, ins Rheintal oder ins Walgau. Aber wir müssten dem Wild Lebensräume lassen, wo sie noch überleben können. Alles andere wäre ein barbarischer Akt der Grausaumkeit. Eine Notfütterung muss also immer erlaubt sein und zudem brauche es die Fütterungen, auch in Bezug auf die Reduktion des Bestandes. Greber: „Wir sollten an jeder großen Fütterung einen Reduktionsgatter errichten, den wir bei Bedarf in Anspruch nehmen könnten.“
Wildzählungen
Ein Problem sind immer auch die Wildzählungen, weil sogar der Landesrat zugab, dass die so nicht stimmen können. Der Bestand sei viel höher, sagen die Land- und Alpwirte und fordern eine Drohnenbefliegung. Greber erklärt, dass die Bestandzahlen ein ewiges Thema seien. In Vorarlberg würden indirekte Methoden der Zählung angewandt, also von den Abschüssen wird der Bestand hochgerechnet. Drohnenbefliegungen seien nämlich auch nicht verlässlich und könnten eher dazu führen, dass die Bestände zu gering eingeschätzt würden. Hundertprozentige Zahlen werde es nicht geben. Das Testen des Viehbestandes ist ja ein enormer Aufwand, die diagnostischen Tötungen und Bestandskeulungen noch viel mehr. Daneben gibt es auch das tierische und menschlichen Leid. Aber in Summe, nach Abzug jener Beträge, die vom Bund retourniert würden, müsse das Land in etwa 350.000 Euro im Jahr aufbringen.
Landwirtschaft und Jagd
Gegenüber der NEUE haben schon mehrere Landwirte gemeint, dass die Jagd oder die Jagenden der Politik mehr wert seien als die Land- und Alpwirtschaft. Greber kann diese Meinung nicht teilen. Als vor 10 Jahren die TBC-Verordnung überarbeitet worden sei, in der die Behörde Reduktionsgatter verlangen können hätte, seien zwei Bauernvertreter aus Egg-Großdorf, bzw. aus Schwarzenberg, vorstellig geworden. Die hätten verhindert, dass dies ohne Zustimmung der Grundbesitzer möglich sein soll, weil sie der Meinung waren, dass die Grundeigentümer dadurch enteignet würden, wenn sie einer Gattererrichtung auf ihrem Grundbesitz nicht mehr zustimmen müssten. Da hätten sie sich also innerhalb der ÖVP durchgesetzt. Also die Bauern setzten sich durch, nicht die Jäger. Greber meint nach wie vor, dass wir die Gatter brauchen werden. Wenn Reduktionsgatter gut betrieben würden, brächten sie den Erfolg mit sich und seien jagd- und tierfreundlicher, als die intensive Bejagung auch außerhalb der Schonzeiten, was in den TBC-Bekämpfungsgebieten gefordert ist, wenn die Abschüsse bis dahin nicht erledigt sind.
Kurt Bereuter