Die Tradition wird prachtvoll fortgeführt

Das Mandelring Quartett interpretiert drei zentrale Werke der Quartettliteratur im Geiste der frühen Festivaljahre.
In der ersten Schubertiade-Woche vor 50 Jahren war auch in der Kammermusik das „best of Schubert“ geboten: Das Programm des Melos Quartetts, das damals den einzeln stehenden Quartettsatz c-Moll, das a-Moll-Quartett „Rosamunde“ und das d-Moll-Quartett „Der Tod und das Mädchen“ umfasste, lag nun in den Händen des deutschen Mandelring Quartetts.
Der Quartettsatz ist mit seinen brodelnden Emotionen und den explosiven Akzenten immer wieder ein effektvoller Einstieg in ein Konzertprogramm – auch für die „Mandelringe“, die sich mit ganzer Energie da hineinbegeben: mit den drei Geschwistern Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt an den Geigen und am Cello und mit Andreas Willwohl an der Bratsche haben sie eine ähnliche Konstellation wie das Hagen Quartett und sind auch seit über vierzig Jahren gemeinsam unterwegs.
Das „Rosamunde“ Quartett klingt bei ihnen bodenständig und präsent: Präsent und warm im Klang und mit großem Atem gestalten sie den Kopfsatz. Wie auch später in „Der Tod und das Mädchen“ steht ein Variationensatz im Zentrum des Werks, den das Quartett facettenreich in der Tongebung und in den einzelnen Charakteren gestaltet. Fein artikuliert entfaltet das Wechselspiel im Menuett seine Wirkung, insgesamt aber wirkt die Interpretation durch das Ensemble zwar gewohnt präzise, doch recht routiniert.
Emotionsgeladene Reise
In „Der Tod und das Mädchen“ strahlt die Spannung zwischen dem flehenden Mädchen „vorüber, ach vorüber“ und dem lockenden Tod „gib deine Hand“, die Schubert in seiner Liedvertonung nach Matthias Claudius so schlicht wie genial umgesetzt hatte, nicht nur auf die Variationen, sondern auf alle vier Sätze aus. Und das macht das Mandelring Quartett in den sich hochschraubenden Motivketten, den Spannungsakkorden und in der zerklüfteten Durchführung des ersten Satzes, in der rauen Endzeitstimmung des Scherzos und im auf der Bogenspitze tanzenden Finalsatz deutlich erfahrbar. In den Variationen aber nehmen die vier das Publikum mit auf die emotionsgeladene Reise und erzählen von Angst, Aufbegehren, Widerstand und Hoffnung.

Auch das Quartett gratulierte dem Festival, dem es seit 12 Jahren in regelmäßigen Auftritten verbunden ist, und verabschiedete sich mit dem Adagio aus Joseph Haydns op. 1/1 im schönen Miteinander von Primarius Sebastian Schmidt mit den feinsinnig antwortenden Unterstimmen.
Katharina von Glasenapp