Kultur

“Die Politiker mögen Katzen”

08.08.2023 • 18:24 Uhr
Die Politiker_Theater unpop <span class="copyright">Ensemble Unpop, Caro Stark</span>
Die Politiker_Theater unpop Ensemble Unpop, Caro Stark

Das Ensemble unpop ist mit ihrer jüngsten theatralen Intervention „Die Politiker“ öffentlich unter freiem Himmel zu erleben.

In weißen Ganzkörperanzügen treten die fünf Schauspielerinnen auf den Platz, unter den Armen tragen sie das Bühnenbild, das sie später aufrollen und hochziehen – eine angekreuzte Wahlkarte auf weißem Transparent flattert im Wind. Stehend auf den Tischen schauen sie über die Köpfe des Publikums hinweg und sprechen von oben herab über „die Politiker“.

„Öffentliche Aktion“

Die Wörter wiederholen sich, beschreiben und wenden sich ab von der üblichen Politik und hin zum Politiker selbst als eigenartige Person, die dennoch ganz nah dran ist am Typ Durchschnittsmensch. Über „die Politiker“ hat der deutsche Dramatiker Wolfram Lotz einen Sprechtext geschrieben, das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung (Theater unpop) hat ihn am Montag in der Bearbeitung von Stephan Kasimir und Caro Stark in Bregenz aufgeführt. Als „Aktion“ sollte der Text öffentlich und unter freiem Himmel stattfinden.

Die Politiker_Theater unpop<span class="copyright"> Ensemble Unpop, Caro Stark</span>
Die Politiker_Theater unpop Ensemble Unpop, Caro Stark

Was folgt ist eine abstrakte Aneinanderreihung von Wörtern und Sätzen, die sich manchmal abgehakt wiederholen, oft rhythmisch reimen oder in Wortspielereien verlieren. Es geht um „die Politiker“, die sich endlos wiederholt ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit befinden und zu unserem Leben dazugehören, wie Ohren und Nasen – aber bei Politikern sind die aus Holz: „Die Politiker hören nichts.“
Im Gedicht werden sie vom Podest gestoßen, Lotz macht sie zu Menschen aus der Masse, sucht sie in den „kleinen Männern“ und enthüllt sie von ihren Masken. Die Politiker werden zum Alltagsmensch, der mit dem Flugzeug fliegt, auf dem Bauch schläft und Bratkartoffeln isst. „Die Politiker mögen Katzen.“ Politiker kann jeder sein, jeder der seine Mutter anruft, Marcell heißt oder sich im Gerede verliert. Lotz nimmt die Politiker raus aus den Zeitungen und den Fernsehinterviews, raus aus dem Kontext, wo sie von den Bürgern distanziert und unnahbar erscheinen. Er setzt sie ins banale Leben, in einen Alltag, den jeder kennt und der sich zwischen Netflix und Gartenschlauch abspielt.

Wiederholungen

Manche der Stimmen werden mit der Zeit unruhig und leicht gereizt, die Darsteller beenden gegenseitig ihre Sätze, stellen Fragen und antworten. Immer wieder reden sie sich nach und sagen wie besessen das gleiche, sprechen im Chor, im Singsang der Pfarrer oder auch ganz durcheinander. Die vielen Wiederholungen zeigen, wie sich das Gesagte verändern kann, je öfter es ausgesprochen wird, verweisen aber vermutlich auch auf die echten Politiker, die sich genauso in den immergleichen Sätzen wiederfinden, bis sie damit durchkommen. Auch wenn Lotz zum Teil humorvolle Bilder schafft und überlegte sinnreiche Phrasen einbaut, sind es meistens zusammenhanglose Sätze, die aneinandergereiht auch eine gewisse Monotonie bewirken. Alles ist sehr abstrakt und dadaistisch beliebig. Zwar lassen die Darstellerinnen Diana Kashlan, Pia Kolb, Claudia Seigmann, Nicola Trub und Katja Uffelmann die Zeilen jede auf ihre Weise wirken, steigen und fallen in der sprachlichen Melodie, aber doch ist die Inszenierung selbst sehr reduziert auf den Text.
Bis 12. August in Bregenz und Lustenau, freier Eintritt, weitere Termine unter: www.unpop.at.