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Taktgeberin für das Montforthaus mit frischem Wind aus Tirol

12.06.2026 • 18:30 Uhr
Taktgeberin für das Montforthaus mit frischem Wind aus Tirol
Stefanie Thurner gewährt im umfangreichen und exklusiven Gesrpäch mit der NEUE am Sonntag Einblick in ihre Pläne für das in die Schlagzeilen geratene Haus. Hartinger

Stefanie Thurner (44) soll das angeschlagene Montforthaus wieder in die Spur bringen. Im Gespräch mit der NEUE am Sonntag verrät die Neo-Geschäftsführerin, wie das mit einem starken, weiblichen Blick von außen gelingen kann.

NEUE am Sonntag: Ihr Nachname wird gerade in Vorarlberg anders ausgesprochen und geschrieben. Werden Sie oft darauf angesprochen und wurden Sie in Feldkirch gut aufgenommen?

Stefanie Thurner: Ja, das passiert hin und wieder. Aber es hält sich in Grenzen. Und ich habe mich von Anfang an herzlich willkommen gefühlt (schmunzelt).

NEUE am Sonntag: Das Montforthaus hat in den vergangenen Jahren durchaus für Schlagzeilen gesorgt. Es gab Turbulenzen, Diskussionen und einen kritischen Prüfbericht. Was hat Sie dennoch dazu bewogen, sich für die Geschäftsführung zu bewerben?

Thurner: Den Prüfbericht habe ich mir nicht im Detail vorab durchgelesen. Natürlich habe ich später einen Blick darauf geworfen. Das Montforthaus kenne ich aber schon seit vielen Jahren. Wer in der Branche tätig ist, kennt dieses Haus. Ich war bereits 2019 bei einem Branchentreffen des Austrian Convention Bureau hier. Damals war Edgar Eller noch Geschäftsführer, wir haben eine Behind-the-Scenes-Tour gemacht. Außerdem habe ich vor rund zehn Jahren in Feldkirch gewohnt, als das Haus gerade eröffnet wurde. Beruflich war ich damals in der Ostschweiz tätig und habe bei St. Gallen-Bodensee Convention die Region als Tagungsdestination vermarktet. Dadurch hatte ich regelmäßig Kontakt mit Partnern wie dem Festspielhaus Bregenz oder Convention Partner Vorarlberg. Man bekommt daher durchaus mit, was in Vorarlberg passiert. Für mich zählt das Montforthaus jedenfalls zu den schönsten Häusern der Branche.

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Die NEUE am Sonntag traf Stefanie Thurner im Montforthaus. Hartinger

NEUE am Sonntag: Sie waren unter anderem bei Alpin Convention, in St. Gallen und zuletzt im Europahaus Mayrhofen tätig. Welche Erfahrungen bringen Sie aus diesen Stationen mit?

Thurner: Jede dieser Stationen zahlt auf die Anforderungen meiner heutigen Aufgabe ein. Bei Alpin Convention habe ich die Kongress- und Tagungswelt aus organisatorischer Sicht kennengelernt. Außerdem war ich in einer Sportsponsoring-Agentur tätig, wo auch Location-Management und Vermarktung eine Rolle gespielt haben. In St. Gallen stand die Vermarktung einer Destination im Mittelpunkt. Dort konnte ich umfangreiche Marketingkompetenzen erwerben und ein Netzwerk in der Schweiz sowie in der gesamten Dreiländerregion aufbauen. In den vergangenen acht Jahren habe ich dann im Europahaus Mayrhofen vieles davon auf ein kleineres Haus übertragen. All diese Erfahrungen helfen mir heute.

NEUE am Sonntag: Das Montforthaus ist nicht nur Kongresszentrum, sondern auch wichtiger Kulturstandort. Wie gelingt der Spagat zwischen wirtschaftlichen Anforderungen und kulturellem Auftrag?

Thurner: Für mich ist das Montforthaus in erster Linie ein Tagungs- und Kongresshaus. In diese Richtung werden wir es auch weiterentwickeln und positionieren. Gleichzeitig ist das Haus technisch und akustisch so hervorragend ausgestattet, dass Kultur selbstverständlich ihren Platz haben muss. Ich komme ursprünglich selbst aus der Musik. Ich habe Klavier und Querflöte studiert, bevor ich mich für die Betriebswirtschaft entschieden habe. Deshalb gibt es auch eine kulturelle Seele in mir.

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Stefanie Thurner will das Montforthaus neu aufstellen. Hartinger

NEUE am Sonntag: Wird man Sie vielleicht sogar einmal selbst auf der Bühne erleben?

Thurner: (lacht) Vielleicht. Im Europahaus ist das tatsächlich schon vorgekommen.

NEUE am Sonntag: Die Kultur wird also weiterhin ihren Platz haben?

Thurner: Ganz klar. Es wird öffentliche Veranstaltungen geben und die Türen werden nicht vor der Bevölkerung verschlossen. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass die wirtschaftliche Stabilität des Hauses ein wesentlicher Auftrag ist. Diese Stabilität erreicht man nicht allein mit Kultur. Dafür braucht es mehrere Standbeine.

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Thurner weiß um die schwierige Ausgangsposition. Hartinger

NEUE am Sonntag: Im Kongressbereich gibt es starke Konkurrenz. Neben dem Festspielhaus Bregenz oder der Messe Dornbirn entstehen auch andernorts neue Kongresszentren. Wie positioniert sich das Montforthaus in diesem Wettbewerb?

Thurner: Wettbewerb gibt es nicht nur zwischen Dornbirn und Bregenz. Auch Tirol, Liechtenstein, die Ostschweiz oder Graubünden sind relevante Märkte. Ich habe immer kooperativ gearbeitet. Für mich ist zunächst wichtig, dass eine Veranstaltung überhaupt nach Vorarlberg kommt. Ich sehe das Montforthaus nicht in direkter Konkurrenz zur Messe Dornbirn. Die Messe ist klar ein Messestandort. Wer eine Messe veranstalten möchte, sucht nicht das Montforthaus. Umgekehrt suchen unsere Kunden keine Messehalle. Das sind unterschiedliche Zielgruppen. Auch das Festspielhaus hat seine eigene Positionierung. Einmal gewinnt Feldkirch eine Veranstaltung, ein anderes Mal Lech, Alpbach oder Rapperswil. Wichtig ist, dass Vorarlberg als Tagungsdestination wahrgenommen wird. Das Montforthaus ist in der Branche noch ein echter Geheimtipp. Viele kennen das Haus gar nicht. Das ist einerseits eine Chance, weil wir einen Neuigkeitswert haben. Andererseits bedeutet es, dass wir noch viel Aufbauarbeit leisten müssen.

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NEUE am Sonntag: Feldkirch verfügt mit den Montforter Zwischentönen, dem Theater am Saumarkt, der Poolbar und vielen weiteren Initiativen über eine lebendige Kulturszene. Welche Rolle kann das Montforthaus dabei spielen?

Thurner: Wir werden vermutlich nicht selbst verstärkt in die Veranstalterrolle gehen. Vielmehr wollen wir Partnern Räume bieten. Vielleicht entwickeln wir einzelne eigene Formate, aber grundsätzlich verstehen wir uns als Gastgeber. Die Türen stehen offen. Es gibt allerdings Themen oder Veranstaltungen, die nicht mit den Werten des Hauses oder den gesellschaftlichen Werten vereinbar sind. Dort ziehen wir selbstverständlich Grenzen. Grundsätzlich stellt sich aber auch die Frage, welche Rolle eine Location und welche Rolle die Stadt als Kulturträgerin übernimmt. Das muss gemeinsam abgestimmt werden. Und unser Haus ist kein Stadtsaal im ursprünglichen Sinne.

NEUE am Sonntag: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der Stadt Feldkirch als Eigentümerin?

Thurner: Sehr positiv. Es gibt eine enge Abstimmung mit dem Aufsichtsrat, dem Bürgermeister und dem Kämmerer. Zwei Mitarbeiter der Stadt haben das Haus interimistisch geführt. Dadurch ist viel Wissen über das Montforthaus in die Eigentümerstruktur geflossen. Die Übergabe verlief  sehr professionell. Ich wurde von der Stadt und auch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Montforthauses mit ausgestreckten Händen aufgenommen. Auch die aktuelle Zusammensetzung des Aufsichtsrates empfinde ich als bereichernd. Insgesamt funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut. Wichtig, innerhalb eines intensiven Konsolidierungsprozesses.

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In Feldkrich weht in Form von Stefanie Thurner ein frischer Wind aus dem Tirol im Montforthaus. Hartinger

NEUE am Sonntag: Der Rechnungshofbericht fiel kritisch aus. Gleichzeitig läuft ein Konsolidierungsprozess. Wie schwierig ist es, Sparmaßnahmen umzusetzen und dennoch attraktive Angebote zu schaffen?

Thurner: Das ist tatsächlich ein Balanceakt. Gleichzeitig birgt dieser Prozess auch Chancen. Man schaut genau hin und erkennt, wo Einsparungspotenziale bestehen. Es wird aber auch Investitionen brauchen, etwa in Vertrieb und Marketing. Dort erwarten wir langfristig einen entsprechenden Nutzen. Man muss Geld gezielt einsetzen, um später davon zu profitieren.

NEUE am Sonntag: Ein großes Thema war die personelle Struktur des Hauses. Müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze fürchten?

Thurner: Nein, aus heutiger Sicht nicht. Die Kompetenz eines Hauses liegt ganz wesentlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es gehört aber auch zu meiner Aufgabe, Strukturen anzuschauen und dort weiterzuentwickeln, wo es sinnvoll ist. Das Ziel soll Klarheit und eine gute Aufstellung für die Zukunft sein. Entscheidend ist, dass das Haus operativ stark bleibt – und dafür braucht es ein engagiertes, kompetentes Team.

NEUE am Sonntag: Wie ist der Stand bei der Neuvergabe der Gastronomie?

Thurner: Das Verfahren befindet sich in der finalen Phase. Eine Entscheidung der zuständigen Gremien liegt noch nicht vor, deshalb kann ich dazu derzeit keine Details nennen. Es gibt Bewerbungen und nun geht es darum, die finale Entscheidung zu treffen.

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Sympathisch und fokussiert wirkt Thurner im Interview mit der NEUE am Sonntag. Hartinger

NEUE am Sonntag: Die Dachterrasse des Hauses wird zunehmend für Veranstaltungen genutzt. Ist das ein Bereich mit Potenzial?

Thurner: Absolut. Für mich ist das die schönste Dachterrasse der Region. Bei den aktuellen Veranstaltungsformaten sind wir zwar nicht selbst Veranstalter, sondern Kooperationspartner. Dennoch ist es ganz in unserem Interesse, solche Möglichkeiten zu nutzen. Das Haus soll bespielt werden.

NEUE am Sonntag: Der Konsolidierungsplan sieht eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Kennzahlen vor. Mit welchem realistischen Korridor für Zuschussbedarf, Eigendeckungsgrad und Ergebnisverbesserung planen Sie bis Ende 2027?

Thurner: Das ist eine schwierige Frage. Ziel muss es sein, die Situation Schritt für Schritt zu verbessern. Man darf aber nicht vergessen, dass Markenaufbau und Vertrieb Zeit brauchen. Bei Veranstaltungsstätten sieht man den Erfolg nicht innerhalb weniger Wochen. Kunden entscheiden sich oft wegen der Menschen und des Vertrauens für einen Veranstaltungsort. Solche Beziehungen müssen aufgebaut werden. Deshalb ist 2027 aus meiner Sicht ein relativ kurzer Zeitraum. Und wir wollen schrittweise den jetzt mit durchschnittlich drei Millionen Euro pro Jahr skalierten Gesellschafterzuschuss auf zwei, dann eine und bestmöglich zu senken.

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Die Tirolerin weiß um die Stärken des Standortes. Hartinger

NEUE am Sonntag: Die öffentlichen Budgets stehen unter Druck. Wie schwierig ist es, unter diesen Rahmenbedingungen erfolgreich zu wirtschaften?

Thurner: Man muss genau wissen, wofür Geld eingesetzt wird. Viele Kosten entstehen durch Instandhaltung, Wartung und notwendige Investitionen. Diese Ausgaben kann man nicht einfach streichen. Wichtig ist, dass vorhandene Mittel gezielt eingesetzt werden und dass man klare Ziele verfolgt. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass Häuser wie das Montforthaus wirtschaftliche Effekte für die gesamte Region erzeugen. Wenn beispielsweise mehrere hundert Kongressteilnehmer nach Feldkirch kommen und mehrere Nächte bleiben, profitieren Hotellerie, Gastronomie und viele weitere Betriebe. Deshalb muss man die Zuschüsse immer auch im Zusammenhang mit der regionalen Wertschöpfung betrachten.

NEUE am Sonntag: Wie gut tut dem Montforthaus nach den turbulenten Jahren ein frischer und auch weiblicher Blick von außen?

Thurner: Ich denke, das war sicher einer der Gründe, warum man sich für mich entschieden hat. Ich komme ohne bestehende Verbindungen oder Vorurteile in diese Aufgabe. Das hat Vorteile, weil man Menschen und Situationen unvoreingenommen begegnet. Gleichzeitig muss man sich vieles erst erarbeiten. Insgesamt überwiegen für mich aber die Vorteile eines solchen Neustarts. Und angesichts der Vorgeschichte hat es einfach einen radikalen Neustart gebraucht. Und eines unvoreingenommenen, weiblichen Blicks von außen. 

NEUE am Sonntag: Wofür soll das Montforthaus unter Ihrer Leitung stehen?

Thurner: Unser Kerngeschäft ist die Vermietung von Räumen, egal ob an Kulturveranstalter, Kongresskunden oder Unternehmen. Gleichzeitig verstehen wir uns als Gastgeber. Ich möchte, dass Menschen hier Vertrauen spüren, sich sicher fühlen und auf Augenhöhe begegnen. Das gilt für unsere Kunden ebenso wie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Montforthaus soll ein Ort sein, an dem gute Begegnungen entstehen. In Zeiten digitaler Kommunikation werden persönliche Begegnungen immer wertvoller. Ich wünsche mir, dass das Haus ein Ort mit Seele, Herz und Leidenschaft ist. Ein Ort, an dem Menschen gerne zusammenkommen und an dem Neues entstehen kann.

Vielen Dank für das persönliche Gespräch. Persönlich freue ich mich besonders darauf, wenn die Hausherrin das Publikum an Ihrem musikalischen Können teilhaben lässt. 

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Zur Person

Stefanie Thurner (44)  ist seit 1. April Geschäftsführerin des Montforthauses. Die studierte Betriebswirtin bringt umfassende Expertise im Kongress- und Veranstaltungswesen mit, unter anderem bei der Agentur Alpin Convention in St. Gallen. Acht Jahre lang leitete sie das Europahaus in Mayrhofen.

(NEUE am Sonntag)