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Reflexartig – wenn der Überlebensmodus versagt

23.08.2026 • 15:00 Uhr
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Der menschliche Körper ist darauf ausgerichtet, möglichst schadlos durch das Leben zu wandern. Intuitive Reaktionen auf Bedrohliches sollen uns ohne langes Nachdenken durch Gefahrensituationen lotsen.

Nicht immer funktioniert das so, wie wir uns das wünschen. Ich saß in jungen Jahren auf einem Pferd, die Natur genießend. Genussvoll habe ich ein Salamibrot gegessen. So bin ich geritten, den Zügel in einer Hand und mit einer cowgirlmäßigen Lässigkeit das Brot in der anderen.

Und dann war sie da eine pferdeverschlingende Pfütze. Und von links kam noch dazu ein fleischfressender Schmetterling angeflattert. Die braune Rossdame wurde innerhalb einer Hundertstelsekunde zur Überlebenskämpferin im Fluchtmodus. Sie scherte aus und sah die einzige Chance, dem Tod zu entrinnen, darin, sich im Galopp über ein Feld in Sicherheit zu bringen. Moskau wäre wohl der nächste Stopp gewesen. Nur zum Verständnis: Ich befand mich in einem kleinen Kaff irgendwo in Niederösterreich.

Wenn mein Hirn vernünftig gewesen wäre, hätte es gesagt: Brot weg, Zügel in die Hand, Ruhe bewahren. Weit gefehlt. Mein Hirn schrie: „Herrgott, verliere das Brot ja nicht!“

Irgendwann, als ich kurz davor war, das verschreckte Pferd seitlich und recht unelegant zu verlassen, ergriff ich doch den Zügel mit beiden Händen.

Ich glaube, dass sich der Schutzreflex für das Brot deshalb eingeschaltet hat, weil unser Körper noch in der Steinzeit lebt. Mein Hirn wollte mich vermutlich vor dem Hungertod schützen, weil es davon ausging, dass ich etwas Überlebensnotwendiges – wie Mammutfleisch – in der Hand hielt.

Tja, so kann das sein. Da wedelt man eine Wespe weg, während man auf dem Fahrrad sitzt, weil der Steinzeitkörper noch kein Fahrrad kennt, dafür aber Wespenstiche, und plumps, landet man im Graben und fragt sich: warum denn das? Warum nicht stehen bleiben und Ruhe bewahren? Oder man steht während eines heftigen Gewittersturms im Vorzelt eines Wohnwagens und hält alle Stangen fest, damit nichts davonfliegt – während gefühlt die Blitze rund um einen herum einschlagen. Weil der Steinzeitmensch ein Dach über dem Kopf braucht, damit er nicht erfriert.

Man weiß im Nachhinein immer – das war im Moment nicht die beste aller Lösungen und für den nächsten Ritt, den nächsten Fahrradausflug, den nächsten Sturm sind wir vorbereitet. Nur … wenn unser Steinzeithirn dann nicht wieder etwas völlig anderes für überlebenswichtig hält.