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Tuchmasken, Pickelpatches, Einhörner und Co.

11.04.2026 • 10:00 Uhr
Tuchmasken, Pickelpatches, Einhörner und Co.
canva

Was haben pinke Einhörner und Comicfiguren mit Hautpflege zu tun? Seit die Kosmetikindustrie Kinder als Zielgruppe entdeckt hat, leider sehr viel.

Wer im Familien- oder Bekanntenkreis 9 bis 12 jährige Mädchen hat, darf sich beim nächsten Besuch gerne mal zum Thema Tuchmasken, Augen-Pads oder Lippenpflege erkundigen. Es würde mich nicht überraschen, wenn Sie nach einem kurzen Moment und Weg ins Bade- oder Kinderzimmer den aktuellen Lagerbestand des Kindes mit leuchtenden Augen präsentiert bekommen.

Auch in meiner Familie sind wir an diesem Phänomen nicht vorbeigekommen. Das Badezimmerregal meiner Töchter ist umfangreicher ausgestattet als meins.

Ziemlich gefinkelt, aber eigentlich unglaublich, erweiterten in den letzten Jahren Kosmetikkonzerne ihre Zielgruppen auf immer jüngere Kinder – insbesondere Mädchen. Sie änderten Farb- und Motivlinien, beobachteten aufmerksam Influencerinnen und führten gezielt Produkte ein. Es gibt keine Lücken mehr. Dem pinken Kinderbrausebad mit Prinzessin oder Schmetterlingen folgen unmittelbar Duschschaum in Pastellfarben und fruchtigen Duftnoten, Lippenbalsam in ebendiesen Farben und Düften sowie bunte Sternchen und Punkte zum Überkleben von ersten Pickeln. So werden angehende Teenies noch vor der Pubertät mit dem Pflegesortiment für den ganzen Körper, insbesondere fürs Gesicht, und die makellose Schönheit am Ball gehalten.

“Wenn immer jüngere Kinder immer früher als Konsumentinnen für Schönheitsprodukte gesehen werden, ist das alles andere als harmlos.”

Lea Putz-Erath

Die italienische Wettbewerbsbehörde hat gegen international tätige Kosmetikfirmen eine Untersuchung wegen des Verkaufs von Kosmetikartikel an Kinder eingeleitet.

Natürlich könnten Sie mir jetzt entgegenhalten: Was soll die Aufregung? Körperpflege ist doch nichts Schlechtes. Und außerdem, wenn das Kind eine Freude an der Gesichtsmaske als Mitbringsel hat, warum nicht?

Aber: Wenn immer jüngere Kinder immer früher als Konsumentinnen für Schönheitsprodukte gesehen werden, ist das alles andere als harmlos. Wir wissen doch heute schon, wie hoch die psychische Belastung von Mädchen und Frauen auf Grund von Schönheitsidealen ist. Die „Investition in Schönheit“ wird zu einer lebenslangen Frage von Geld und Status. Da hört sich die Kindheit auf.

Lea Putz-Erath KOmmentar
Lea Putz-Erath ist Geschäftsführerin von femail. Sie studierte Tourismusmanagement und Soziale Arbeit. Promotion in Erziehungswissenschaften.