Kultur

Tanz als Gedicht und Bewegung als Wort

11.11.2022 • 20:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Vessel“ des Théâtre National de Bretagne in einer Choreographie von Damien Jalet und Kohei Nawa bildet den Auftakt des Bregenzer Frühlings 2023.  <span class="copyright">Yoshikazu Inoue</span>
„Vessel“ des Théâtre National de Bretagne in einer Choreographie von Damien Jalet und Kohei Nawa bildet den Auftakt des Bregenzer Frühlings 2023. Yoshikazu Inoue

Starke Inhalte und poetische Performances soll es beim Bregenzer Frühling im nächsten Jahr geben.

Zum Programm des Bregenzer Frühlings 2023 zitiert Judith Reichart, Leiterin des Kulturservice in Bregenz, die niederländische Tänzerin Mata Hari (1876–1917), die später einen zweifelhaften Ruf als Spionin bekam: „Der Tanz ist ein Gedicht und jede seiner Bewegungen ist ein Wort.“

Davon ausgehend habe sie versucht, Tanzkompagnien zu finden, deren Produktionen starke Inhalte haben, die mittels tänzerischer Leistung und Choreographie erzählt werden, sagt Reichart. So gesehen, lasse sich bei den nächstjährigen Darbietungen durchaus ein roter Faden finden.

Den Auftakt macht im März das französische Théâtre National de Bretagne mit „Vessel“, choreographiert von Damien Jalet und Kohei Nawa. „Dabei handelt es sich um eine intensive Auseinandersetzung mit dem Menschen, dem Körper, dem, was wir tun. Es geht um das Zusammenspiel zwischen Mensch und Welt“, schildert Reichart. Das Stück, bei dem die Bühne geflutet werde, zeige den Menschen als Teil des Ganzen – mit daraus resultierenden Wechselwirkungen.

Die Israel Galván Company widmet sich dem Flamenco.   <span class="copyright">Natalia Benosilio</span>
Die Israel Galván Company widmet sich dem Flamenco. Natalia Benosilio

Die nach dem Choreographen benannte spanische Israel Galván Company widmet sich im März mit „Seises“ dem Flamenco. Allerdings nicht in einer plakativen Form, so Reichart. Es gehe nicht um Folklore, sondern um die tiefen Wurzeln des Flamencos in der spanischen Kultur und Gesellschaft.

Mit Richard Siegal und seinem Ballet of Difference kommt im April ein Großmeister des klassischen Tanzes nach Bregenz. „Er schafft es aber, den in eine zeitgenössische Ästhetik zu bringen“, beschreibt Reichart seine Choreographie. „Xerrox Vol. 2“ heißt die Produktion, zu der der auch als Künstler bekannte Carsten Nicolai unter dem Pseudonym Alva Noto die Musik geschrieben hat. Es sind elektronische Klänge, „intensive, schöne Musik“ (Reichart), bei der auch Stroboskopeffekte zum Einsatz kommen.

"Lovetrain2020" der Kompagnie Emanuel Gat Dance.  <span class="copyright"> Julia Gat</span>
"Lovetrain2020" der Kompagnie Emanuel Gat Dance. Julia Gat

„Sehr lässig, richtig Fun“ ist laut der Kulturservice-Leiterin „Lovetrain2020“ der französischen Kompagnie Emanuel Gat Dance. „Es ist feministisch, queer und noch viel mehr.“ Das Stück ist Mitte April zu sehen. Im Mittelpunkt steht der Mensch – „wer sind wir, was machen wir, was wollen wir“. Reichart spricht von einem „gesellschaftsmotivierenden Tanzfest“ mit vielen Tänzerinnen und Tänzern, viel Bewegung, einem Aufruf zu einer offenen Gesellschaft und einem „schönen, positiven Stück“. Die Musik dazu stammt von der britischen Popband Tears for Fears.

Szene aus „Jungle Book reimagined“ der Akram Khan Company.   <span class="copyright">Ambra Vernuccio</span>
Szene aus „Jungle Book reimagined“ der Akram Khan Company. Ambra Vernuccio

Die britische Akram Khan Company, die schon heuer da war, wird auch im nächsten Jahr – im Mai – mit einem neuen Stück zu sehen sein. Für „Jungle Book reimagined“ hat Tänzer und Choreograph Akram Khan Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ neu interpretiert. Mowgli ist bei ihm ein kleines Mädchen, das auf der Flucht vor einer Naturkatastrophe in einer Welt der Tiere landet. „Ein opulentes Bühnenstück, das einerseits zum Nachdenken anregt und gleichsam die Schönheit dessen, was uns umgibt, aufzeigt“, sagt Reichart. Alle im nächsten Jahr zu sehenden Tanzproduktionen sind österreichische Erstaufführungen.

Aktionstheater zum Abschluss

Den traditionellen Abschluss des Bregenzer Frühlings bildet auch 2023 das Aktionstheater Ensemble mit einer Uraufführung. „Morbus Hysteria – Wir haben alle recht“ ist der Titel dieses neuen Werks von Martin Gruber und seinem Team, mit dem man sich erneut gesellschaftspolitischen Verschiebungen stelle.

Alle Informationen zum Programm unter www.bregenzerfruehling.com

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