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Small Talk – wenn mein Sektglas leer wie mein Kommunikationsvermögen ist

09.05.2026 • 17:00 Uhr
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Ich glaube, ich bin sowas wie eine extrovertierte Introvertierte. Solange ich weiß, warum ich irgendwo bin, was meine Aufgabe ist und in welcher Rolle ich mich bewege, kann ich problemlos mit Menschen reden, moderieren, lachen, reagieren, sogar sowas ähnliches wie charmant und humorig sein (glaube ich jedenfalls). Sobald dieser Rahmen fehlt, stehe ich allerdings inmitten von Leuten, die sich scheinbar mühelos unterhalten, und frage mich, wie genau sie das machen. Besonders eindrücklich wird mir das auf Veranstaltungen, bei denen ich genau zwei Personen kenne, wie etwa Braut und Bräutigam auf einer Hochzeit. Beide sind verständlicherweise schwer beschäftigt damit, den Bund fürs Leben zu zelebrieren. Ich hingegen stehe da und halte ein Glas Prosecco, das schnell genauso leer ist wie meine Ideen für Gesprächseinstiege. Währenddessen versuche ich herauszufinden, wie man möglichst unauffällig herumsteht „Sei ein Baum!“  Smalltalk gilt ja als die leichteste Form der Kommunikation, ein bisschen Wetter, ein bisschen „Woher kennt ihr euch?“, ein paar harmlose Sätze, die wie kleine Brücken zwischen völlig fremden Menschen funktionieren sollen. Das ist etwas Gutes! Wer will schon mit tiefenpsychologischen Thematiken die gerade frisch getroffenen Menschen verschrecken?

In solchen Momenten beginnt mein Scannen des Raumes nach jemandem, der ähnlich verloren wirkt – bzzzzzzzz. Wurde dann jemand gefunden, ist dessen Freude an mir oft nur von kurzer Dauer. Dieser etwas bemitleidende Augenaufschlag mir gegenüber und der aufgesetzte laute Lacher über meine äußerst unbeholfenen Humorversuche zeigen mir… Der Mensch ist lieber alleine als auch nur eine weitere Minute in meiner Gesellschaft.

Ich bewundere Menschen, die solche Situationen mühelos beherrschen, die keinen Anlass brauchen, um ins Gespräch zu kommen, und die es schaffen, aus einem beliebigen Moment eine Verbindung zu machen. Mir gelingt das dann, wenn ich eine Funktion habe, eine Aufgabe, ein klares „Ich bin hier, um …“. Ohne das fühle ich mich ein wenig wie ein Kaktus in einem Rosenbeet, nicht zwingend ganz falsch – aber auch nicht wirklich vorgesehen.

Aber ich möchte es lernen, denn ich erkenne es: Smalltalk ist eine sehr menschliche Form des gemeinsamen Aushaltens von Unsicherheit. Somit ist es einen Versuch wert: “Was für ein wunderbares Wetter heute doch ist, ich spüre das immer ganz enorm im kleinen Zeh! Den habe ich mir heute übrigens angeschlagen… an der Bettkante. Wollen Sie mal sehen?”