Kultur

„Es war trotz aller Mühen ein gutes Leben“

12.12.2023 • 23:00 Uhr
Zeichnung aus "Ich war ein unruhiger Kopf" <span class="copyright">Sophia Weinmann</span>
Zeichnung aus "Ich war ein unruhiger Kopf" Sophia Weinmann

Heinz Janisch hat ein Kinderbuch über das Leben des Schriftstellers Franz Michael Felder geschrieben. Die Illustrationen stammen von Sophia Weinmann.

Ein Südburgenländer hat bei einem Schweizer Verlag ein Kinderbuch über einen Vorarlberger geschrieben – ein weiterer Versuch, das Leben und Werk des Schriftstellers Franz Michael Felder über die Grenzen hinweg bekannt zu machen. „Ich will, dass man den Felder kennenlernt“ – eine „hochspannende Persönlichkeit“ und außerdem „Weltliteratur“, findet auch der Kinderbuchautor Heinz Janisch, dessen Interesse für den Bregenzerwälder Autor vom früheren Obmann des Franz-Michael-Felder-Vereins Norbert Häfele geweckt wurde.

Heinz Janisch <span class="copyright">Andrea Fritz-Pingera</span>
Heinz Janisch Andrea Fritz-Pingera

Kurzes intensives Leben

„Mich faszinieren Lebensgeschichten“, beschreibt Janisch, der zuvor in „Die Reise seines Lebens“ ein Buch über Hans Christian Andersen verfasst hat. „Das sind so Lerngeschichten“, bei denen man selber lerne, wofür man sich begeistern kann. Das neue Buch „Ich war ein unruhiger Kopf“ handelt von wirklichen Episoden aus dem Leben des Schriftstellers, der in einem kleinen Dorf im 19. Jahrhundert ums Überleben und gegen soziale Ungerechtigkeit kämpft. „Meine Nase war mir oft im Weg.“, schreibt der Erzähler aus der Ich-Perspektive von Franz Michael Felder, der als Figur aus den Seiten herausspringt und auf Bäume klettert, um die Welt von oben zu betrachten. In kurzen Sätzen berichtet der junge Felder vom Schriftstellerleben in den bäuerlichen Verhältnissen, von den unruhigen Händen der Mutter, die nur beim Beten für ihren Buben zur Ruhe kommen und seiner großen Angst vor der feierlichen Kirche. So führt die Figur durch ein ganzes Leben und begreift die Enge des Bregenzerwaldes aus der kindlich-besonderen Perspektive, in der die Wichtigkeiten in den Details liegen. Neben der Freude über die Bücher und das Glück, das Felder in den kleinen Dingen findet, portraitiert das Buch auch seine Lebenskraft und erzählt die Geschichte davon, wie sich der Schriftsteller und Sozialreformer trotz seines schwierigen Lebens nicht unterkriegen lässt.

Franz Michael Felder im Bilderbuch <span class="copyright">Sophia Weinmann</span>
Franz Michael Felder im Bilderbuch Sophia Weinmann

Liebe zu Tieren

. „Was mir beim Felder gefallen hat, war dass er Tiere und die Natur liebt und einen Blick für andere hat“, so Janisch über den „Rebell im guten Sinne“. Diese Geborgenheit und Gemütlichkeit in der Nähe von Büchern und Tieren findet sich auch in den Bildern, in denen Felder mit den Kühen kuschelt und von einem Schmetterling – der symbolisch für Felders Seele steht – begleitet wird.
Wenn die Bücher auftauchen, wird das von Arbeit und Krankheit bestimmte Leben heller und leichter. Die im Bregenzerwald aufgewachsene Künstlerin Sophia Weinmann habe „die Schwere“ und auch die „Schönheit und Zerbrechlichkeit“ in der Illustration gut rübergebracht“, freut sich Janisch über die berührenden Bilder zu seinen Texten.

Sophia Weinmann <span class="copyright">Andrea Fritz-Pingera</span>
Sophia Weinmann Andrea Fritz-Pingera

Anspruchsvoll

Orientiert habe sich der Autor auch chronologisch an Felders Autobiografie „Aus meinem Leben“ und auch an dessen Klang – „Dieser eigene Ton und die alte Sprache, die ehrlich und direkt ins Herz geht“ – dem Janisch gerecht werden wollte. Es sei ein „anspruchsvolles Kinderbuch“, das für Kinder ab acht, aber auch für Erwachsene und Jugendliche interessant werden könnte, die „selbst dabei sind, ihr Leben zu entwickeln“, beschreibt der Autor. „Jeder der mit Autoritäten kämpft, jeder der die Tiere und die Natur liebt, einen Traum hat“ oder versuche, sich in einer schwierigen Gegend oder einem schwierigen Umfeld zu behaupten, könne sich dann im Leben von Felder wiederfinden. Denn die Abgeschiedenheit gäbe es eben nicht nur in Vorarlberg. „Man kann sich immer was aus alten Geschichten in die heutige Zeit holen“.


„Ich war ein unruhiger Kopf. Aus dem Leben des Franz Michael Felder“: Heinz Janisch, Sophia Weinmann. Erschienen im November, NordSüd Verlag. 64 Seiten.