Starke Stimmen der Landwirtschaft: Bundesbäuerinnentag in Feldkirch

hartinger
Rund 750 Bäuerinnen sowie zahlreiche Festgäste aus dem In- und Ausland kamen am 15. und 16. April
im Montforthaus Feldkirch zusammen, um beim Bundesbäuerinnentag 2026 über die Zukunft der Landwirtschaft zu diskutieren.
Unter dem Motto „Regional verwurzelt – international vernetzt“ stand vor allem eines im Mittelpunkt: die Rolle der Frauen als tragende Kraft in der Land- und Forstwirtschaft. Die Veranstaltung stand im Zeichen des von den Vereinten Nationen ausgerufenen „Internationalen Jahrs der Bäuerin“.
Ein Chor aus Bäuerinnen
Für Begeisterung sorgte ein eigens für diese Veranstaltung gegründeter Bäuerinnenchor von 80 Bäuerinnen aus ganz Vorarlberg unter der Leitung von Evelyn Fink-Mennel. Ihre Darbietungen trugen zur freudigen und optimistischen Stimmung bei. Bereits zur Eröffnung betonte Landesbäuerin Esther Bitschnau, wie sehr die Landwirtschaft vom Einsatz und Zusammenhalt der Bäuerinnen lebt: „Bäuerin zu sein, bedeutet Verantwortung, Leidenschaft und Zukunft“. Sie verwies auf die besondere Struktur Vorarlbergs, die geprägt ist von Direktvermarktung, Bergbauern und Familienbetrieben, welche Tradition mit Innovation verbinden. Bäuerinnen haben eine wichtige Rolle als „Stimme der Landwirtschaft“ in der Gesamtgesellschaft. Durch agrarpolitische Bildungsangebote wie etwa das Projekt „Schule am Bauernhof“ erhalten Kinder und Jugendliche einen Einblick in die bäuerliche Arbeit.

Stärkung für die Regionen
Auch Bundesbäuerin Irene unterstrich die zentrale Rolle der Frauen. Sie tragen die Verantwortung für ihre Höfe, Familien und Regionen. Sie sichern dabei nicht nur die Lebensmittelversorgung, sondern stärken auch die Regionen. Gleichzeitig sprach sie über Herausforderungen, mit denen viele Bäuerinnen konfrontiert sind: Steigende Kosten, fehlende soziale Absicherung und oft geringe Pensionen. Rund zwei Drittel der Betriebe seien auf Zusatzeinkommen angewiesen. Neumann-Hartberger fordert bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen, mehr Bildung, soziale Absicherung sowie echte Gleichstellung und Mitbestimmung.
Die zentralen Forderungen der Österreichischen Bäuerinnen wurden in einem Positionspapier zusammengefasst und an den EU-Bauernverband (COPA), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sowie Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig übergeben.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich Josef Moosbrugger stellte sich hinter die Forderungen der Bäuerinnen und verlangte mehr Wertschätzung, Wertschöpfung und Entlastung für Frauen in der Landwirtschaft. „Ich spreche den Bäuerinnen nicht nur meinen größten Respekt aus, sondern stehe voller Überzeugung hinter dem heute präsentierten Positionspapier und setzte mich für ihre Anliegen ein.“
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hob die Innovationskraft von Frauen hervor. Bereits 36 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe werden von Frauen geführt. „Wir brauchen mehr weibliche Kompetenz und Teilhabe“, so Totschnig. Wichtig sei es, Landwirtinnen und Landwirte finanziell zu entlasten und Bäuerinnen sichtbarer zu machen. Auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner hob das Engagement der Bäuerinnen hervor und betonte angesichts globaler Unsicherheiten die Bedeutung einer starken, unabhängigen und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft.

Eine Videobotschaft
Internationale Perspektiven brachten eine Videobotschaft von FAO Generaldirektor Qu Dongyu sowie ein Fachvortrag von dem Direktor des Verbindungsbüros mit der Europäischen Union, Ernährung & Landwirtschaft (FAO) der Vereinten Nationen Raschad Al-Khafaji. Frauen leisteten weltweit einen unverzichtbaren Beitrag zur Ernährungssicherheit, Investitionen in Frauen würden daher ganze Gesellschaften stärken. Sie sind jedoch überdurchschnittlich stark von Armut, Klimawandel und fehlendem Zugang zu Ressourcen betroffen. „Frauen tragen diese Lasten besonders schwer. Viele von ihnen sind zugleich für Haushalt, Lebensmittelverarbeitung, Kinderbetreuung, Hofmanagement und vieles mehr verantwortlich“, so Al-Khafaji.
Wie konkrete Lösungen aussehen können, zeigte Lena-Maria Russ, Geschäftsführerin der Maschinenring Foundation, anhand von Projekten im Senegal, wo Maschinenringe Frauen neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. Durch Zugang und Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft würden wichtige Ressourcen frei, welche die Bäuerinnen anderweitig einsetzten können. Ein Erfolgsbeispiel aus Europa präsentierte Sylke Herse, deutsche Landwirtin des Jahres 2025. Sie gab Einblicke in ihren Hof, auf dem sie in Biolandbau Blaubeeren kultiviert. Nach dem Motto „Nachhaltig. Gerecht. Verwurzelt“ hat die Landwirtin ihren Betrieb erfolgreich auf Direktvermarktung, Nachhaltigkeit und Innovation aufgebaut.

In einer internationalen Diskussionsrunde diskutierten Vertreterinnen aus Südtirol, Deutschland und der Schweiz – darunter Antonia Egger Mair, Anne Challandes und Petra Bentkämper – über Herausforderungen wie Bürokratie, steigende Betriebskosten und mangelnde soziale Absicherung. Einig waren sie sich vor allem in einem Punkt: Es braucht mehr Wertschätzung und Chancengleichheit für Bäuerinnen sowie faire Preise für landwirtschaftliche Produkte. Für einen spirituellen Akzent sorgte der Segen von Bischof Benno Elbs, der Gedanken des Psychiaters Viktor Frankl aufgriff und die Bedeutung von Sinn, Haltung und Gemeinschaft betonte. Zum Abschluss rief Brigitte Maria Gruber, Leiterin der Frauen:Fachakademie Schloss Mondsee, dazu auf, authentisch zu bleiben: „Sei du selbst – die Welt verehrt das Original.“

Ein Tag der Vernetzung
Der Bundesbäuerinnentag 2026 zeigte eindrucksvoll, was Frauen in der Landwirtschaft leisten und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind. Die Zukunft der Landwirtschaft ist ohne Frauen nicht denkbar. Mit neuen Impulsen, gestärktem Selbstbewusstsein und internationaler Vernetzung kehrten die Teilnehmerinnen in ihre Regionen zurück – mit dem klaren Ziel, die Rolle der Bäuerinnen weiter zu stärken und gemeinsam für bessere Bedingungen einzustehen.
Christine Moosmann-Hämmerle