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Wo Unternehmerinnen voneinander lernen

12.06.2026 • 15:33 Uhr
Wo Unternehmerinnen voneinander lernen
Das Unternehmerinnenforum der Wirtschaftskammer bot Raum für Austausch, neue Kontakte und inspirierende Gespräche. hartinger, Tayla Fenkart, detayled

Persönliche Gespräche, innovative Ideen und spannende Vorträge prägten das Unternehmerinnenforum. Zahlreiche Besucherinnen nutzten die Veranstaltung für Austausch und neue Impulse.

Wer an diesem Nachmittag ins Firmament in Rankweil gekommen ist, erfasst auf einen Blick: Hier sind Businessfrauen am Netzwerken. Rote Chiffonblusen, schwarze Plisseeröcke, goldene Sandalen, blaue Leinenblazer. Das inoffizielle Motto war chic anziehen und offen sein für Begegnungen.

Das diesjährige Unternehmerinnenforum der Wirtschaftskammer ist schon vor dem offiziellen Beginn ein Erfolg: Das Firmament ist sehr gut besucht, und spannend wird es für die Besucherinnen schon gleich am Eingang. Da steht Linda Peterlunger und bietet engagiert ihre selbst gemachte Eiscreme an. Auch wenn das Wetter kein perfektes Eiswetter ist – viele greifen dennoch zu, neugierig und bereit zu genießen.

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Wiedersehen, Austausch und starke Interessenvertretung

Einen kühlen Drink gönnen sich im Vorfeld der Vorträge Doris Ramspeck und Anita Depaoli. „Für uns ist dieser Nachmittag und Abend immer eine Belohnung und der Moment, wo wir uns wiedersehen. Wir haben zusammen für die Gewerbeprüfung gelernt und treffen uns immer nur beim Unternehmerinnenforum. Das genießen wir dann allerdings umso mehr.“

Doris Ramspeck hat ein Hausverwaltungsbüro in Feldkirch, in dem sie zu viert arbeiten, Depaoli hat zunächst Friseurin gelernt und ist eigentlich in der Pension, arbeitet aber weiter. „Hier gibt es viele kleine Betriebe, davon lebt das Land. Wir brauchen als Frauen eine starke Interessenvertretung und müssen dialogbereit sein“, ist ihre Erfahrung.

Die „Frau in der Wirtschaft“ schätzen beide sehr. „Die Vorträge, das Netzwerken untereinander, der Austausch und neue Ansätze für Problemlösungen zu bekommen, das sind für uns die Möglichkeiten, die sich hier bieten.“ Ein Unternehmen zu haben, ist für sie auch Kopfsache: „Auch mein Mann und meine Kinder sind selbständig“, erzählt Depaoli. Das funktioniere, weil alle in der Familie sich gegenseitig unterstützten.

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Was essen wir diese Woche? Mit ihrem Brettspiel „Miokio“ macht Fernanda Mardones die Essensplanung zur Familiensache.

Spielerisch zur Essensplanung in der Familie

Interessiert schauen sich die beiden Frauen bei den Ständen an den Rändern des Saals um. Hier steht Fernanda Mardones. Die selbständige Grafikdesignerin hat zusammen mit ihrem ehemaligen Businessprofessor Miokio gegründet. Das ist ein Brettspiel rund um die Frage: „Was essen wir diese Woche?“ Sieben Teller werden spielerisch und im Dialog bestückt, die Kinder haben nur ein Mal Pommes und ein Mal Chicken Nuggets, die sie unterbringen können, ansonsten gibt es Brokkoli und anderes Gemüse, das auch gegessen werden will. Essen planen als spielerische, gemeinsame, auszuhandelnde Sache statt als etwas, das die Unternehmerin auch noch – zusammen mit Einkaufen – alleine erledigen muss. Eine gute Idee, finden viele hier.

Von Naturkosmetik bis Papierkunst

Auch Phystine aus Egg ist vertreten. Lara und Clemens Bechter entwickeln Naturkosmetik auf reiner Wirkstoffbasis in Bioqualität ohne Konservierungsstoffe. „Normale Cremes bestehen aus bis zu 80 Prozent Wasser und müssen gegen Bakterien und Pilze Konservierungsstoffe einsetzen. Das fällt bei uns weg.“ Klaudia Moosbrugger hat einen wunderbar farbenprächtigen Stand mit Blumen und Lampen aus Papier. Erstaunlich, was diese Frau aus einem einzigen Papier in stundenlanger geduldiger Arbeit falten kann. Kein Wunder, dass ihr Business Faltart heißt, denn eine Kunst ist das Suchen, Selbst Färben und in geometrische Muster Schneiden, Kleben und Falten von besonderen Papieren auf jeden Fall. Mit dabei sind auch Beatrice Gomig mit Sportessa für mehr Gesundheit und Wohlbefinden, Theresa Linher mit Indivisew und tollen handgearbeiteten Taschen sowie Manuela Rummer mit ihrer Laserzauberei. In Holz, Glas und Metall wird sehr fein Verschiedenstes geprägt.

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Farbenprächtig und filigran: Klaudia Moosbrugger verwandelt Papier in Blumen, Lampen und dekorative Kunstobjekte.

Inspirierende Vorträge auf der Bühne

Der erste Vortrag des Nachmittags bedient sich dann eher leiser Töne. So dezent Elvira Häusler daherkommt, so kraftvoll ist ihre Botschaft: Regelmäßig abschalten ist nicht nur nötig, sondern möglich und für ein dauerhaft effektives Arbeiten auch unerlässlich.

Nach einer kurzen Überleitung steht die zweite Speakerin auf der Bühne, Patrizia Laeri aus der Schweiz. „Die haben immer tolle Speakerinnen!“, sagt eine Zuhörerin zur anderen. Laeri hält einen Finanzvortrag, der ein flammendes Plädoyer für mehr Finanzwissen unter Frauen, für mehr Geld in Frauenhänden und gegen die „letzte Front im Kampf für die Gleichstellung der Frau“ ist. Wenn es in diesem Tempo weitergehe, werde es gleiche Chancen für Frauen erst in 123 Jahren geben.

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Mit ihrem Vortrag über Selbstfürsorge und nachhaltige Leistungsfähigkeit setzte Elvira Häusler wichtige Impulse für die Unternehmerinnen.

Finanzwissen als Schlüssel zur Gleichstellung

Petra Meyer-Hammerer aus Hard sagt, beide Vorträge seien „bombastisch“ gewesen. „Beide waren so unterschiedlich, aber so inspirierend. Ich habe so viel für mich mitgenommen! Ich werde Geld anlegen, dabei eben klein beginnen und nicht mehr warten. Ich fange einfach an!“, ist einer der Impulse, die sie für sich mitnimmt. „Der Finanzvortrag trifft einen Nerv“, sagt auch Katharina Felder, die ansteht, um sich das Buch von Patrizia Laeri und Nadine Jürgensen „Close the Gaps!” signieren zu lassen. „Das nehme ich für meine 19-jährige Tochter mit“, erzählt sie. Die Unternehmensberaterin hat die Vereinfacherei und berät Vereine bei allem, was diese brauchen.

Visitenkarten, Gespräche und ein Blick in die Zukunft

In der Pause werden nicht nur Bücher signiert, sondern auch Gespräche geführt und die Visitenkarten-Tische in Augenschein genommen. Nicole Taucher hat ihre Kärtchen positioniert und schaut, wer das noch getan hat. Sie hat das X-Business Vorarlberg in Lustenau und verkauft Druck- und Papiergeräte. Das Geschäft hat sie von ihrem Vater übernommen. Früher hat sie Fensterglas verkauft. „Ich dachte früher, gebaut wird immer, aber wer braucht in zehn Jahren noch einen Drucker? Heute ist das Fensterglasunternehmen insolvent, und Drucker braucht immer noch jeder. Außerdem geht es bei uns auch um Softwarelösungen und Digitalisierung, die Arbeitsabläufe werden immer weiter vereinfacht. KI und die neuesten Entwicklungen, da sind wir überall dabei“, erzählt sie und klingt sehr zufrieden.

Das Unternehmerinnenforum ist auch ein Stimmungsbarometer. Die Anwesenden wissen alle: Nur gemeinsam kommen sie weiter. Aber sie sind auch sehr erfreut, wie weit sie bereits gekommen sind.

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Die Schweizer Finanzjournalistin Patrizia Laeri sprach im Interview mit der NEUE über Finanzbildung, Chancengleichheit und die Rolle von Frauen in der Finanzwelt.

Im Interview: Patrizia Laeri, Journalistin

Wie wichtig ist es für Frauen, über Geld zu reden?
Sprechen über Gehälter kann uns bewusst machen, wie viel wir wert sind. Die Finanzbildung von Frauen ist um 28 Prozentpunkte schlechter als die von Männern. Historisch übernehmen Mütter die Gelderziehung der Mädchen und Väter jene der Jungen. Mädchen werden zum Sparen und Kosten Kontrollieren angehalten, das ist ein weniger lustvoller Zugang als der von Buben, die über Vermögensaufbau oder Kreditvergabe aufgeklärt werden. Was hilft, ist, wenn Väter auch mit ihren Töchtern über Vermögen sprechen, aber auch Mütter mehr mit den Jungen über Risiko- und Kostenmanagement.

Die Finanzindustrie ist eine Männerdomäne. Stimmt das nach wie vor?82 Prozent der Frauen fühlen sich von Inhalten der Finanzindustrie nicht angesprochen. Zahlen werden unattraktiv und unübersichtlich präsentiert. Ich habe jahrelang Börsendaten im Schweizer Fernsehen präsentiert und Shitstorms als „Barbie“ erlebt, die „sicher von Finanzen nichts versteht“. Die Angreifer waren stets männlich.

Was können Frauen an ihrer finanziellen Abhängigkeit von ihren Männern ändern?
56 Prozent der Frauen können ihren Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren, weil sie oft unbezahlte Carearbeit leisten und in Teilzeit arbeiten. Mein Rat: nach der Pensionierung Teilzeit weiterarbeiten und monatlich in einen ETF investieren. Der finanzielle Vorsprung der Männer gegenüber Frauen beträgt weltweit 105 Billionen Euro.

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Im Gespräch mit der NEUEN erläuterte Elvira Häusler, warum regelmäßige Auszeiten für Gesundheit und Leistungsfähigkeit unverzichtbar sind.

Im Interview: Elvira Häusler, Beaterin

Was ist Ihr Ansatz?
Allgemein heißt es: ,Gesundheit oder Leistung, du kannst nicht beides haben.‘ Wir sagen: Das stimmt nicht. Für mich liegt der Schlüssel im Nervensystem und dass wir lernen, es zu regulieren. Wenn wir verstehen, wie es funktioniert, können wir zwischen aktiviertem und entspanntem Zustand welchseln. Wir sollten nicht viel Zeit im aktivierten Zustand verbringen.

 Ist Stress denn nicht grundsätzlich negativ?
Nein. Es geht darum, bewusst mit ihm umzugehen. Wir sollten ein Grundverständnis von unserer Gesundheit entwickeln und unser Verständnis von Leistung zurechtrücken. Noch nie gab es soviel Wissen über Gesundheit, aber noch nie haben wir uns als Gesellschaft so erschöpft gefühlt. Unsere Arbeitswelt ist geprägt von einer bestimmten Leistungskultur und für unsere Karriere bezahlen wir mit der Gesundheit. Jede dritte Person ab 25 hat mindestens eine chronische Krankheit, und ein sehr großer Teil ist lifestylebedingt.

Was könnte eine Lösung sein?
Wir sollten lernen, unsere individuellen Stressoren zu verstehen und unsere pathogenen Stressmuster aufzulösen. Zwanzig Minuten zügig spazierengehen hilft. Vielleicht können wir ein Meeting auch im Gehen abhalten? Pausen sollten wir nicht mit Social Media füllen, wir sollten uns mehr offline-Momente zurückerobern. Dauerhaftes Online-Sein zerstört unsere Konzentration.