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Arbeiten unter der Seebühne

30.04.2026 • 15:37 Uhr
Arbeiten unter der Seebühne
Jessica Vogel macht diesen Beruf schon über 18 Jahre mit voller Leidenschaft. Hartinger

Sie schweißt Metall im kalten Bodensee: Jessica Vogel (42) baut für die Bregenzer Festspiele Bühnenbilder unter Wasser auf.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Jessica Vogel: Ich bin mittlerweile seit 18 Jahren als Taucherin tätig. Mein Weg dorthin war etwas ungewöhnlich: Ursprünglich habe ich Automechanikerin gelernt und viel im Stahlbau gearbeitet. Dieses handwerkliche Fundament gibt mir heute das nötige Verständnis für komplexe Montagen unter Wasser. Da ich das Tauchen quasi “im Schlaf” beherrsche und mich im Wasser absolut frei fühle, konnte ich meine Leidenschaft zum Beruf machen. Im Jahr 2018 habe ich schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und mein eigenes Unternehmen unter dem Namen “Montage Taucher Vogel” gegründet.

Was fasziniert Sie an der Arbeit unter Wasser?

Vogel: Meine größte Motivation ist die tiefe Liebe zum Element Wasser. Es ist für mich schlichtweg der schönste Arbeitsplatz. Es fasziniert mich, dass ich unter der Oberfläche genau das bauen oder abbrechen kann, was Menschen normalerweise an Land konstruieren. Dabei kommen auch spezialisierte Techniken zum Einsatz: Als Taucherin kann man unter Wasser sogar “Feuer” machen, indem man Verfahren wie das Schneidbrennen oder Lichtbogenschweißen nutzt, um Metall präzise zu bearbeiten.

Welche Herausforderungen und Gefahren muss man umgehen?

Vogel: Die größten Hürden sind definitiv die extreme Kälte und die oft minimalen Sichtverhältnisse. Da wir die Seebühne hauptsächlich im Winter umbauen, ist eine hohe Kälteresistenz Grundvoraussetzung. Sicherheit hat dabei oberste Priorität: Wir tauchen niemals allein, sondern immer mindestens im Zweierteam. Das Risiko, irgendwo hängen zu bleiben und ohne Partner in Luftnot zu geraten, wäre sonst viel zu groß.

Wie schaut ein typischer Arbeitstag für Sie?

Vogel: Sobald ich am Einsatzort ankomme, lege ich meine Ausrüstung an und springe direkt ins Wasser. Mein erster Tauchgang dauert meist zwischen zweieinhalb und drei Stunden. Danach kommen wir kurz an die Oberfläche, um die Flaschen zu füllen oder zu wechseln und uns kurz aufzuwärmen. Je nach Arbeitsaufwand und Sichtverhältnissen folgt im Anschluss ein zweiter Tauchgang von etwa zweieinhalb Stunden.

Welches Projekt ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Vogel: Das spannendste Projekt war für mich definitiv die Oper “Rigoletto”. Wir waren dafür über 200 Stunden unter Wasser und haben das Bühnenbild buchstäblich von null auf aufgebaut. Es war eine enorme technische Herausforderung, der Figur des Clowns unter Wasser eine stabile Struktur zu geben und Drahtseile wie bei einer Seilbahn einzuziehen. Es erfüllt mich mit Stolz zu wissen, dass das gesamte Bühnenbild ohne unsere Arbeit am Seegrund nicht funktionieren würde.