Voodoo Jürgens Trompeter aus Bregenz: „Er lässt den Chef nicht raushängen“

Interview. Am Mittwoch spielt Voodoo Jürgens auf dem Poolbar Festival in Feldkirch. Der Frontmann und sein aus Bregenz stammender Trompeter Alex Kranabetter sprachen mit der NEUE über Werdegang uns Ausblick.
Herr Jürgens, da wir dieses Gespräch telefonisch führen: Wo befinden Sie sich zurzeit und warum?
Voodoo Jürgens: Ich bin mit meiner Band im Proberaum. Wir nehmen Anfang August in Bremen ein neues Album auf. Nachdem die ersten drei Alben so entstanden sind, dass ich erst die Texte verfasst habe, wollen wir nicht mehr nach dem gleichen Muster arbeiten. Stattdessen fangen wir jetzt mit den Musikstücken an.

Am 9. Juli geben Sie mit Ihrer Band ein Konzert beim Poolbar Festival in Feldkirch. Was verbinden Sie damit?
Jürgens: Ich habe in Erinnerung, dass wir dort schon einmal gespielt haben und es mit Architekturstudenten verbunden ist. Erst letztes hat mir jemand vom Pool erzählt und mich gefragt, ob wir darin gespielt haben. Mein Gedächtnis ist getrübt, aber ich glaube, das Publikum stand im Pool.

Herr Kranabetter, sie sind in Bregenz aufgewachsen. Was verbinden Sie mit dem Festival?
Kranabetter: Da es bis auf das Berg Isel in Bregenz szenetechnisch wenig los war, ging ich oft in Dornbirn und Feldkirch aus. Seit damals habe ich das Festival als Standbein der Jugendkultur-Szene in Erinnerung. In den letzten Jahren durfte ich dort immer wieder spielen, was mich jedes Mal sehr freut. Der letzte Auftritt wer erst vergangene Woche, beim Wohnzimmerkonzert mit Palinstar.
Herr Jürgens, wie kam Kranabetter zur Band?
Jürgens: Ursprünglich war ich alleine unterwegs. Die Gruppe hat sich erst langsam ergeben. Einer meinte dann aber, dass ich ohne Schlagzeuger nicht in seinem Klub spielen darf. So kam David Schweighart dazu. Die Band ist dann Stück für Stück gewachsen, bis wir bei der Aufnahme der zweiten Platte merkten, dass uns ein Bläser fehlt. David hatte dann die Idee, den Alex zu fragen. Seit dem kennen wir uns und seitdem ist er dabei.
Welche Rolle nimmt er als Trompeter in der sechsköpfigen Band ein?
Jürgens: Unterschiedliche. Jede Nummer braucht was anderes. Als Multiinstrumentalist spielt er unter anderem Harmonium und Melodica. Er ist ein super Musiker. Ich schätze an ihm, dass er meine musikalische Sprache, die ich nicht speziell gelernt habe, versteht.
Hat er Schwächen?
Jürgens: Keine Ahnung.
Herr Kranabetter, zwischen Jazz und Neuer Musik sind Sie vielseitig tätig. Was reizt Sie an der Zusammenarbeit und ist Jürgens ein strenger Chef?
Kranabetter: Obwohl er Kopf der Band ist und die Texte ausschließlich von ihm stammen, lässt er den Chef nicht raushängen. Wir komponieren viel zusammen und haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis.

Herr Jürgens, sie stehen in der Tradition des Austropop. Hat die kontinuierliche Strahlkraft des Morbiden eine eigene Unheimlichkeit?
Jürgens: Meiner Wahrnehmung nach war es in den 90ern das so ziemlich uncoolste, im Dialekt zu singen. War wir machen steht schon irgendwie in der Tradition von Austropop, das war aber nie der Ansatz. Ich kann mich im Dialekt einfach besser ausdrücken. Das Morbide gibt es im englischen genau so.
Reagiert das Publikum in Westösterreich signifikant anders als in Wien?
Jürgens: Wenn ich in der Heimat spiele, versteht das Publikum die Feinheiten am besten. Und obwohl in Vorarlberg oder Deutschland nicht alles verstanden wird, funktioniert es erstaunlich gut.
Möchten Sie dem Poolbar-Publikum etwas ausrichten?
Jürgens: Ich wünsche mir, dass die Leute motiviert zum Konzert kommen und sich mitreißen lassen. Wir freuen uns darauf. Es schadet auch nicht, die Tanzschuhe einzupacken. Denn gegen Ende wird es vielleicht ein bisschen schneller zugehen (lacht).