Acht Wochen Sommerferien: Warum in Brand die Schule früher anfängt

In Brand hat das neue Schuljahr bereits am Montag begonnen. Eine verkürzte Sommerpause, flexible Lernplätze und ein Baum im Klassenraum zeigen, wie die kleine Volksschule ihren eigenen Weg geht.
Die Volksschule Brand ist keine Bildungseinrichtung wie jede andere in Vorarlberg. Während die meisten anderen Schulen erst am kommenden Montag wieder ihre Türen öffnen, ist in Brand schon diese Woche Kinderlachen zu hören und kleine Schultaschen zu sehen. „Das ist gut so“, sagt Schülerin Sophie, aus der vierten Klasse, überzeugt. Dass die 29 Brandner Volksschulkinder nur acht statt neun Wochen Sommerferien haben, scheint keines von ihnen zu stören.

Frei im Mai
Für die fehlende Ferienwoche gibt es im Mai zusätzliche „Ersatzferien“. Direktorin Katrin Lorber erklärt: „Ob wir die freie Woche in den Sommerferien behalten oder im Mai nützen, wird jedes Jahr mit den Eltern abgestimmt.“ Grund für die Sonderregelung ist, dass Brand als Gemeinde stark vom Tourismus lebt. Ein Großteil der Eltern arbeitet vor Ort in der Tourismusbranche.
Fallen die Ferien der Kinder mit der Hauptsaison – und damit der arbeitsintensivsten Zeit für die Eltern – zusammen, macht dies den Alltag der Familien nicht unbedingt einfacher. Die verkürzten Sommerferien sollen deshalb zumindest teilweise Entlastung bringen.

Individuell darauf eingehen
Die überschaubare Größe der Schule sieht Lorber als großen Vorteil. „Es ist kleiner, feiner“, sagt die gebürtige Niederösterreicherin. Für die Kinder bleibe dadurch mehr Zeit, und die Lehrpersonen könnten sich besser auf ihre individuellen Bedürfnisse einlassen. Gerade die emotionale Entwicklung sei ihr wichtig. Das Team ist bewusst vielseitig aufgestellt: Lehrer Michael unterrichtet Mathematik, Turnen und Werken, während Lorber die dritte und vierte Schulstufe führt. Ihre Kollegin Anna betreut die erste und zweite Klasse und absolviert parallel ihr Masterstudium.

Naturmaterial Baum
Das ist aber noch lange nicht alles, was die Volksschule in Brand besonders macht. Während man mancherorts befürchten könnte, dass der Nachwuchs vor lauter Bildschirmen endgültig die Verbindung zu Fauna und Flora verliert, sieht die Realität im Brandnertal noch anders aus. Im Klassenraum der dritten und vierten Schulstufe reicht ein rund vier Meter hoher Baum bis an den Dachgiebel. Direktorin und Klassenlehrerin Lorber erklärt: „Ich habe den Schülern gesagt, sie sollen für den Unterricht bitte Naturmaterialien mitbringen. Dass zwei von ihnen daraufhin gleich einen ganzen Baum mitbringen, damit habe ich nicht gerechnet.“
Lorber freute sich dennoch über den Einsatz der beiden Buben Adrian und Levian. Seither hat der Laubbaum seine eigene kleine Ecke im Klassenzimmer. Auf die Frage der NEUE, wie man als Volksschüler an einen ganzen Baum kommt, erzählt Adrian: „Holzfällen zählt zu einem meiner vielen Hobbys.“

Mittelalter bis Jugendsprache
In Brand weiß die junge Generation somit allem Anschein nach noch, was Natur bedeutet. Gleichzeitig hält die Schule aber auch mit der Zeit Schritt. An der Wand stehen aktuelle Jugendwörter wie „lit“ oder beispielsweise auch „Aura“, darunter die Übersetzung ins Mittelalterdeutsche. So wird „Digga, chill mal“ ins Mittelalterdeutsche übersetzt: „Gemach, mein werter Knabe, gemach – zügelt euren ungezähmten Zorn.“. Lorber erklärt, dass es ihr wichtig sei, eng mit den Kindern zusammenzuarbeiten und sie dort abzuholen, wo sie stehen.
Freie Platzwahl.
Seit Montag wird an der Schule außerdem das Churermodell getestet. Das bedeutet konkret: Die Schüler haben keinen fixen Platz an einem einzelnen Pult mehr. Stattdessen gibt es einen Sitzkreis mit einem festen Platz für jedes Kind. In Phasen konzentrierter Arbeit können sie ihren Arbeitsplatz im Raum selbst wählen.
Die Aufgaben werden im Sitzkreis verteilt. Wer bei einer Aufgabe nicht weiterweiß, nimmt am Beratungstisch Platz. Dort können Kinder, die mit ihrer Arbeit bereits fertig sind, anderen helfen. Gleichzeitig erkennt Lorber, wo Unterstützung benötigt wird. Auch mit Tagesplänen arbeitet die Schule bereits. Das soll den Kindern den späteren Übergang an die Mittelschule in Bürs erleichtern.

Behutsam möchte Lorber auch den Schulstart für die jüngsten gestalten. Kindergartenkinder können mit einer Besucherkarte in der Schule vorbeischauen und in den Unterricht hineinschnuppern. So soll der Wechsel später vom Kindergarten in die Volksschule ein Stück weniger nervenaufreibend werden.