Allgemein

In Memoriam Little Dog

26.07.2026 • 15:00 Uhr
<span class="copyright">Neue</span>
Neue

Letztes Wochenende musste ich die Entscheidung treffen, auf die ich mich schon seit Wochen seelisch vorbereitete. Unserem alten Wutzihündchen ging es nicht mehr gut. Hatte sie noch vor zwei Wochen trotz Altersgebrechlichkeit mit Leidenschaft nach Möglichkeiten gesucht, Müllsäcke zu erobern und zu durchwühlen, und jedes Leckerli mit Freuden angenommen, verschlechterte sich ihr Zustand in den letzten Tagen rapide – ohne Chance auf Besserung. 17 Jahre ist sie geworden, die wackere Dame. Und ich wusste: Jetzt ist es so weit. Wir müssen sie gehen lassen. Für meine zwei großen Mädels war dieser Moment selbstverständlich unglaublich schwer.

Ich habe sie begleitet auf ihrem Weg, habe in die trüben Augen gesehen, als sie langsam eingenickt ist, und gewusst: Das war jetzt das letzte Mal, dass mich der Zwerg ansieht, riecht und spürt – und umgekehrt. Stolz war ich auf mich, dass ich sie ruhig und beruhigend begleiten konnte. Ich weine nicht! dachte ich mir. Es ist okay. Du bist seit Wochen vorbereitet. Es ist okay.

Als ich dann aus diesem Raum hinausging, die Tasche leer, in der ich den Zwerg eingekuschelt transportiert hatte, und zum Schalter ging, die Kreditkarte zückte, um dafür zu bezahlen, dass es mir ermöglicht wurde, meinem kleinen, nervig-süßen, anhänglichen schwarzen Ministaubsauger einen entspannten und begleiteten Tod zu schenken, erschien mir plötzlich alles absurd.

Ich stand da. In der realen Welt. Leer. Ein Betrag wurde mir genannt. Kurzer Blickkontakt. Ich legte wie ferngesteuert meine Karte auf das Gerät, das mir Geld abzog. Geld, das nicht fest, nicht körperlich war. Automatisiert. Irgendwo hinter mir ertönte noch ein nett gemeintes „Schönen Abend!“ Vielleicht galt es aber auch nicht mir.

Draußen stand mein Lieblingsmensch, der mit meiner Tochter beim Auto auf mich wartete. Ich sah seinen fragenden Blick. Ich sah die Tränen meines Mädchens. Und dann brach es aus mir heraus. Die Trauer. Der Schmerz. Das Herzweh, meine Kinder so traurig zu sehen. Die Angst davor, wie ich 17 Jahre Gewohnheit und Tierliebe abstreifen soll. Kein Rausgehen zum Äusserln am Morgen mehr. Kein Streicheln. Kein Ärgern mehr über ungewollte Hinterlassenschaften. Kein mehrmaliger Blick auf den Platz in der Küche. Schläft sie? Mag sie raus?

Keine schwarzknopfigen Kulleraugen mehr, die mich hypnotisierend fragen, wann es denn endlich etwas zu knabbern gibt. Ich weinte. Himmel! Dass mich dieser Wutzitod so mitnimmt. Danke, Lily, dass du uns so lange, so fröhlich, so unbeugsam begleitet hast. Demnächst pflanzen wir ein kleines Bäumchen im Garten. Nur für dich.