Kultur

Ein musikalisches und visuelles Fest

01.01.2021 • 18:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jean-Michel Jarre vor seiner Silvestershow. <span class="copyright">APA/AFP</span>
Jean-Michel Jarre vor seiner Silvestershow. APA/AFP

Silvesterkonzert in der virtuellen Kathedrale Notre-Dame.

Er wollte der Welt zu Silvester eine Show liefern – und das tat er. Jean-Michel Jarre, der 72-jährige Pionier der Synthesizer-Klänge aus Frankreich, hat auf einer beeindruckenden virtuellen Bühne einem globalen digitalen Publikum beim Übergang ins neue Jahr ordentlich eingeheizt. „Welcome to the Other Side“ heißt das Kooperationsprojekt mit der Stadt Paris und der Unesco, das einerseits der Kathedrale Notre-Dame als Hommage diente, und zugleich einem Live-Konzert Raum gab, das in dieser Form derzeit auf keiner realen Bühne hätte verwirklicht werden können: ein elektronisches Zeichen der Hoffnung, das Jarre nach rund 50 Minuten mit einem Versprechen besiegelte: „2021 wird rocken, und das hat hier schon begonnen“, sagte der Musiker am Ende dieser Performance.

Kathedrale als Tanz-Tempel

Ein 3D-Modell der gotischen Kathedrale, das vor dem verheerenden Brand 2019 angefertigt wurde, diente als Vorlage für die virtuelle Party. Im Zentrum des Events stand ein Avatar des Künstlers, also eine Art virtuelles Alter Ego. Die orangefarbene Figur übermittelte das Live-Set, das der Franzose unweit der Kathedrale in einem Studio spielte. Nach ein paar verzerrten Orgelklängen ging es gleich heiß her: Jarre, der eigentlich auch sphärische und ruhige Werke erschuf, wollte offenbar die Zuschauer zum Tanzen bringen und lieferte energiegeladenen Techno. Der Musiker und Komponist performt gerne hinter Synthesizern und Computern, die auch optisch etwas hergeben, was hier perfekt zur fulminanten Show passte.

Jarre auf seiner Bühne. <span class="copyright">APA/AFP</span>
Jarre auf seiner Bühne. APA/AFP

Denn auch dem Auge wurde einiges geboten: Die Kathedrale wurde zu einer virtuellen Disco, die nicht an der Licht-Show sparte. Visuals loteten die Dimensionen der Haupt- und Seitenschiffe der Kathedrale aus, der Prachtbau wurde mit Licht, Form und Farbe lebendig. In diesem Tanz-Tempel durfte auch das virtuelle Publikum nicht fehlen: Computergenerierte Zuschauer jubelten dem Avatar zu.

Der Musiker ist 72 Jahre alt. <span class="copyright">APA/AFP</span>
Der Musiker ist 72 Jahre alt. APA/AFP

Ein weltweiter Erfolg ist immer noch das legendäre 1976 erschienene Album „Oxygène“, das sich beim Silvester-Event in neu bearbeiteter Form zeigte. Dazu waren Werke aus dem Album „Electronica“ (2015/16) zu hören. Am Ende blitzte hinter dem Avatar doch noch der reale Jarre hindurch, um seine Ankündigung zu machen. Ja, er hatte Recht – es hat gerockt. Nachzusehen ist das Konzert auf YouTube.