3:0 – War halt schwierig …

Das Match Österreich gegen Spanien haben wir in einem Beisel angesehen. Draußen. Auf Bierbänken mit großem Fernseher. Die Stimmung war gut. Angespannt gut. Also diese spezielle Fußballnervosität, bei der alle auf ein fast heiliges Wunder hoffen, aber gleichzeitig niemand überrascht oder gar verzweifelt ist, wenn dieses nicht geschieht.
Man muss kein Fußballexperte sein, um zu wissen, dass das keine Begegnung auf Augenhöhe ist. Das mutet eher ein wenig an wie die armen Römer, die sich zu nahe an das kleine gallische Dorf heranwagen und eigentlich wissen, jetzt gibts gleich Haue.
Die Hoffnung war trotzdem da, auch wegen der guten Vibes für die Mannschaft. Und wer weiß, vielleicht bekam Arnautović kleiner Zeh einen Hauch des Energieschubes ab, der von uns über den Ozean gesendet wurde. Hat nur nix geholfen.
Spannung kam dennoch auf. Und dann recht schnell auch Enttäuschung. Wobei das Publikum bemerkenswert gelassen blieb. Auch nach dem Schlusspfiff, der das 3:0 gegen Spanien einbetonierte. Danach wurde – ganz traditionsgemäß – ausführlich erklärt, was man trainertechnisch, taktisch und überhaupt fußballphilosophisch alles besser gemacht hätte, aber mit diesem anerkennenden Nicken, das sagen will: “War halt schwierig.”
Denn Spanien ist eben Spanien.
Schon auf der Tribüne wirkten die Spanier heißblütiger, lauter und farbenfroher. Und die Mannschaft selbst? Flink wie ein Rudel Wiesel, mit einem Schluck zu viel vom kalten Energiedrink. Olé.
Und während ich so zwischen Würstelgeruch, Fußballfachgesprächen und gelegentlichen Verzweiflungsseufzern saß, dachte ich mir, dass das eigentlich eine recht brauchbare Metapher für das Leben ist.
Irgendwo wird es immer Menschen geben, die etwas besser können. Die talentierter wirken. Die schneller lernen. Die leichter durchs Leben dribbeln. Deshalb aber gar nicht erst anzutreten, wäre ziemlich doof. Nicht aufhören, nur weil man glaubt, nie so gut zu werden. Nicht stehen bleiben, weil jemand anderes weiter vorn ist. Nicht aufgeben, weil es leichter wäre.
Die, die heute besser sind, haben nämlich meistens genau das nicht getan. Sie haben weitergemacht. Trainiert. Wiederholt. Sich geärgert. Noch einmal versucht.
Und genau deshalb sollte man es ebenfalls tun. Im Fußball. Im Leben. Und: Wer weiß. Vielleicht holen wir uns irgendwann tatsächlich einmal den Weltmeister. Bist du deppat, das wär ein neuer Nationalfeiertag.
Und bis dahin bleibt uns zumindest ein kleiner, politisch vermutlich nicht ganz korrekter Trost: Deutschland ist auch draußen.