Zweiter Advent mit der Stella Vorarlberg

Bei der Sinfonischen Weihnacht am Sonntag stand der junge Pianist Mykola Myroshnychenko mit dem Hochschul-Sinfonieorchester Stella Vorarlberg auf der Bühne in Feldkirch.
Bei der traditionellen Sinfonischen Weihnacht des Hochschul-Sinfonieorchesters Stella Vorarlberg führte Dirigent Benjamin Lack die Studierenden an die große Romantik von Edvard Grieg und Johannes Brahms heran. Hochschuldirektor Jörg Maria Ortwein blickte in seiner Begrüßung stolz auf das erste Jahr als Privathochschule zurück und dankte Benjamin Lack für seine in 14 Jahren erreichte Entwicklung der Orchesterarbeit.

Studentischer Solist
Zu Lacks vielfältigen Aufgaben in Feldkirch und Vorarlberg kommt ja jetzt die Professur für Chorleitung an der Kunstuniversität Graz, die Orchesterarbeit in Feldkirch will er aber weiterführen. Waren in früheren Konzerten Lehrkräfte als Solisten aufgetreten, so war es jetzt erstmals ein Student: Der 20-jährige ukrainische Pianist Mykola Myroshnychenko, der kurz nach Kriegsbeginn mit seiner Familie flüchten konnte und in Götzis eine neue Heimat gefunden hat, setzt sein in der Ukraine begonnenes Studium nun bei Anna Adamik in Feldkirch fort und begeisterte in Griegs Klavierkonzert mit seiner technischen wie musikalischen Reife. Das einzige Klavierkonzert des Norwegers pendelt immer wieder zwischen „Attacke“ und „Poesie“, zwischen fanfarengleichen kraftvollen Akkordpassagen und lyrisch blühenden Seitenthemen, beim Solisten ebenso wie im Orchester. Mykola hat dafür einen hellen leuchtenden, nur selten grellen Anschlag im sicheren Zusammenspiel mit dem Orchester, in den sanfteren Passagen führt Benjamin Lack ihn und die zahlreichen kleinen Soli bei den Bläsern mit großer Achtsamkeit zusammen, vor allem die erste Hornistin und der erste Oboist dürfen glänzen.

Kraftvolle Substanz
In der Solokadenz lässt der junge Pianist die oberen Register glitzern, immer mehr brodelt und grollt es in der Unterstimme als Basis für eine atmende Melodieführung. Die warmen nordischen Farben lässt der Dirigent in der Einleitung zum langsamen Satz entstehen, Holzbläser und Solocello umschmeicheln den Solisten, der dem Ganzen eine kraftvolle Substanz gibt. In Ruhe darf der Satz ausklingen, bis sich Orchester und Solist in einem temperamentvollen Springtanz mit differenzierter Gestaltung, feinen Varianten und Dialogen begegnen und gemeinsam im breiten Strom der Themen münden. Für den Beifall bedankte sich der schlaksige junge Pianist, der noch nicht so recht weiß, wohin mit sich und seinem Körper und dem üppigen Blumenstrauß, mit einem wirbelnden Tanz, vermutlich aus seiner Heimat, und mit Schubert.

Plastische Körpersprache
Bei der ersten Symphonie von Johannes Brahms mit ihren herrlichen Themen führte Benjamin Lack die Studierenden mit seiner intensiven und plastischen Körpersprache und präzisen Einsätzen in einem breiten Strom romantischer Harmonien. Getragen vom Puls der Pauke ließ er die einzelnen Themen markant hervortreten, der Orchesterklang wurde mächtig und bestand doch aus vielen kleineren Elementen, die zusammen die große Form ergaben.
In ziemlich straffem Tempo entwickelte sich der erste Satz, im Andante schwebten die Solobläser über den Unterstimmen, das klang anspruchsvoll, aber mit schön abgerundetem Ergebnis. Dem pulsierenden Scherzo folgte die Einleitung über Spannungsakkorde und Streicherpizzicati hin zu den großen Themen des Finalsatzes: Ob Horngruppe, Soloflöte, Posaunen oder die Streichergruppe in ihrer Gesamtheit – immer wieder durchleuchtete der Dirigent die Klangschichten und steuerte sein Orchester hin zur großen Schlussstretta. Das so international besetzte Hochschulorchester war höchst engagiert und motiviert in der Interpretation dieser großen romantischen Symphonie und wurde mit seinem Dirigenten zurecht bejubelt.
Von Katharina von Glasenapp