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Bedrohung durch Künstliche Intelligenz?

07.07.2023 • 12:44 Uhr
Wohin führt Künstliche Intelligenz die Menschheit?
Wohin führt Künstliche Intelligenz die Menschheit? AP

Die Softwarefirma Open AI warnt davor, dass Künstliche Intelligenz bald klüger ist, als die Menschheit.

Sie kom­po­niert Lie­der, er­stellt ein­drucks­vol­le Bil­der und Texte, er­kennt ge­wis­se Er­kran­kun­gen ver­läss­li­cher als Men­schen, lässt Autos ir­gend­wann si­che­rer fah­ren, als wir es je könn­ten: Künst­li­che In­tel­li­genz (KI). Und: Sie be­droht die Mensch­heit exis­ten­zi­ell. So lau­tet zu­min­dest eine im Netz gern ver­brei­te­te Be­fürch­tung, die Film­freun­de un­wei­ger­lich an die “Ter­mi­na­tor”-Se­rie mit Ar­nold Schwar­ze­negger und das böse “Sky­net” den­ken lässt. Be­grün­det wer­den die War­nun­gen mit dem Um­stand, dass die Leis­tungs­fä­hig­keit von KI ste­tig zu­nimmt und in immer mehr An­wen­dungs­be­rei­che vor­dringt. Soll­te ein Sys­tem so in­tel­li­gent wer­den, dass es eine leis­tungs­fä­hi­ge­re Ver­si­on sei­ner selbst kre­ieren kann und die Mensch­heit als hin­der­lich für sei­nen Ein­satz­zweck sieht, könn­te es ver­su­chen, diese los­zu­wer­den.

Chat-GPT-Entwickler warnen vor KI

In eine ähn­li­che Kerbe schlägt nun Open­ AI – also jene Firma, die mit “ChatGPT” für Fu­ro­re sorgt. Das Pro­gramm kann Texte kre­ieren, die von denen eines Men­schen kaum zu un­ter­schei­den sind. Open­ AI warn­te nun, dass “die enor­me Macht der Su­per­in­tel­li­genz” zur Ent­mach­tung der Mensch­heit oder gar zu ihrem Aus­ster­ben füh­ren könne. Das schrie­ben Open-­AI-Mit­grün­der Ilya Suts­ke­ver und der Lei­ter der Ab­tei­lung für zu­künf­ti­ge Aus­rich­tung, Jan Leike, in einem Blog­bei­trag. Dem­nach könn­ten su­per­in­tel­li­gen­te KI-Sys­te­me, die in­tel­li­gen­ter seien als Men­schen, noch in die­sem Jahr­zehnt ver­wirk­licht wer­den. Der Mensch werde bes­se­re Tech­ni­ken be­nö­ti­gen, als zur­zeit zur Ver­fü­gung ste­hen, um su­per­in­tel­li­gen­te KI zu kon­trol­lie­ren. Die Lö­sung soll eine “Su­per­in­tel­li­genz” sein, Open ­AI will dafür in den nächs­ten vier Jah­ren 20 Pro­zent sei­ner Re­chen­leis­tung zur Ver­fü­gung stel­len.

Doch wie ge­fähr­lich kann uns KI wirk­lich wer­den? Roman Kern, KI-Ex­per­te an der TU Graz, kann sich vor­stel­len, dass KI tat­säch­lich bald in­tel­li­gen­ter als Men­schen sein könn­te. Wobei es dar­auf an­kom­me, wie man das misst: “Man sieht in ge­wis­sen Be­rei­chen schon, dass KI-An­wen­dun­gen bes­ser ab­schnei­den als ein durch­schnitt­li­cher Mensch, aber es gibt auch noch viele Li­mi­ta­tio­nen: Logik ein­set­zen, Schlüs­se zie­hen, das kann die KI noch nicht.”

Roman Kern, KI-Experte von der TU Graz
Roman Kern, KI-Experte von der TU Graz.TU Graz

Auf die apo­ka­lyp­ti­schen Sze­na­ri­en an­ge­spro­chen, gibt der Ex­per­te Ent­war­nung, eher sieht er darin einen PR-Gag, mit dem Fir­men ihre KI-Pro­duk­te im Ge­spräch hal­ten wol­len: “Eine Ma­schi­ne denkt nicht, sie hat kei­nen Wil­len, kei­nen Plan.” Viel­mehr sieht er Ge­fah­ren in an­de­ren Be­rei­chen. Etwa bei der mas­sen­haf­ten Ver­brei­tung von Fake News. Große Ge­fah­ren birgt auch der Ein­satz von KI in Waf­fen­sys­te­men. Hier brau­che es Re­geln.

Grund­sätz­lich gibt Kern zu be­den­ken, was es für uns als Ge­sell­schaft und In­di­vi­du­um psy­cho­lo­gisch be­deu­tet, wenn wir sehen, dass Ma­schi­nen ko­gni­ti­ve Auf­ga­ben bes­ser lösen als wir oder sogar Jobs er­set­zen. “Wir sind es zwar schon ge­wohnt, dass Ma­schi­nen prä­zi­ser und stär­ker sind als wir, aber das gibt uns als Mensch­heit zu knab­bern. Und damit spie­len diese Fir­men auch.”