_Homepage

Südostasien im Energieschock

18.04.2026 • 17:00 Uhr
Südostasien im Energieschock
AFP

Der Irankrieg wirkt weit über den Nahen Osten hinaus. Die Schließung der Straße von Hormus trifft – wie kaum eine andere Weltregion – die Volkswirtschaften Südostasiens. Fast vollständig sind sie auf Öl- und Gasimporte aus den Golfstaaten angewiesen. Selbst Malaysia und Indonesien, beide formal zu den Förderländern zählend, müssen rund ein Viertel ihres Energiebedarfs im Nahen Osten zukaufen.

Die wirtschaftlichen Folgen treffen vor allem einkommensschwache Haushalte. Steigende Energiepreise wirken als Preistreiber durch sämtliche Bereiche des Alltags: Lebensmittel verteuern sich, Mobilität wird zum Luxus, grundlegende Dienstleistungen geraten außer Reichweite. In Indonesien versucht die Regierung, den sprunghaften Anstieg der Kraftstoffpreise mit staatlichen Subventionen abzufedern. Bezahlt wird diese Entlastung jedoch mit schmerzhaften Einschnitten an anderer Stelle: Das Programm für kostenloses Schulessen wurde bereits um einen Tag pro Woche gekürzt.

Auch Thailand steht unter massivem Druck. Dort haben sich die Preise für Benzin und Diesel innerhalb kurzer Zeit nahezu verdoppelt. Die Regierung setzt seit Wochen auf einen Maßnahmenmix aus Preisdeckeln und der Subventionierung von Biokraftstoffen – bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Dadurch wächst die Staatsverschuldung, denn eine Weitergabe der Kosten an die ohnehin belasteten Verbraucher ist politisch kaum durchsetzbar.

Zunehmend gerät auch die Landwirtschaft unter Druck. Landwirte kämpfen mit stark steigenden Preisen für Düngemittel und Transporte, während ihre Erlöse stagnieren. Hinzu kommt, dass viele Länder der Region Flüssiggas zur Stromerzeugung nutzen – entsprechend explodieren nun auch die Energierechnungen von Haushalten und Betrieben. Parallel wächst in den Tourismusregionen die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Die Buchungen in Südostasien, insbesondere in Thailand, sind zuletzt stark eingebrochen. Steigende Treibstoffpreise verteuern Flugreisen erheblich, während die Inflation zugleich die Kaufkraft potenzieller Urlauber schmälert.

Der Golfkrieg wird so für Südostasien zu einer vielschichtigen Krise – sozial, wirtschaftlich, aber auch ökologisch. Der Konflikt, so die Financial Times, zwinge die Region in eine fossile Notfalllogik. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, lockern viele asiatische Staaten die Beschränkungen für alte Kohlekraftwerke. Klimaziele treten angesichts der akuten Energieknappheit in den Hintergrund.

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse