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Über die Freuden der modernen Zahnheilkunde

28.03.2026 • 14:10 Uhr
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Damit mein Beißwerkzeug wieder lückenlos funktioniert, muss ein neuer Backenzahn her. Nachdem ich mich entschlossen habe, diesen nicht mit Fimo selbst zu formen und mir in mein Kauwerk zu picken, bin ich zum Zahnarzt gegangen – man sollte gewisse Dinge jenen Menschen überlassen, die ihr Handwerk verstehen. Alles kann man einfach nicht selbst erledigen.

Also ab unter das Messer.

So ein Besuch beim „Gebissinstallateur“ ist von meiner Seite immer mit ein wenig Aufregung verbunden, oder nennen wir es beim Namen: Ängstlichkeit. Derweil ist mein Zahnarzt einer von der wirklich freundlichen und fürsorglichen Sorte und sehr bemüht darum, einen Besuch bei ihm mehr wie einen Spa-Aufenthalt denn wie ein Splattermovie wirken zu lassen.

Ich wurde in einen grünen Mantel gesteckt, mit dazu farblich abgestimmter Haube, und gemütlich am Praxisstuhl drapiert. Nach der Gabe der Spritze bekam ich die Info, dass nun ein Abdruck meiner Zahnreihen gemacht werden müsse. Diese klebrige Masse, die einem den Gaumen entlang Richtung Zäpfchen rinnt und man das Gefühl hat, Brechreiz in Dauerschleife unterdrücken zu müssen, ist mein ganz besonderer Favorit im zahnheilkundlichen Portfolio.

Was dann passierte entspannte mich aber zutiefst. Frau Assistentin nahm ein futuristisch anmutendes Gerät in die Hand (mich erinnerte es ein wenig an die Laserpistolen von Raumschiff Enterprise) und fuhr damit meine einzelnen Zahnreihen entlang. Auf einem Bildschirm neben ihr manifestierte sich Schritt für Schritt ein 3D-Bild meines Gebisses. Erstaunlich!

Um weitere Schritte zu unternehmen, wurde natürlich gewartet, bis meine rechte Gesichtshälfte von meiner Seite aus nicht mehr fühlbar ist. Bevor nun das Skalpell angesetzt wurde, um in meinen Kieferknochen eine Art Gewinde einzusetzen, tastete sich der Arzt freundlicherweise sanft mittels versuchtem Pieksen meines Zahnfleisches an den Moment des völligen Ertaubens meiner Nerven heran.

„Spüren Sie das?“

In meiner Panik, dass die Spritze für Knochenbohrerei nicht stark genug ist, habe ich fest nachgedacht, ob das, was ich spürte, Ansatz eines Schmerzes sein könnte oder einfach eh nix. Es war eh nix. Also verneinte ich – etwas unwillig, zugegeben – aber im Vertrauen darauf, dass, wenn mein Zahnfleisch nichts bemerkt, es wohl auch mein Knochen nicht würde.

Ich lag glücklicherweise mit meiner Vermutung richtig!

Jetzt muss mein Gewinde einheilen, damit ich meinen neuen Zahn willkommen heißen kann! Juhuu. Das sind Momente, in denen ich so unfassbar froh bin, nicht im Mittelalter geboren zu sein. Wirklich!