Sonnenfinsternis 2027: Warum eine gute Vorbereitung entscheidend ist

Die Sonnenfinsternis am 2. August 2027 dauert über sechs Minuten. Eine gute Vorplanung ist unumgänglich.
Die 90-Prozent-Sonnenfinsternis vom 12. August war großartig und von Wetterglück begleitet. Eine schwer zu beschreibende Lichtstimmung, die bei totalen oder fast totalen Finsternissen typisch ist, beeindruckt nachhaltig. Die 250 Besucher, die auf dem Rüfikopf oberhalb von Lech das Spektakel verfolgten, quittierten das Ende des Himmelsschauspiels mit spontanem Applaus. Das fahle Licht ist kein typisches Sonnenuntergangsszenario, sondern einzigartig und unbeschreiblich.
Glücklicherweise ist am 2. August 2027 wieder eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. Gut 60 Prozent der Sonnenscheibe werden für Vorarlberger Beobachter verfinstert sein. Egal, ob man im Ländle bleibt oder in die Totalitätszone reist: Eine gewissenhafte Vorbereitung ist wichtig.
Schutzbrillen
Eine für das Augenlicht sichere Beobachtung ist nur mit geeigneten Finsternisbrillen möglich. Vor jeder Finsternis werden die Schutzbrillen rar, da immer mehr Menschen das Ereignis erleben möchten. Gletscherbrillen, stark abdunkelnde Sonnenbrillen, gerußte Glasscheiben oder Schweißerblenden schützen nicht oder nur unzureichend.
Zur Einordnung: Eine Gletscherbrille lässt drei bis acht Prozent des Sonnenlichts durch. Eine Finsternisbrille schwächt das Licht um den Faktor 100.000 ab. Es treffen daher nur 0,001 Prozent des Sonnenlichts auf das Auge. Brillen, die der ISO 12312-2 entsprechen, eignen sich für den Blick in die Sonne. Sie schützen auch vor unsichtbarem Ultraviolett- und Infrarotlicht.
Es spricht nichts dagegen, die Finsternisbrille von heuer auch nächstes Jahr zu verwenden, sofern sie nicht zerkratzt ist, Löcher aufweist oder sich die Folie teilweise vom Rahmen gelöst hat.
Bekanntlich sind totale Sonnenfinsternisse an einem bestimmten Beobachtungsort extrem selten. Daher könnte man eine Reise in Betracht ziehen. Am 2. August 2027 zieht sich der Totalitätsstreifen von Gibraltar über Teile Nordafrikas und Saudi-Arabiens. Die Totalitätszone verläuft entlang eines rund 250 Kilometer breiten Streifens.
Totale Finsternisse sind viel faszinierender als partielle. Für wenige Minuten wird es dunkel wie in der Nacht und die Sterne werden sichtbar. Wie eine Perlenschnur sind Lichtpunkte am Mondrand aufgereiht, weil etwas Sonnenlicht durch die Krater und Täler des Mondes die Erde erreicht. Die Korona, ein Millionen Grad heißes Gas, umgibt die Sonne und wird während der Totalität sichtbar.
Finsternisse sind meist zu kurz, um alle Phänomene zu genießen. Mit sechs Minuten und 23 Sekunden ist die Finsternis vom 2. August 2027 die zweitlängste des 21. Jahrhunderts. Meist werden die Übernachtungsmöglichkeiten in der Finsterniszone rar – jedenfalls zu vertretbaren Kosten.
Wo genau beobachten?
Der Schatten des Mondes rast unterschiedlich schnell, aber mit 2.000 Kilometern pro Stunde und mehr über die Erdoberfläche. Die Totalitätsdauer steigt, wenn sich der Mond in Erdnähe und die Sonne in Erdferne befindet. Außerdem steigt die Dauer des Spektakels, wenn die Schattenzone im Bereich des Erdäquators liegt und die Finsternis in den Mittagsstunden stattfindet. Diese Effekte beeinflussen die Geometrie des Schattens und die Geschwindigkeit, mit der er sich über die Erdoberfläche bewegt.
Am 2. August ist die längste Dauer der Finsternis in Ägypten in der Gegend um Luxor zu erwarten. Klarerweise ist auch die Wetterprognose ein Kriterium für das Reiseziel. Obwohl es auch bei schlechtem Wetter einige Minuten dunkel wird, würde man die meisten Phänomene versäumen.
Robert Seeberger