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Gedanken zum Älterwerden für Jung und Alt

12.07.2026 • 14:00 Uhr
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Ich habe mir heute ein Spezial-Entkalker-Spray für mein Bad gekauft. Die Armaturen hatten sich nämlich schon beschwert. Und zwar auf ihre ganz eigene Art. Sie lenkten den Wasserstrahl von Wasserhahn und Dusche in sämtliche Himmelsrichtungen, nur nicht dorthin, wo ich ihn gerne gehabt hätte. Zum Beispiel auf meine Hände.

Also nahm ich mich ihrer Beschwerden an und versprach, sie von den weißen Hindernissen für den Wasserdurchlauf zu befreien.

Nun verfügt jener Spray aufgrund seiner Giftigkeit über eine Kindersicherung. Ein einfaches Drücken und Sprühen ist also nicht vorgesehen. Ich murkse also herum, aber nichts geht. Kein „Pfft“ zu hören. Dieses Ding glaubt mir einfach nicht, dass ich schon mehr als erwachsen bin. Das heißt: Ich komme nicht umhin, die Bedienungsanleitung zu lesen. Aber dieses Ding ist nicht nur kindersicher. Es ist auch Ü50-sicher.

Die Anleitung war nämlich in einer Schriftgröße verfasst, die das Wort „Größe“ nicht verdiente. Ohne Lesebrille war nichts zu entziffern, und diese musste ich erst finden.  Somit hat mich die Aktivierung dieses Entkalkungsbehelfs ungefähr dreißig Minuten Lebenszeit gekostet. Wunderbar. Die Zeit vergeht beim Älterwerden ohnehin schon heftig rasant.

Das bemerke ich übrigens auch beim durchscrollen durch die 1000 Fotos auf meinem Handy, die ich immer noch nicht geschafft habe, in ein Fotoalbum zu pressen. 10 Jahre sind schon wieder um. Zack.

Und wie viel Energie ich früher auf Dinge verschwendet habe, die völlig – wie meine Oma zu sagen pflegte – „powidl“ (egal) sind! Zum Beispiel auf mein Aussehen (und die Abbildung dessen auf Fotos). Zu dick. Zu viele Zähne beim Lachen. Nicht geschminkt. Falsch gestanden. Was für ein Unsinn!

Auf Fotos, auf denen ich einst Makel gesehen habe, sehe ich heute eine tolle junge Frau und die schönsten Erinnerungen an wunderbare Lebensmomente.

Das Älterwerden hat viele Nebenwirkungen. Man knackt beim Aufstehen. Man braucht plötzlich Licht, um etwas lesen zu können. Man freut sich darüber, wenn ein neuer Entkalker endlich sprüht. Aber es hat auch etwas Tröstliches.

Man beginnt zu unterscheiden zwischen dem, was wichtig ist, und dem, was nur wichtig schien. Der Kalk und die Falten kommen sowieso. Aber die Zeit mit Menschen, die man mag, die lustigen Abende, das schiefe Lachen auf einem Foto oder das viel zu große Stück Kuchen – das sind die Dinge, die bleiben.

Und irgendwann schaut man auf all diese Bilder zurück und denkt sich nicht: Warum habe ich damals so ausgesehen?

Sondern: Wie schön, dass ich dabei war.