Kultur

Geschichte eines Tatorts

07.07.2020 • 18:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Felix Kalaivanan (l.)  und Amos Postner. <span class="copyright">Theater Kosmos</span>
Felix Kalaivanan (l.) und Amos Postner. Theater Kosmos

Morgen wird ein neues Stück von zwei jungen Autoren uraufgeführt.

Der lateinische Begriff „genius loci“ bedeutet übersetzt in etwa „Geist des Ortes“. Die Frage, inwiefern Ereignisse einen Ort beeinflussen, an diesem über Jahre quasi haften bleiben, beschäftigte die Autoren Amos Postner und Felix Kalaivanan bei der Entwicklung ihres Theaterstücks „Infantizid, Femizid, Suizid“. Das Werk, dessen Titel den betreffenden Ort als Tatort zu erkennen gibt, wurde im Zuge des Kosmodrom-Stückewettbewerbs zum Thema Gewalt eingereicht. Gewonnen hat das Autorenduo zwar nicht, der Text gefiel dennoch, und so kommt das Stück am morgigen Donnerstag erstmals beim Kosmodrom am Theater Kosmos zur Aufführung. Kalaivanan, der auch als Filmemacher bekannt ist, sprach im Vorfeld über den Inhalt und die Entstehung des Textes, den Stephan Kasimir inszeniert.

Im Theater Kosmos läuft ab morgen das Kosmodrom.<span class="copyright"> Theater Kosmos</span>
Im Theater Kosmos läuft ab morgen das Kosmodrom. Theater Kosmos

Das Stück spielt in einem leerstehenden Dorf-Café in einer fiktiven österreichischen Gemeinde. Leer steht es, da sich dort eine grausame Bluttat ereignete, in dessen Zuge eine Familie ausgelöscht wurde. Für einen Nachbericht kehrt ein Jahr nach der Tat ein TV-Team zum Schreckensort zurück: So wie etwa auch im Fall Fritzl oder Kampusch, bleibe auch in diesem österreichischen Kriminalfall das Medieninteresse selbst nach einiger Zeit groß, wie Kalaivanan im Gespräch meint. Es gehe demnach nicht nur um die Frage, wie die Bevölkerung mit dem Leerstand umgehe, sondern auch darum, wie sich die Medien mit schrecklichen Ereignissen dieser Art auseinandersetzen würden.

Blutdurchtränkt

Entstanden ist das Werk in der WG-Küche von Postner und Kalaivanan in Wien, wie Letzterer erzählt. Der Träger des „Goldenen Einhorns“ in der Kategorie „v-shorts“ bei der Alpinale 2018 studiert dort gerade Drehbuch und Schnitt. Kalaivanan arbeite jedoch in jüngster Zeit vermehrt im Bereich Theater und Hörspiel, so der gebürtige Götzner. Seine Erfahrungen am Filmset konnte er etwa für die Gestaltung der Figur des Kameramanns nutzen – im Nachhinein seien die jeweiligen Beiträge der beiden Autoren zum Stück aber schwer auseinander zu dividieren.

Bekommen am Freitag ihren Preis: Sophie Blomen und Max Reininger. <span class="copyright">Theater Kosmos</span>
Bekommen am Freitag ihren Preis: Sophie Blomen und Max Reininger. Theater Kosmos

Gespannt ist der Autor auf die Inszenierung Kasimirs, denn wie er verrät, haben die beiden Schöpfer des Textes eine knifflige Regieanweisung eingebaut: Das Café soll nämlich ein Jahr nach der Tat immer noch blutdurchtränkt sein, ohne dass die Charaktere dies beachten würden. Wie der Regisseur das meis­tert, ist ab morgen in Bregenz zu sehen.

Nach der Vorstellung am Freitag findet übrigens die Preisverleihung des jüngsten Stückewettbewerbs statt. Ausgezeichnet werden Sophie Blomen und Max Reininger für ihren Beitrag zum Thema „Life in 2050“.

Termine

„Infantizid, Femizid, Suizid“ von Amos Postner und Felix Kalaivanan. 9., 10. und 11. Juli, jeweils um 20 Uhr im Theater Kosmos, Bregenz. Tickets gibt es unter www.theaterkosmos.at.

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