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Ein Jubiläum im Zeichen des Liedes

01.05.2026 • 13:56 Uhr
Konstantin Krimmel, Ammiel Bushakevitz
Pianist Ammiel Bushakevitz und Bariton-Sänger Konstantin Krimmel auf der Bühne des Markus-Sittikus-Saal. Schubertiade(4)

Die Schubertiade feiert ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Programm, das an die Anfänge erinnert und zugleich die Gegenwart des Liedgesangs eindrucksvoll zeigt.

Die Schubertiade feiert 50 Jahre und greift jene Programme auf, die vor fast genau 50 Jahren nur wenige Schritte entfernt vom heutigen Markus-Sittikus-Saal im Rittersaal des gräflichen Palasts zur Aufführung kamen: In seinem ersten Liederabend hatte der damals 47-jährige künstlerische Leiter Hermann Prey an der Seite von Leonard Hokanson „Ein Leben in Liedern“ nachgezeichnet. Im Eröffnungskonzert dieses Jubiläumsjahres kam diese Ehre Konstantin Krimmel zuteil, der vor sechs Jahren hier debütiert hat und seither zu einem der zu Recht beliebtesten und prägendsten Künstler des Festivals geworden ist. Nicht nur die Wärme und Wandelbarkeit seiner Stimme, die Vielfalt der Farben und der Dynamik, die starke Verbindung von Text und Ausdruck sind bei Krimmel immer wieder faszinierend. Auch die musikalische Partnerschaft mit dem Liedpianisten Ammiel Bushakevitz ist berührend: Nach anfangs etwas zu lautem Beginn in „Der Pilgrim“ trägt er den Sänger ebenso facettenreich, indem er Harfenklänge und Fanfaren, Wasserrauschen, brodelnde Unruhe und tröstliches Mitleid in Töne fasst. Wunderbar etwa ist Bushakevitz in seiner Gestaltung der Strophenlieder „Die Sterne“ oder „Alinde“, die er so freundlich und hell einbettet, während die wild auffahrende Dramatik von „Rastlose Liebe“ und „Willkommen und Abschied“ bei ihm ebenfalls in besten Händen ist.

Heldentum und Empfindsamkeit

„Ein Leben in Liedern“ erzählt vom Aufbruch eines jungen Menschen, von der Sinnsuche und Positionierung, von Liebe, Abschied und Todesnähe – große Themen, die in der kleinen Form des Liedes verhandelt werden und die Sänger und Pianist in einem großen Bogen zusammenfassen. „An die Leier“ spiegelt inhaltlich den Zwiespalt zwischen Heldentum und Empfindsamkeit, sängerisch zwischen großer Opernstimme und lyrischer Linie – beides verkörpert Krimmel, der an der Bayerischen Staatsoper mittlerweile große Rollen interpretiert, die klassischen Balladen so liebt und sich so fein zurücknehmen kann, meisterhaft. Das Publikum folgt den beiden Künstlern durch alle Höhen und Tiefen, durch Schwärmerisches und Tragisches, und wenn sie in der letzten Liedgruppe mit dem wunderbaren „Nachtstück“ nach Mayrhofer die Zeit stillstehen lassen, hält es den Atem an und schenkt ihnen jene Stille, die so kostbar ist. So bedankte sich Konstantin Krimmel bei diesem Publikum und bei Gerd Nachbauer und gratulierte ihm und der Schubertiade mit Erich Wolfgang Korngolds rauschendem „Glückwunsch“.

Konstantin Krimmel, Ammiel Bushakevitz

Wunderbare Liedgestalterin und ihr erfahrener Klavierpartner

Mit ihrer großen Bühnenpräsenz, ihrer hervorragenden Textverständlichkeit, der glutvollen Wärme ihres Mezzosoprans und der Atemkultur in den ruhigen Liedern des zweiten Teils ist auch Sophie Rennert eine wunderbare Liedgestalterin an der Seite ihres erfahrenen Klavierpartners Joseph Middleton. Sie singt das ebenfalls so anspruchsvolle Programm, das Christa Ludwig damals zusammen mit Erik Werba gestaltet hatte und das Sophie Rennert und Joseph Middleton sich mit Wärme, klangvollem Gewicht (etwa in „Der König in Thule“ oder „Klärchens Lied“) und feiner Innigkeit zu eigen gemacht haben. „Frühlingsglaube“ passt natürlich wunderbar in diese Tage, in denen die Natur explodiert und die Bäume im „Heckentheater“ hinter dem Saal ihr Blattwerk entfaltet haben. Zum „Ständchen“, dem verschwörerischen Dialog zwischen der Solistin und einem Frauenchor, gesellen sich junge Sängerinnen vom Frauenchor „Vocalis“ dazu, die blitzsauber intonierend, von Victoria Türtscher einstudiert und vom schwingenden Dirigat von Benjamin Lack geleitet, mit einstimmen.

Sophie Rennert, Joseph Middelton
Joseph Middelton (Klavier) und Mezzosopranistin Sophie Rennert.

In großer Ruhe vertiefen sich Rennert und Middleton in die beliebten „Nachtstücke“ nach Karl Lappe, Rückert und Goethe, zeigen die Gefährlichkeit des Fischers in der „Forelle“ und leiten mit „Der Tod und das Mädchen“ zum Abendkonzert, bei dem das gleichnamige Streichquartett auf dem Programm steht. In den Zugaben entsteht aber erst noch Krimispannung mit „Der Zwerg“ und, wie bei Krimmel, flammende Intensität in „Willkommen und Abschied“.

Sophie Rennert, Joseph Middelton
Das gefeierte Duo mit dem nicht minder gefeierten Frauenchor „Vocalis”.

Rennert und Middleton haben im akustisch so entgegenkommenden Markus-Sittikus-Saal auch eine CD „Irrlichter“ aufgenommen, sie wird demnächst vorgestellt.

Katharina von Glasenapp