Werbung auf Landbussen

Die Erhaltung des Erscheinungsbilds ist ein baukultureller Auftrag.
Bevor ab 1991 der öffentliche Verkehr auf neue Füße gestellt wurde, fuhren nach einer landläufigen Meinung nur die drei „A“ mit dem öffentlichen Verkehr: Arme, Arbeitslose, Auszubildende (Schüler). Mit der Einführung der Stadt- und Landbusse (Stadtbus Dornbirn im Oktober 1991, Verkehrsverbund ab Dezember 1991) ging das Ziel einher, die Kundenstruktur des öffentlichen Verkehrs zu erweitern. Ganz nach dem Faktum: in Zürich fährt auch der Banker mit der Tram. Wichtig für die Erreichung der Zielsetzung war neben dem Ausbau des Angebots ein Erscheinungsbild, das für Qualität steht und Garant für eine hohe Akzeptanz war.
“Die Stadt- und Landbusse gehören dem Bürger, nicht der Bank, nicht der Limonadenfabrik, nicht dem Hersteller von Speiseeis oder Sonnenschutzcreme.”
Markus Aberer
Es war genial, dass zur Zeit von Herbert Sausgruber auf den Bussen nur der dynamische Schriftzug von Stadt- oder Landbus aufschien. Gleichsam eine gestalterische Einheit im ganzen Land. Seither fahren die Landbusse im Postgelb, die Stadtbusse in rot, gelb, blau und grün, mit demselben Schriftzug. Politiker wie Manfred Rein und Karlheinz Rüdisser pflegten dieses Erscheinungsbild ohne aufgeklebte Werbung weiter. Das Erscheinungsbild, zu dem auch die Innenausstattung der Busse gehört, wurde vom Grafik-Designer Nolde Luger und Architekt Wolfgang Ritsch im Zuge eines Wettbewerbs zum Stadtbus Dornbirn konzipiert.
In Zeiten knapper Kassen suchen Land und Gemeinden nach mehr Einnahmen. Dafür soll das hohe Identität vermittelnde und zeitlose Erscheinungsbild der Busse für Werbung geopfert werden. Dies war schon früh ein Thema und wurde immer verworfen. Nicht nur, weil die erhofften Einnahmen im Promillebereich lägen, sondern weil die Busse nicht der Bank, der Limonadenfabrik oder einem Hersteller von Speiseeis oder von Sonnenschutzcreme gehören, vielmehr gehören sie dem Bürger. Sie sind Teil des von der Politik stets unterschätzten Bürgerstolzes. Viel wirksamer und rasch umsetzbar sind durchaus mögliche Einsparungen im Bereich der angebotenen Linien, beim Takt und den Betriebszeiten.
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, sehr geehrter Herr Statthalter, blasen Sie hinsichtlich der Werbung auf Stadt- und Landbussen zum Rückzug und Sie können etwas immer selteneres erfahren: die Dankbarkeit des Bürgers!
