„Leopoldstadt“ erinnert an eine zerstörte Welt

Tom Stoppards „Leopoldstadt“ spannt den Bogen vom selbstbewussten jüdischen Bürgertum Wiens bis zur Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Das Landestheater Vorarlberger bringt das Familiendrama in einer Inszenierung von Johannes Lepper auf die Bühne.
Das Vorarlberger Landestheater feierte am Freitag Premiere auf der Werkstattbühne des Bregenzer Festspielhauses. Im Theaterstück “Leopoldstadt”, das im Jahr 1899 spielt, erzählt der 2025 verstorbene Dramatiker Tom Stoppard in seinem letzten Stück die jüdische Geschichte Wiens vom Glanz bis zur Auslöschung. Die jüdische Familie Merz, zu der längst auch angeheiratete Christen gehören, feiert Weihnachten. Bald bricht ein neues Jahrhundert an, und voller Hoffnung schaut man ihm entgegen. Zwar werden Juden immer noch diskriminiert, trotzdem haben es die Merzens weit gebracht, verkehren mit Gustav Klimt und Arthur Schnitzler, und fast alle finden Theodor Herzls Idee von einem eigenen jüdischen Staat recht abwegig. Über 50 Jahre später, 1955, nach zwei Weltkriegen, einer Wirtschaftskrise und nach dem Holocaust, den die wenigsten von ihnen überleben, begegnen sich die letzten Merz-Nachkommen in derselben, nun verlassenen Wohnung, wo nichts mehr an die Zuversicht von einst erinnert. Autor Tom Stoppard richtet seinen Blick auf eine Vergangenheit, die gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder salonfähig wird, hochaktuell ist. In der Inszenierung von Regisseur Johannes Lepper, im Bühnenbild von Doreen Back und in den Kostümen von Monika Gebauer spielen Sabine Wegmann, Nurettin Kalfa, Thieß Brammer, Maria Lisa Huber, Rebecca Hammermüller, Michael Witte, Nanette Waidmann, Isabella Campestrini, Nico Raschner-Ernst, Olga Gubina und Luzian Hirzel. Auf der Zuschauertribüne saßen Landesrätin Barbara Schöbi-Fink und Philipp Schöbi, Monika Wagner, Claudia Voit, Christiane Zaunmaier, Schauspielerin Sabine Lorenz, Eva Puchner und Hubert Krenkl.









Yasmin Ritter