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Aus für das vegane Huhn

20.06.2026 • 11:30 Uhr
Aus für das vegane Huhn
ChatGPT

Die EU will zahlreiche fleischbezogene Begriffe künftig ausschließlich tierischen Produkten vorbehalten und sorgt damit für neue Unsicherheit in der boomenden Branche der Fleischersatzprodukte.

Der Markt für Fleischersatzprodukte wächst weltweit – doch ausgerechnet in Europa sorgt eine neue politische Entscheidung für erhebliche Unsicherheit. Auslöser ist ein Beschluss der EU, der die Verwendung bestimmter Fleischbegriffe für pflanzenbasierte Produkte künftig einschränken soll und damit direkt in einen dynamischen Wachstumsmarkt eingreift. Künftig sollen insgesamt 31 fleischbezogene Begriffe ausschließlich tierischen Produkten vorbehalten sein. Produkte wie „veganes Huhn“ oder „pflanzliche Chicken Wings“ dürften damit unter diesen Namen nicht mehr verkauft werden. Begriffe wie „Veggie-Burger“, „vegane Wurst“ oder „Nuggets“ bleiben weiterhin zulässig.

Die Entscheidung ist das Ergebnis eines jahrelangen Konflikts zwischen der Fleischwirtschaft und den Herstellern pflanzenbasierter Alternativen. Während Befürworter darin einen Beitrag zu mehr Transparenz sehen und traditionelle Produktbezeichnungen geschützt wissen wollen, kritisieren Branchenvertreter und Verbraucherschützer die neuen Regeln als überflüssig und potenziell innovationshemmend.

Die neue Regulierung trifft einen Markt, der sich trotz einer Phase der Ernüchterung weiter im Wachstum befindet. Weltweit wird der Umsatz mit Fleischersatzprodukten 2026 auf rund 11 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll in den kommenden Jahren deutlich zulegen. Wachstumstreiber sind vor allem sogenannte Flexitarier – also Konsumenten, die ihren Fleischkonsum reduzieren möchten –, sowie ein wachsendes Bewusstsein für Klima- und Gesundheitsfragen.

Gleichzeitig verschiebt sich die Struktur der Branche. Zu den global führenden Herstellern zählen spezialisierte Anbieter wie Beyond Meat, Impossible Foods und Quorn, die vor allem die technologische Entwicklung vorantreiben. Parallel gewinnen große Lebensmittelkonzerne zunehmend an Gewicht, indem sie pflanzenbasierte Marken systematisch ausbauen und ihre globale Vertriebsmacht nutzen. Insbesondere in Europa spielen Anbieter wie Nestlé mit „Garden Gourmet“, Unilever mit „The Vegetarian Butcher“ oder das britische Unternehmen Quorn eine zentrale Rolle im Markt.

Der Entscheidung der EU wird auch deshalb besondere Bedeutung zugemessen, weil Europa der größte Absatzmarkt für Fleischersatzprodukte ist und als Vorreiter für pflanzenbasierte Ernährung gilt. Entsprechend stark wirken sich regulatorische Eingriffe hier aus – sowohl auf internationale Konzerne als auch auf kleinere innovative Anbieter.

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse.